Bitterstoffe: Stoffwechsel anregen natürlich
Bitterstoffe den Stoffwechsel anregen: Diese Idee hat in der Volksmedizin eine lange Tradition und gewinnt in der modernen Ernährungswissenschaft zunehmend Aufmerksamkeit. Bitterstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in Wildkräutern, Gemüse, Früchten und Getränken vorkommen und über spezielle Rezeptoren im Verdauungssystem wirken. Dieser Artikel erklärt, was die Wissenschaft bisher weiß, welche Lebensmittel besonders reich an Bitterstoffen sind und für wen konzentrierte Präparate geeignet sind.
Zusammenfassung: Bitterstoffe aus Pflanzen können über TAS2R-Rezeptoren die Verdauung unterstützen, doch ein klinisch belegter Effekt auf den menschlichen Stoffwechsel ist wissenschaftlich bisher nicht ausreichend nachgewiesen.
- Bitterstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe in Wildkräutern, Gemüse wie Chicorée und Artischocke sowie in Kaffee und Hopfen.
- TAS2R-Bitterrezeptoren befinden sich nicht nur auf der Zunge, sondern auch im gesamten Magen-Darm-Trakt und beeinflussen dort Verdauungsenzyme und Sättigungshormone.
- Für bestimmte Bitterpflanzen wie Enzianwurzel und Tausendgüldenkraut erkennt das BfArM Kommission-E-Monographien bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden an.
- Grapefruit und Bitterorange hemmen das Leberenzym CYP3A4 und können Blutspiegel von Statinen, Immunsuppressiva und Kalziumantagonisten erheblich verändern.
- Bei Gallensteinen, Magengeschwüren, Schwangerschaft oder Epilepsie sind konzentrierte Bitterstoffpräparate kontraindiziert oder nur nach ärztlicher Rücksprache geeignet.
- Der Health Claim 'Stoffwechsel ankurbeln' ist nach EU-Verordnung Nr. 1924/2006 für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Bitterstoffe und wo kommen sie natürlich vor?
- Können Bitterstoffe den Stoffwechsel wirklich ankurbeln?
- Wie wirken Bitterrezeptoren im Verdauungssystem?
- Welche Lebensmittel und Pflanzen enthalten besonders viele Bitterstoffe?
- Für wen sind Bitterstoffe geeignet - und wann ist Vorsicht geboten?
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Was sind Bitterstoffe und wo kommen sie natürlich vor?
Bitterstoffe sind chemisch vielfältige sekundäre Pflanzenstoffe, die in Wildkräutern, Gemüse wie Chicorée und Artischocke, Früchten wie Grapefruit sowie in Kaffee und Hopfen natürlich vorkommen.
Bitterstoffe sind eine chemisch vielfältige Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, die in zahlreichen Lebensmitteln und Heilpflanzen natürlich vorkommen und beim Menschen einen charakteristischen Bittergeschmack auslösen. Zu den bekanntesten Verbindungen zählen Amarogentin (Enzian), Absinthin (Wermut), Lactucopikrin (Chicorée), Chinin (als Bitterstoff in Tonic-Getränken; in Deutschland primär als Arzneistoff bekannt, nicht als typische Lebensmittelquelle) sowie das Flavonoid-Glycosid Naringin in Grapefruit und Isohumulone in Hopfen. Chemisch lassen sie sich in verschiedene Klassen einteilen, darunter Iridoide, Sesquiterpenlactone, Alkaloide und Flavonoide.
In der Natur dienen Bitterstoffe Pflanzen primär als Schutz vor Fraßfeinden und Schädlingen. Für den Menschen haben sie über Jahrhunderte eine wichtige Rolle in der Volksmedizin und in der traditionellen Küche gespielt. Klassische Quellen sind:
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Wildkräuter: Löwenzahn, Wermut, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut
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Gemüse: Chicorée, Radicchio, Rucola, Rosenkohl, Artischocke
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Früchte: Grapefruit, Bitterorange, unreife Oliven
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Getränke: Kaffee, grüner Tee, bestimmte Biere (Hopfen)
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Gewürze und Kräuter: Kurkuma, Bockshornklee
Durch moderne Züchtungsmethoden wurden viele Kulturpflanzen gezielt auf geringeren Bittergehalt selektiert, um den Verbrauchergeschmack zu treffen. Dies hat dazu geführt, dass die durchschnittliche Aufnahme von Bitterstoffen in der westlichen Ernährung zurückgegangen ist. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist diese Entwicklung nicht unumstritten, da Bitterstoffe möglicherweise relevante physiologische Funktionen erfüllen, die derzeit intensiv erforscht werden.
| Bitterstoffquelle | Wichtige Verbindungen | Mögliche physiologische Wirkung | Evidenzlage | Sicherheitshinweise |
|---|---|---|---|---|
| Artischocke (Cynarae folium) | Cynarin, Luteolin | Stimulation der Gallenproduktion, Unterstützung der Fettverdauung | EMA-HMPC-Monographie bei dyspeptischen Beschwerden anerkannt | Kontraindiziert bei Gallensteinen und Gallenwegsverschluss |
| Enzian (Gentianae radix) | Gentiopikrosid, Amarogentin | Appetitanregung, Förderung der Verdauungssaftsekretion | Kommission-E-Monographie (BfArM) bei Appetitlosigkeit und Dyspepsie anerkannt | Vorsicht bei Magengeschwüren; Allergie gegen Asteraceae beachten |
| Tausendgüldenkraut (Centaurii herba) | Swertiamarin, Gentiopikrosid | Anregung der Magensäure- und Verdauungsenzymproduktion | Kommission-E-Monographie (BfArM) bei dyspeptischen Beschwerden anerkannt | Nicht bei Magengeschwüren oder Reflux ohne ärztlichen Rat anwenden |
| Wermut (Artemisia absinthium) | Absinthin, Artabsin, Thujon | Bittermittelwirkung, traditionelle Verdauungsförderung | Traditionelle Anwendung; klinische Belege für Stoffwechseleffekte fehlen | Kontraindiziert in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Epilepsie; Thujon ist neurotoxisch |
| Grapefruit (Citrus paradisi) | Naringin, Limonin | Mögliche Beeinflussung der Insulinsensitivität (präklinische Daten) | Überwiegend Zellkultur- und Tierversuche; Humanrelevanz nicht belegt | Hemmt CYP3A4; erhebliche Wechselwirkungen mit Statinen, Immunsuppressiva, Kalziumantagonisten |
| Chicorée, Radicchio, Endivie | Lactucopikrin, Sesquiterpenlactone | Aktivierung intestinaler TAS2R-Rezeptoren, mögliche GLP-1-Freisetzung | Präklinische Hinweise; klinisch relevante Stoffwechseleffekte nicht belegt | Als Lebensmittel für gesunde Erwachsene unbedenklich; kein zugelassener Health Claim |
| Löwenzahn (Taraxacum officinale) | Taraxacin, Taraxacerin | Traditionelle Unterstützung der Leber- und Gallenfunktion | Traditionelle Volksmedizin; kontrollierte Humanstudien zu Stoffwechseleffekten fehlen | Vorsicht bei Gallenerkrankungen; Kreuzreaktion bei Asteraceae-Allergie möglich |
Können Bitterstoffe den Stoffwechsel wirklich ankurbeln?
Die wissenschaftliche Evidenz ist begrenzt: Große randomisierte Studien, die einen klinisch relevanten Effekt auf Körpergewicht oder Grundumsatz beim Menschen belegen, fehlen bislang.
Die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Bitterstoffe den menschlichen Stoffwechsel klinisch relevant ankurbeln, ist derzeit begrenzt und erlaubt keine gesicherten Aussagen über therapeutische Effekte. Präklinische Studien und erste Humanstudien liefern Hinweise auf interessante physiologische Mechanismen, doch fehlen bislang große, randomisierte kontrollierte Studien, die einen klinisch bedeutsamen Effekt auf Körpergewicht, Grundumsatz oder Glukosestoffwechsel beim Menschen belegen.
In Laborversuchen und Tiermodellen wurden folgende Beobachtungen gemacht:
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Stimulation der Gallenproduktion: Bitterstoffe wie Cynarin aus der Artischocke können die Gallenflüssigkeitsproduktion anregen, was die Fettverdauung unterstützen kann.[1][2]
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Beeinflussung von Sättigungshormonen: Aktivierung von Bitterrezeptoren im Darm scheint in präklinischen Modellen die Ausschüttung von Peptiden wie GLP-1 und PYY zu beeinflussen, die an der Regulierung von Hunger und Sättigung beteiligt sind.[14] Ob diese Effekte beim Menschen klinisch relevant sind, ist nicht abschließend geklärt.
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Glukosestoffwechsel: Einige Studien deuten auf eine mögliche Beeinflussung der Insulinsensitivität hin, etwa durch Naringin aus Grapefruit. Die Befunde stammen überwiegend aus Zellkultur- und Tierversuchen.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Befunde nicht mit den klinisch geprüften Effekten zugelassener Arzneimittel gleichzusetzen sind. Bitterstoffe aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln unterliegen keiner arzneimittelrechtlichen Zulassung. In Deutschland und der gesamten EU sind gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel nur zulässig, wenn sie nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 zugelassen sind; eine Aussage wie „Stoffwechsel ankurbeln“ ist als Health Claim nicht zugelassen und darf daher nicht beworben werden. Wer Beschwerden im Bereich Verdauung oder Stoffwechsel hat, sollte zunächst den Hausarzt aufsuchen, um organische Ursachen abzuklären.
Wie wirken Bitterrezeptoren im Verdauungssystem?
TAS2R-Rezeptoren im Magen-Darm-Trakt können Magensäureproduktion, Magenentleerung und Inkretinhormonausschüttung beeinflussen, wobei die Humanrelevanz vieler Befunde noch nicht abschließend belegt ist.
Bitterrezeptoren, sogenannte TAS2R-Rezeptoren (Taste 2 Receptors), sind nicht nur auf der Zunge lokalisiert, sondern kommen auch im gesamten Magen-Darm-Trakt vor und können dort vielfältige physiologische Reaktionen auslösen.[14] Auf der Zunge aktivieren Bitterstoffe diese G-Protein-gekoppelten Rezeptoren und senden ein Signal ans Gehirn, das klassischerweise als Warnsignal vor potenziell giftigen Substanzen interpretiert wird. Gleichzeitig wird die Speichelproduktion angeregt, was den ersten Schritt der Verdauung einleitet.
Im Magen und Dünndarm befinden sich TAS2R-Rezeptoren auf enteroendokrinen Zellen. Deren Aktivierung kann laut präklinischen und ersten klinischen Untersuchungen:
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Die Magensäureproduktion stimulieren, was die Eiweißverdauung unterstützt
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Die Magenentleerung verlangsamen, was zu einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl beitragen kann
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Die Ausschüttung von Verdauungsenzymen aus Bauchspeicheldrüse und Darm fördern (bislang überwiegend in Tiermodellen gezeigt)
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Inkretinhormone wie GLP-1 freisetzen, die an der Blutzuckerregulation beteiligt sind (präklinische Daten; Humanrelevanz noch nicht abschließend belegt)
Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Zellkultur- und Tierversuchen, dass TAS2R-Rezeptoren auch in der Leber, in Immunzellen und im Atemwegsepithel exprimiert werden, was auf systemische Funktionen hindeutet, die über die Verdauung hinausgehen.[14] Diese Befunde sind als experimentell einzustufen und lassen noch keine Schlussfolgerungen für die klinische Anwendung zu.
Die traditionelle Verwendung von Bittermitteln (Amara) in der Phytotherapie ist in den Kommission-E-Monographien des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für bestimmte Verdauungsbeschwerden anerkannt, etwa Enzianwurzel (Gentianae radix) und Tausendgüldenkraut (Centaurii herba) bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden. Auch die EMA hat im Rahmen des HMPC eine Monographie zu Artischockenblatt (Cynarae folium) bei dyspeptischen Beschwerden veröffentlicht.[2][3] Dies betrifft spezifische Indikationen, nicht eine allgemeine Stoffwechselsteigerung.
Welche Lebensmittel und Pflanzen enthalten besonders viele Bitterstoffe?
Besonders hohe Bitterstoffgehalte finden sich in Chicorée, Radicchio, Artischocke, Grapefruit, Löwenzahn, Enzian und Tausendgüldenkraut sowie in Kaffee und hopfenhaltigen Bieren.
Besonders hohe Bitterstoffgehalte finden sich in Wildkräutern, bestimmten Gemüsesorten und einigen Heilpflanzen, die in der traditionellen europäischen Medizin seit Jahrhunderten eingesetzt werden. Im Alltag lassen sich Bitterstoffe gut über eine abwechslungsreiche, pflanzenreiche Ernährung aufnehmen, ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen zu müssen.
Gemüse und Salate mit hohem Bitterstoffgehalt:
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Chicorée, Radicchio und Endivie (Lactucopikrin und verwandte Sesquiterpenlactone; Inulin ist ein Ballaststoff dieser Pflanzen, aber kein Bitterstoff)
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Rucola (Glucosinolate, Flavonoide)
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Rosenkohl und Brokkoli (Glucosinolate)
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Artischocke (Cynarin, Luteolin)
Früchte:
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Grapefruit und Bitterorange (Naringin, Limonin)
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Unreife Oliven (Oleuropein)
Kräuter und Gewürze:
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Löwenzahn (Taraxacin, Taraxacerin): Blätter und Wurzel
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Wermut (Absinthin, Artabsin): traditionell als Tee oder Tinktur; enthält Thujon (siehe Sicherheitshinweise)
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Tausendgüldenkraut (Swertiamarin, Gentiopikrosid)
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Enzian (Gentiopikrosid, Amarogentin): einer der intensivsten Bitterstofflieferanten
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Schafgarbe (Achillin, Achillein)
Getränke:
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Kaffee (Chlorogensäuren, Trigonellin)
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Grüner und schwarzer Tee (Catechine, Tannine)
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Hopfenhaltige Biere (Isohumulone)
Bei der Zubereitung ist zu beachten, dass viele Bitterstoffe durch langes Kochen oder Wässern in ihrer Konzentration reduziert werden können; dies gilt jedoch nicht für alle Verbindungsklassen gleichermaßen. Wer den Bittergeschmack in der Küche schätzt, kann Wildkräuter roh in Salate geben oder Kräutertees zubereiten.
Bei Fertigpräparaten ist in Deutschland zwischen zugelassenen Phytopharmaka (Arzneimittel mit standardisierten Extrakten und behördlich geprüfter Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit) und Nahrungsergänzungsmitteln zu unterscheiden. Letztere unterliegen keiner arzneimittelrechtlichen Zulassung und müssen keine arzneiliche Standardisierung nachweisen. Beide Produktgruppen sollten gemäß Packungsbeilage angewendet werden.
Für wen sind Bitterstoffe geeignet - und wann ist Vorsicht geboten?
Bitterstoffe aus Lebensmitteln sind für gesunde Erwachsene unbedenklich, doch bei Gallenerkrankungen, Magengeschwüren, Schwangerschaft, Epilepsie oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist ärztliche Rücksprache erforderlich.
Bitterstoffe aus Lebensmitteln sind für die meisten gesunden Erwachsenen unbedenklich und können im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung bedenkenlos konsumiert werden. Konzentrierte Bitterstoffpräparate hingegen sind nicht für jeden geeignet, und in bestimmten Situationen ist Vorsicht angebracht.
Wann Vorsicht geboten ist:
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Gallenerkrankungen: Bitterstoffe regen die Gallenproduktion an. Bei Gallensteinen, akuter Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder Gallenwegsverschluss (Cholestase) kann dies Beschwerden verstärken oder ist kontraindiziert. Betroffene sollten vor der Einnahme von Bitterstoffpräparaten ärztlichen Rat einholen.
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Magengeschwüre und Reflux: Die magensäurestimulierende Wirkung kann bei bestehenden Schleimhautläsionen oder gastroösophagealem Reflux problematisch sein.
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Schwangerschaft und Stillzeit: Für konzentrierte Bitterstoffextrakte liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Wermut enthält Thujon, eine neurotoxische Verbindung, die die Krampfschwelle senken kann; Wermutpräparate sind in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.[6][7] Auch andere konzentrierte Extrakte sollten in diesen Lebensphasen gemieden werden.
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Epilepsie: Thujonhaltige Präparate (insbesondere Wermut) können die Krampfschwelle senken und sind bei Personen mit Epilepsie oder anderen Krampfleiden kontraindiziert.
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Allergien gegen Korbblütler (Asteraceae): Schafgarbe, Wermut, Enzian und verwandte Pflanzen können bei Personen mit einer Allergie gegen Korbblütler Kreuzreaktionen auslösen.
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Wechselwirkungen mit Arzneimitteln: Grapefruit und Bitterorange hemmen das Enzym CYP3A4 in der Leber und können dadurch die Blutspiegel verschiedener Medikamente, darunter bestimmte Statine, Immunsuppressiva und Kalziumantagonisten, erheblich verändern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat hierzu Verbraucherinformationen für Deutschland veröffentlicht. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte dies mit dem Hausarzt besprechen.
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Kinder: Die Alterseignung konzentrierter Bitterstoffpräparate variiert je nach zugelassenem Produkt. Maßgeblich ist in Deutschland die jeweilige Packungsbeilage oder Fachinformation; eine pauschale Altersgrenze lässt sich nicht nennen.
Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden, ungeklärtem Gewichtsverlust oder Stoffwechselproblemen ist der Hausarzt die richtige erste Anlaufstelle, um organische Erkrankungen auszuschließen. Unerwünschte Wirkungen nach der Einnahme von zugelassenen Bitterstoff-Arzneimitteln können in Deutschland dem BfArM gemeldet werden; bei Beschwerden im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zuständig. Bitterstoffe ersetzen keine ärztlich verordnete Therapie und sind kein Mittel zur Behandlung von Erkrankungen des Stoffwechsels.
Wissenschaftliche Quellen
- Increase in choleresis by means of artichoke extract (Kirchhoff R et al.).
- Final European Union Herbal Monograph on Cynara cardunculus L. syn. Cynara scolymus L., folium.
- Cynarae folium – Herbal Medicinal Product (EMA-Übersichtsseite).
- Liste der Monographien der Kommission E (Phytotherapie), veröffentlicht im Bundesanzeiger.
- Centaury – Summary for the Public (Tausendgüldenkraut).
- Wormwood (Artemisia absinthium L.) – a curious plant with both neurotoxic and neuroprotective properties? (Lachenmeier DW).
- Draft Public Statement on the use of herbal medicinal products containing thujone.
- Grapefruit and drug interactions (Prescrire International).
- Drug-grapefruit juice interactions (Mayo Clinic Proceedings).
- Gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen – Stellungnahme 2021-01 (enthält Verweis auf BfR-Risikobewertung zu Grapefruitinhaltsstoffen).
- Das Meldesystem für Nebenwirkungen von Arzneimitteln (nebenwirkungen.bund.de).
- Europäische Datenbank zu Nebenwirkungen (EudraVigilance).
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.
- The molecular receptive ranges of human TAS2R bitter taste receptors (Meyerhof W et al.).
Häufig gestellte Fragen
Welche Bitterstoffe regen die Verdauung am stärksten an?
Enzianwurzel mit dem Wirkstoff Amarogentin und Tausendgüldenkraut gelten als besonders potente Bittermittel und sind in Deutschland durch Kommission-E-Monographien des BfArM bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden anerkannt.
Darf ich Bitterstoffpräparate einnehmen, wenn ich Medikamente nehme?
Nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt: Grapefruit und Bitterorange hemmen das Enzym CYP3A4 und können die Blutspiegel von Statinen, Immunsuppressiva und Kalziumantagonisten erheblich verändern, was zu unerwünschten Wirkungen führen kann.
Sind Bitterstoffe aus Lebensmitteln genauso wirksam wie Bitterstoffkapseln?
Zugelassene Phytopharmaka enthalten standardisierte Extrakte mit behördlich geprüfter Qualität und Wirksamkeit, während Nahrungsergänzungsmittel keiner arzneimittelrechtlichen Zulassung unterliegen. Bitterstoffe aus einer abwechslungsreichen, pflanzenreichen Ernährung sind für gesunde Erwachsene eine sichere Alltagsquelle.
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