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Erhöht Stevia den Blutzuckerspiegel?

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
28.10.2026
Zuletzt aktualisiert
04.11.2026

Erhöht Stevia den Blutzuckerspiegel? Diese Frage stellen sich viele Menschen mit Diabetes oder solche, die ihren Zuckerkonsum reduzieren möchten. Steviol-Glykoside, die süßenden Inhaltsstoffe der Stevia-Pflanze, werden im Körper nicht als Kohlenhydrate verstoffwechselt und führen nach aktuellem Forschungsstand zu keiner klinisch relevanten Erhöhung des Blutzuckers. Dennoch gibt es bei Stevia-Produkten wichtige Unterschiede zu beachten, etwa bei Füllstoffen wie Maltodextrin. Dieser Artikel erklärt, was die Wissenschaft weiß, welche Mengen als unbedenklich gelten und wie Stevia im Vergleich zu anderen Süßungsmitteln abschneidet.

Zusammenfassung: Stevia (Steviol-Glykoside, E 960) erhöht den Blutzuckerspiegel nach aktuellem Forschungsstand nicht, da keine Glukose freigesetzt wird.

  • Steviol-Glykoside werden im Dickdarm zu Steviol abgebaut und über die Nieren ausgeschieden, ohne Glukose freizusetzen.
  • Die EFSA hat einen akzeptablen täglichen Aufnahmewert von 4 mg pro kg Körpergewicht als Steviol-Äquivalente festgelegt.
  • Viele Stevia-Produkte enthalten Füllstoffe wie Maltodextrin, das den Blutzucker beeinflussen kann.
  • Die Deutsche Diabetes Gesellschaft nennt kalorienfreie Süßungsmittel als mögliche Option im Rahmen einer individuellen Ernährungstherapie.
  • Steviol-Glykoside sind etwa 200 bis 300 Mal süßer als Zucker und werden daher in sehr kleinen Mengen eingesetzt.
  • Bei Diabetes, Nierenerkrankungen oder Schwangerschaft ist eine Rücksprache mit der Arztpraxis empfehlenswert.

Erhöht Stevia den Blutzuckerspiegel?

Steviol-Glykoside erhöhen den Blutzucker nicht, da sie nicht als Kohlenhydrate verstoffwechselt werden und in Studien keine klinisch relevante Blutglukoseerhöhung zeigen. Achtung: Füllstoffe wie Maltodextrin in Stevia-Produkten können den Blutzucker beeinflussen.

Steviol-Glykoside, die süßenden Inhaltsstoffe der Stevia-Pflanze (Lebensmittelzusatzstoff E 960), erhöhen den Blutzucker nach aktuellem Forschungsstand nicht. Sie werden im Körper nicht als Kohlenhydrate verstoffwechselt und führen in kontrollierten Studien zu keiner klinisch relevanten Erhöhung von Blutglukose (gemessen in mg/dL) oder Insulin.[5][6] Im Gegensatz zu Haushaltszucker (Saccharose) liefern Steviol-Glykoside praktisch keine verwertbaren Kalorien.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Steviol-Glykoside als Lebensmittelzusatzstoffe bewertet und einen akzeptablen täglichen Aufnahmewert (ADI) festgelegt.[1][2] Diese Sicherheitsbewertung bezieht sich auf die Unbedenklichkeit bei zugelassenen Mengen; klinische Wirksamkeitsaussagen sind nicht Gegenstand dieser Zulassung. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) nennt in ihren Ernährungsempfehlungen kalorienfreie Süßungsmittel als mögliche Alternative zu Zucker im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung.

Wichtig zu beachten: Viele im Handel erhältliche Stevia-Produkte enthalten neben Steviol-Glykosiden auch Füllstoffe. Maltodextrin kann den Blutzucker beeinflussen und sollte von Personen, die ihren Blutzucker kontrollieren müssen, gemieden werden. Erythrit hingegen ist ein Zuckeralkohol, der den Blutzucker in der Regel nicht erhöht.[8] Wer auf den Blutzucker achten muss, sollte die Zutatenliste sorgfältig lesen und im Zweifelsfall die Hausarztpraxis oder eine Ernährungsberatung hinzuziehen.

Süßungsmittel Blutzuckerwirkung Kalorien Herkunft Besondere Hinweise
Steviol-Glykoside (E 960) Kein relevanter Anstieg; kein Glukosefreisetzung im Stoffwechsel Praktisch kalorienfrei Pflanzlich (Stevia rebaudiana) ADI: 4 mg pro kg Körpergewicht täglich; Trägerstoff beachten
Haushaltszucker (Saccharose) Erhöht Blutzucker direkt und relevant Ca. 400 kcal pro 100 g Pflanzlich (Zuckerrübe, Zuckerrohr) Für Diabetiker ungeeignet als Hauptsüßungsmittel
Aspartam (E 951) Kein relevanter Anstieg Rechnerisch kalorienhaltig, praktisch kalorienfrei Synthetisch Nicht für Personen mit Phenylketonurie geeignet
Sucralose (E 955) Kein relevanter Anstieg Kalorienfrei Synthetisch Hitzestabil; für Backen geeignet
Erythrit (E 968) Kein relevanter Anstieg Sehr gering (ca. 20 kcal pro 100 g) Pflanzlich fermentiert Häufig als Trägerstoff in Stevia-Produkten; gut verträglich
Maltodextrin (Trägerstoff) Kann Blutzucker erhöhen Ca. 380 kcal pro 100 g Synthetisch aus Stärke Häufig in Stevia-Produkten; Zutatenliste sorgfältig prüfen
Xylit (E 967) Geringer Anstieg möglich Ca. 240 kcal pro 100 g Pflanzlich Bei höheren Mengen gastrointestinale Beschwerden möglich

Wie wirkt Stevia im Körper - was sagt die Forschung?

Steviol-Glykoside werden im Dickdarm zu Steviol hydrolysiert und über die Nieren ausgeschieden, ohne Glukose freizusetzen. Hinweise auf eine Modulation der Insulinsekretion sind noch nicht ausreichend belegt.

Steviol-Glykoside entfalten ihre Süßkraft, indem sie Süßrezeptoren auf der Zunge aktivieren. Nach der Aufnahme werden sie im Dickdarm durch Darmbakterien zu Steviol hydrolysiert. Steviol wird anschließend als Glucuronid resorbiert und überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Da bei diesem Stoffwechselweg keine Glukose freigesetzt wird, bleibt der Blutzucker stabil. Die EFSA hat diesen Stoffwechselweg (Absorption, Distribution, Metabolismus und Elimination, kurz ADME) in ihrer wissenschaftlichen Stellungnahme zu E 960 beschrieben.

Einige Laborstudien und kleinere klinische Untersuchungen haben Hinweise darauf geliefert, dass Steviol-Glykoside möglicherweise die Insulinsekretion aus Betazellen der Bauchspeicheldrüse modulieren und die Insulinsensitivität beeinflussen könnten.[4][5] Diese Befunde sind jedoch noch nicht ausreichend belegt, um daraus klinische Empfehlungen abzuleiten. Die EFSA und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewerten die vorliegenden Daten als nicht ausreichend, um einen blutzuckersenkenden Effekt als gesundheitsbezogene Aussage zuzulassen. Zugelassen ist hingegen im EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben die Aussage, dass intensive Süßstoffe beim Ersatz von Zucker zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckers beitragen.[2]

Darüber hinaus gibt es Forschungsansätze, die den Einfluss von Süßungsmitteln auf das Darmmikrobiom untersuchen. Erste Hinweise aus Interventionsstudien deuten darauf hin, dass Steviol-Glykoside das Mikrobiom anders beeinflussen könnten als Zucker, doch belastbare Langzeitdaten aus großen klinischen Studien fehlen bislang.[7] Die Forschung in diesem Bereich ist aktiv, und Empfehlungen können sich mit neuen Erkenntnissen weiterentwickeln.

Ist Stevia für Menschen mit Diabetes geeignet?

Reine Steviol-Glykoside können für Menschen mit Diabetes eine Option zum Süßen sein, ohne den Blutzucker direkt zu belasten. Produktwahl, Gesamternährung und individuelle Reaktion sollten mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.

Für Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes kann Stevia in Form von reinen Steviol-Glykosiden eine praktische Möglichkeit sein, Speisen und Getränke zu süßen, ohne den Blutzucker direkt zu belasten. Die DDG nennt in ihren Ernährungsempfehlungen (in Anlehnung an die AWMF S3-Leitlinie Ernährung bei Diabetes, AWMF 057-016) kalorienfreie Süßungsmittel als eine Option, die im Rahmen einer individuell abgestimmten Ernährungstherapie eingesetzt werden kann, ohne dass dies automatisch für alle Betroffenen empfohlen wird.[3]

Bei der praktischen Anwendung sind folgende Punkte zu beachten:

  • Produktwahl: Nur Produkte verwenden, die ausschließlich Steviol-Glykoside (E 960) als Süßungsmittel enthalten. Maltodextrin als Trägerstoff kann den Blutzucker erhöhen; Erythrit als Trägerstoff ist in der Regel nicht blutzuckerwirksam.

  • Gesamternährung: Stevia ersetzt Zucker, ersetzt aber keine ausgewogene Ernährung. Die Gesamtmenge an Kohlenhydraten bleibt entscheidend für die Blutzuckereinstellung.

  • Individuelle Reaktion: Blutzuckerwerte können individuell variieren. Regelmäßige Selbstmessungen und Absprachen mit der behandelnden Arztpraxis bleiben wichtig.

  • Medikamentöse Therapie: Wer Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente einnimmt, sollte Ernährungsänderungen immer mit dem Behandlungsteam besprechen.

Menschen mit Diabetes, die unsicher sind, ob und wie sie Stevia in ihre Ernährung integrieren können, sollten dies mit ihrer Hausarztpraxis oder einer qualifizierten Ernährungsberatung klären. Eine individuelle Beratung ist der pauschalen Empfehlung stets vorzuziehen.

Welche Mengen an Stevia gelten als unbedenklich?

Die EFSA legt den ADI auf 4 mg pro kg Körpergewicht täglich fest, was bei 70 kg etwa 280 mg Steviol-Äquivalenten entspricht. Dieser Wert ist bei normalem Konsum kaum zu überschreiten.

Die EFSA hat für Steviol-Glykoside einen akzeptablen täglichen Aufnahmewert (ADI) von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt, berechnet als Steviol-Äquivalente. Für eine Person mit 70 Kilogramm Körpergewicht entspricht das etwa 280 Milligramm Steviol-Äquivalenten pro Tag. Dieser ADI gilt für die Allgemeinbevölkerung und wurde von der EFSA als die Menge eingestuft, die lebenslang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass gesundheitliche Risiken zu erwarten sind.

In der Praxis ist es für die meisten Menschen schwierig, diesen Wert allein durch den normalen Konsum von Stevia-gesüßten Lebensmitteln und Getränken zu überschreiten, da Steviol-Glykoside eine sehr hohe Süßkraft besitzen (etwa 200 bis 300 Mal süßer als Zucker) und daher in sehr kleinen Mengen eingesetzt werden.[1] Dennoch sollte bei einem hohen Konsum von Fertigprodukten, die mehrere Süßungsmittel kombinieren, die Gesamtaufnahme im Blick behalten werden.

Für bestimmte Personengruppen gelten besondere Hinweise:

  • Kinder: Der ADI gilt auch für Kinder, jedoch bezogen auf ihr geringeres Körpergewicht. Eltern sollten den Konsum von Stevia-haltigen Produkten bei Kindern im Blick behalten.

  • Schwangere und Stillende: Der EFSA-ADI gilt populationsweit und schließt Schwangere und Stillende ein. Bei individueller Unsicherheit ist eine Rücksprache mit der Gynäkologie oder Hausarztpraxis empfehlenswert.

  • Nierenerkrankungen: Da Steviol überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird, ist bei eingeschränkter Nierenfunktion eine Rücksprache mit der Arztpraxis sinnvoll.[1][6] Nach derzeitigem Stand sind bei Einhaltung des ADI keine spezifischen Risiken belegt.

Stevia im Vergleich zu anderen Süßungsmitteln

Stevia teilt mit Aspartam, Sucralose und Acesulfam-K die Eigenschaft, den Blutzucker nicht direkt zu erhöhen. Im Gegensatz zu Zuckeralkoholen verursacht Stevia wegen der geringen Einsatzmengen kaum gastrointestinale Beschwerden.

Stevia (Steviol-Glykoside, E 960) gehört zur Gruppe der nicht-nutritiven Süßungsmittel und teilt mit Substanzen wie Aspartam (E 951), Sucralose (E 955) und Acesulfam-K (E 950) die Eigenschaft, den Blutzucker nicht direkt zu erhöhen. Im EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben ist für intensive Süßstoffe die Aussage zugelassen, dass sie beim Ersatz von Zucker zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckers beitragen.[2] Die genannten Stoffe unterscheiden sich jedoch in Herkunft, Stoffwechselweg und Geschmacksprofil voneinander. Aspartam liefert zwar rechnerisch Energie, wird aber wegen der sehr geringen Einsatzmengen in der Praxis als kalorienfrei eingestuft.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Herkunft: Steviol-Glykoside werden aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana gewonnen und gelten damit als pflanzlichen Ursprungs, während viele andere Süßungsmittel synthetisch hergestellt werden. Dies ist für manche Verbraucherinnen und Verbraucher ein relevantes Kriterium, hat aber keine unmittelbare Bedeutung für die gesundheitliche Bewertung.

Im Vergleich zu Zuckeralkoholen wie Erythrit (E 968) oder Xylit (E 967) hat Stevia den Vorteil, dass es in sehr viel kleineren Mengen eingesetzt wird und daher kaum zu gastrointestinalen Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall führt, die bei höheren Mengen von Zuckeralkoholen auftreten können.

Gegenüber Haushaltszucker und Glukosesirup bieten alle nicht-nutritiven Süßungsmittel den Vorteil, den Blutzucker nicht zu belasten und keine Kalorien aus Kohlenhydraten zu liefern. Ob ein bestimmtes Süßungsmittel für eine Person geeignet ist, hängt von individuellen Faktoren ab, darunter Verträglichkeit, Ernährungsziele und eventuelle Erkrankungen. Eine Ernährungsberatung oder die Hausarztpraxis kann dabei helfen, die passende Wahl zu treffen. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen gesundheitlichen Beschwerden steht in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117 zur Verfügung; bei einem medizinischen Notfall ist die 112 zu rufen.

Wissenschaftliche Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich Stevia bedenkenlos verwenden, wenn ich Typ-2-Diabetes habe?

Reine Steviol-Glykoside (E 960) erhöhen den Blutzucker nicht und können im Rahmen einer individuell abgestimmten Ernährungstherapie eingesetzt werden. Achten Sie auf die Zutatenliste, da Füllstoffe wie Maltodextrin den Blutzucker beeinflussen können, und besprechen Sie Ernährungsänderungen mit Ihrer Arztpraxis.

Wie viel Stevia darf man täglich zu sich nehmen?

Die EFSA hat einen akzeptablen täglichen Aufnahmewert von 4 Milligramm Steviol-Äquivalenten pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt, was bei 70 kg etwa 280 mg pro Tag entspricht. Dieser Wert ist bei üblichem Konsum von Stevia-gesüßten Produkten kaum zu überschreiten.

Ist Stevia besser als andere Süßungsmittel für den Blutzucker?

Stevia und andere nicht-nutritive Süßungsmittel wie Aspartam oder Sucralose erhöhen den Blutzucker nicht und sind in dieser Hinsicht vergleichbar. Stevia hat den Vorteil pflanzlichen Ursprungs zu sein und verursacht wegen der geringen Einsatzmengen kaum Verdauungsbeschwerden, wie sie bei Zuckeralkoholen auftreten können.


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