Kaloriendefizit und Muskelaufbau: Was ist möglich?
Kaloriendefizit und Muskelaufbau gleichzeitig zu verfolgen, klingt widersprüchlich, ist aber unter bestimmten Bedingungen möglich. Die Sportwissenschaft bezeichnet dieses Phänomen als Body Recomposition: Körperfett wird abgebaut, während Muskelmasse erhalten oder in geringem Umfang aufgebaut wird. Ob und wie gut das gelingt, hängt von Trainingsstand, Proteinzufuhr, Defizitgröße und individuellen Voraussetzungen ab. Dieser Artikel erklärt, was die aktuelle Evidenz und deutsche Leitlinien dazu sagen.
Zusammenfassung: Ein Kaloriendefizit und Muskelaufbau sind gleichzeitig möglich, vor allem für Trainingsanfänger und Personen mit höherem Körperfettanteil, jedoch nur in begrenztem Ausmaß.
- Body Recomposition bezeichnet den gleichzeitigen Abbau von Körperfett und Erhalt oder geringen Aufbau von Muskelmasse im Kaloriendefizit.
- Ein moderates Defizit von etwa 300 bis 500 kcal pro Tag gilt als sporternährungswissenschaftlicher Orientierungsbereich, um Muskelmasse zu schonen.
- Eine Proteinzufuhr von 1,6 bis 2,2 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich ist der wichtigste Einzelfaktor zum Muskelerhalt im Defizit.
- Progressives Krafttraining mit 2 bis 4 Einheiten pro Woche ist notwendig, damit der Körper Muskelmasse nicht als Energiequelle abbaut.
- Bei Untergewicht, Essstörungen, Schwangerschaft oder chronischen Erkrankungen ist ein Kaloriendefizit nicht geeignet und erfordert ärztliche Begleitung.
- Die AWMF-S3-Leitlinie Adipositas empfiehlt einen multimodalen Ansatz aus Ernährungsumstellung, Krafttraining und Verhaltenstherapie.
Inhaltsverzeichnis
- Kann man gleichzeitig Muskeln aufbauen und Kalorien einsparen?
- Wie viel Kaloriendefizit ist beim Muskelaufbau noch sinnvoll?
- Proteinbedarf und Nährstoffverteilung im Defizit
- Welche Rolle spielt das Training, wenn man weniger isst?
- Wann ist ein Kaloriendefizit für den Muskelaufbau nicht geeignet?
- Ernährung und Sport im Defizit: Was sagen aktuelle Leitlinien?
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Kann man gleichzeitig Muskeln aufbauen und Kalorien einsparen?
Gleichzeitiger Muskelaufbau und Kaloriendefizit sind möglich, vor allem für Trainingsanfänger und Personen mit höherem Körperfettanteil, jedoch nur in geringem Ausmaß und nicht für alle Personengruppen.
Gleichzeitiger Muskelaufbau und Kaloriendefizit sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich, jedoch nur in eingeschränktem Ausmaß und nicht für alle Personengruppen gleichermaßen. Dieses Phänomen wird in der Sportwissenschaft als „Body Recomposition“ bezeichnet und beschreibt den Prozess, bei dem Körperfett abgebaut und gleichzeitig Muskelmasse erhalten oder in geringem Umfang aufgebaut wird. Die Evidenz dazu stammt überwiegend aus Beobachtungsstudien und kleineren kontrollierten Untersuchungen; die Effektgrößen sind in der Regel gering und interindividuell sehr unterschiedlich.
Besonders günstige Bedingungen bestehen bei:
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Trainingsanfängerinnen und Trainingsanfängern (in der Regel weniger als sechs bis zwölf Monate strukturiertes Krafttraining), deren Muskulatur auf Trainingsreize auch bei negativer Energiebilanz noch gut anspricht
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Personen mit höherem Körperfettanteil, da der Körper auf gespeicherte Fettreserven zurückgreifen kann
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Personen, die nach einer Trainingspause wieder einsteigen: Bereits vorhandene neuromuskuläre Muster können die Wiederherstellung von Muskelmasse erleichtern (sogenannter „Muscle-Memory“-Effekt); die Evidenz hierzu ist plausibel, aber noch begrenzt
Bei fortgeschrittenen Sportlerinnen und Sportlern mit bereits hohem Trainingsstand ist ein echter simultaner Muskelaufbau im Defizit kaum zu erreichen. Hier steht in der Regel der Muskelerhalt im Vordergrund. Die Energiebilanz beeinflusst grundlegend, ob der Körper anabole (aufbauende) oder katabole (abbauende) Stoffwechselprozesse bevorzugt. Ein zu starkes Kaloriendefizit verschiebt das Gleichgewicht zugunsten des Abbaus, auch von Muskelprotein.
Wichtig ist daher, realistische Erwartungen zu haben: Wer im Defizit trainiert, sollte primär das Ziel verfolgen, Muskelmasse zu erhalten und gleichzeitig Körperfett zu reduzieren. Echte Netto-Zuwächse an Muskelmasse sind im Defizit die Ausnahme, nicht die Regel, und fallen selbst unter günstigen Bedingungen gering aus. Eine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung kann helfen, individuelle Ziele und Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.
Wie viel Kaloriendefizit ist beim Muskelaufbau noch sinnvoll?
Ein moderates Defizit von etwa 300 bis 500 kcal pro Tag gilt als sporternährungswissenschaftlicher Orientierungsbereich; größere Defizite erhöhen das Risiko für Muskelverlust, besonders bei unzureichender Proteinzufuhr.
Ein moderates Kaloriendefizit gilt in der Sporternährungswissenschaft als Orientierungswert, um Muskelmasse möglichst zu erhalten und gleichzeitig Körperfett abzubauen. Dieser Bereich ist keine starre Grenze, sondern muss individuell angepasst werden.
Die AWMF-S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas (050-001) empfiehlt für Personen mit Übergewicht ein Energiedefizit von typischerweise 500 bis 800 Kilokalorien pro Tag als gängigen Rahmen für eine Gewichtsreduktion. Sehr niedrigkalorische Diäten (VLCD) mit einer Gesamtenergiezufuhr unter 800 Kilokalorien täglich sind nur zeitlich begrenzt und unter ärztlicher Begleitung angezeigt.
Für Personen, die primär Muskelmasse erhalten und gleichzeitig Körperfett reduzieren möchten, nennen sporternährungswissenschaftliche Quellen als Orientierung:
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Leichtes Defizit (etwa 200 bis 300 kcal/Tag): Kann für Fortgeschrittene mit dem Ziel Muskelerhalt geeignet sein; ein messbarer Fettabbau ist bei sehr kleinen Defiziten unter 200 kcal/Tag kaum zu erwarten (Erfahrungswert, nicht leitlinienbasiert)
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Moderates Defizit (etwa 300 bis 500 kcal/Tag): Häufig genannter Orientierungsbereich für Personen mit ausreichend Körperfettreserven
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Defizit von 500 bis 800 kcal/Tag: Entspricht dem in der AWMF-S3-Leitlinie Adipositas genannten Standardbereich; bei diesem Ausmaß steigt das Risiko für Muskelverlust, wenn Proteinzufuhr und Training nicht angepasst werden
Ein zu großes Defizit erhöht das Risiko, dass der Körper neben Fettgewebe auch Muskelprotein als Energiequelle abbaut. Dieser Prozess tritt besonders dann auf, wenn die Proteinzufuhr unzureichend ist und die Kohlenhydratverfügbarkeit für intensives Training fehlt. Auch der Trainingszustand beeinflusst, in welchem Ausmaß Muskelprotein abgebaut wird.
Die individuelle Kalorienbilanz hängt vom Grundumsatz, dem Aktivitätsniveau und der Körperzusammensetzung ab. Onlinerechner können erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen jedoch keine professionelle Beratung. Wer unsicher ist, wie viel Defizit für die eigene Situation angemessen ist, sollte eine Ernährungsberatung oder ärztliche Einschätzung in Anspruch nehmen. Besonders bei bestehenden Erkrankungen ist eine individuelle Begleitung wichtig.
| Aspekt | Empfehlung / Orientierungswert | Zielgruppe / Bedingung | Quelle / Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kaloriendefizit (leicht) | Etwa 200 bis 300 kcal pro Tag | Fortgeschrittene, Ziel Muskelerhalt | Sporternährungswissenschaftlicher Erfahrungswert, nicht leitlinienbasiert |
| Kaloriendefizit (moderat) | Etwa 300 bis 500 kcal pro Tag | Personen mit ausreichend Körperfettreserven | Sporternährungswissenschaftliche Orientierung |
| Kaloriendefizit (Standard Adipositas) | 500 bis 800 kcal pro Tag | Personen mit Übergewicht, ärztliche Begleitung empfohlen | AWMF-S3-Leitlinie Adipositas (050-001) |
| Proteinzufuhr im Defizit | 1,6 bis 2,2 g pro kg Körpergewicht täglich | Trainierende mit Ziel Muskelerhalt | Sporternährungswissenschaftliche Positionspapiere und Meta-Analysen |
| Makronährstoffverteilung (Orientierung) | Protein 30 bis 35 Prozent, Kohlenhydrate 35 bis 40 Prozent, Fett 25 bis 30 Prozent | Krafttrainierende im Defizit | Sportwissenschaftliche Orientierungsgröße, keine DGE-Empfehlung |
| Trainingsfrequenz Krafttraining | 2 bis 4 Einheiten pro Woche, Intensität 60 bis 80 Prozent des Einwiederholungsmaximums | Alle Trainierenden im Defizit | BZgA/RKI in Anlehnung an WHO-Empfehlungen |
| Kontraindikationen Kaloriendefizit | BMI unter 18,5 kg/m², Essstörung, Schwangerschaft, Stillzeit, Rekonvaleszenz, RED-S | Betroffene Personengruppen | IOC Consensus Statement on RED-S, AWMF-S3-Leitlinie Adipositas |
Proteinbedarf und Nährstoffverteilung im Defizit
Im Kaloriendefizit empfehlen sportwissenschaftliche Quellen eine Proteinzufuhr von 1,6 bis 2,2 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich, deutlich über dem DGE-Grundbedarf von 0,8 g.
Im Kaloriendefizit ist eine ausreichende Proteinzufuhr der wichtigste Einzelfaktor, um Muskelmasse zu erhalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für gesunde Erwachsene einen Proteinbedarf von 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich als Grundbedarf; für Erwachsene ab 65 Jahren werden in den D-A-CH-Referenzwerten etwa 1,0 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich genannt. Für Personen, die im Defizit trainieren und Muskelmasse erhalten möchten, liegen sportwissenschaftliche Empfehlungen deutlich höher, häufig bei 1,6 bis 2,2 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Diese Spanne entstammt sporternährungswissenschaftlichen Positionspapieren und Meta-Analysen; in ausgeprägten Defiziten werden teils noch höhere Werte bezogen auf die fettfreie Körpermasse diskutiert.
Ein erhöhter Proteinanteil in der Ernährung hat im Defizit mehrere Vorteile:
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Schutz der Muskelmasse durch ausreichend Aminosäuren für die Proteinsynthese
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Höhere Sättigung, da Protein den stärksten sättigenden Effekt unter den Makronährstoffen hat
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Leicht erhöhter thermischer Effekt, da die Verdauung von Protein mehr Energie verbraucht als die von Fett oder Kohlenhydraten
Bei der Verteilung der übrigen Nährstoffe gilt: Kohlenhydrate liefern die primäre Energie für intensives Training und sollten nicht zu stark reduziert werden, wenn Krafttraining auf dem Plan steht. Fette sind essenziell für Hormonproduktion und Zellfunktionen. Die DGE orientiert sich für die Allgemeinbevölkerung an einer Fettzufuhr von etwa 30 Prozent der Gesamtenergie. Niedrigere Anteile von 20 bis 25 Prozent können in bestimmten sportmedizinisch begleiteten Strategien vorkommen, sollten aber nicht als allgemeine Empfehlung verstanden werden.
Eine mögliche Nährstoffverteilung im Defizit bei gleichzeitigem Krafttraining könnte beispielsweise so aussehen: 30 bis 35 Prozent Protein, 35 bis 40 Prozent Kohlenhydrate, 25 bis 30 Prozent Fett. Diese Werte sind sportwissenschaftliche Orientierungsgrößen, keine DGE-Empfehlungen, und müssen individuell angepasst werden.
Mikronährstoffe wie Vitamin D, Magnesium und Zink spielen eine Rolle für Muskelgesundheit und sollten vorrangig über eine abwechslungsreiche Ernährung gedeckt werden. Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland nur bei nachgewiesenem Mangel oder auf ärztliche Empfehlung hin angezeigt; eine eigenständige Supplementation ohne Diagnostik ist nicht empfehlenswert.
Welche Rolle spielt das Training, wenn man weniger isst?
Progressives Krafttraining ist im Defizit der entscheidende Reiz, der den Körper dazu veranlasst, Muskelmasse zu erhalten statt abzubauen.
Krafttraining ist im Kaloriendefizit der entscheidende Stimulus, der dem Körper signalisiert, Muskelmasse zu erhalten statt abzubauen. Ohne ausreichenden Trainingsreiz wird der Körper im Energiemangel bevorzugt Muskelprotein als Energiequelle nutzen, da Muskelmasse metabolisch aufwendig ist und der Organismus sie ohne Notwendigkeit nicht aufrechterhält.
Für den Muskelerhalt im Defizit nennen sportwissenschaftliche Quellen und nationale Bewegungsempfehlungen (BZgA/RKI in Anlehnung an WHO-Empfehlungen) als Orientierung:
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Progressives Krafttraining mit ausreichend Intensität (als Richtwert werden in der Literatur häufig 60 bis 80 Prozent des Einwiederholungsmaximums genannt; dieser Bereich ist individuell anzupassen)
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Trainingsfrequenz von 2 bis 4 Einheiten pro Woche, je nach Erfahrungsstand und Regenerationsfähigkeit
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Ausreichende Erholung, da Regeneration im Defizit länger dauern kann
Ausdauertraining kann ergänzend eingesetzt werden, um den Kalorienverbrauch zu erhöhen, sollte jedoch nicht so umfangreich sein, dass es die Erholung vom Krafttraining beeinträchtigt. Ein übermäßiges Ausdauervolumen in Kombination mit starkem Kaloriendefizit erhöht das Risiko für Übertraining und Muskelverlust.
Bei der Trainingsplanung im Defizit empfehlen sportwissenschaftliche Quellen, das Volumen (Anzahl der Sätze und Wiederholungen) eher moderat zu halten und die Trainingsintensität zu priorisieren. Sowohl Intensität als auch Volumen sind relevante Parameter für den Muskelerhalt; welcher Faktor im Einzelfall überwiegt, hängt vom Trainingszustand und der individuellen Erholung ab. Periodisierung und Individualisierung sind dabei zentral.
Wer Symptome wie anhaltende Erschöpfung, einen Leistungsabfall über mehr als zwei bis drei Wochen, wiederkehrende Infekte oder Schlafstörungen bemerkt, sollte das Training anpassen und zeitnah den Hausarzt aufsuchen.
Wann ist ein Kaloriendefizit für den Muskelaufbau nicht geeignet?
Ein Kaloriendefizit ist nicht geeignet bei Untergewicht, Essstörungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder chronischen Erkrankungen; in diesen Fällen hat die ausreichende Energieversorgung Vorrang.
Ein Kaloriendefizit ist nicht geeignet, wenn bereits ein Untergewicht besteht (Body-Mass-Index unter 18,5 kg/m²), eine Essstörung vorliegt oder der Körper sich in einer Phase erhöhten Energiebedarfs befindet, etwa in der Schwangerschaft, Stillzeit oder Rekonvaleszenz nach Erkrankungen. In diesen Situationen hat die ausreichende Energieversorgung Vorrang vor jeglichem Körperkompositionsziel.
Weitere Situationen, in denen ein Defizit kritisch zu bewerten ist:
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Fortgeschrittene Sportlerinnen und Sportler mit bereits sehr niedrigem Körperfettanteil: Das Risiko für hormonelle Störungen, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Knochenabbau ist erhöht; diese Risiken sind in Leitlinien und Konsensuspapieren (u. a. IOC Consensus Statement on Relative Energy Deficiency in Sport) beschrieben
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Jugendliche im Wachstum: Energie- und Gewichtsmanagement sollte in dieser Altersgruppe nur strukturiert und unter interdisziplinärer ärztlicher Begleitung erfolgen; auch bei Adipositas im Jugendalter ist ein Defizit nur unter Aufsicht angezeigt
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Personen mit chronischen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen: Ernährung und Training müssen in Deutschland ärztlich begleitet werden
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Personen unter starkem psychischem Stress: Erhöhte Cortisolspiegel können katabole Prozesse begünstigen und die Körperzusammensetzung ungünstig beeinflussen; dieser Zusammenhang ist komplex und wird durch weitere Faktoren wie Schlaf, Energiebilanz und Trainingsbelastung mitbestimmt
Ein weiteres Warnsignal ist das sogenannte Relative Energiedefizit im Sport (RED-S), früher als „Female Athlete Triad“ bekannt, das jedoch beide Geschlechter betreffen kann. Es beschreibt einen Zustand chronisch unzureichender Energieverfügbarkeit mit Folgen für Hormonsystem, Knochendichte und Herzgesundheit. Typische Warnzeichen sind unter anderem Amenorrhö, Stressfrakturen und ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent pro Monat. Bei Verdacht auf RED-S sollte zeitnah ein Hausarzt aufgesucht werden. In Deutschland gilt: Im Notfall ist die 112 zu rufen; bei dringendem ärztlichem Rat außerhalb der Praxiszeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
Ernährung und Sport im Defizit: Was sagen aktuelle Leitlinien?
Die AWMF-S3-Leitlinie Adipositas empfiehlt eine Kombination aus moderatem Kaloriendefizit, Krafttraining und proteinreicher Ernährung; sehr niedrigkalorische Diäten sind nur unter ärztlicher Aufsicht angezeigt.
Die AWMF-S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas (Registernummer 050-001, aktuelle Fassung) empfiehlt für Personen mit Übergewicht eine Kombination aus moderatem Kaloriendefizit und regelmäßigem körperlichem Training, wobei Krafttraining ausdrücklich als Bestandteil genannt wird. Die Leitlinie betont, dass ein multimodaler Ansatz aus Ernährungsumstellung, Bewegung und Verhaltenstherapie die beste Evidenz aufweist.
Zur Ernährung im Defizit halten aktuelle Empfehlungen fest:
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Eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung ist einer einseitigen Reduktionsdiät vorzuziehen
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Sehr niedrigkalorische Diäten (VLCD, Gesamtenergie unter 800 kcal täglich) sollten laut AWMF-S3-Leitlinie Adipositas nur unter ärztlicher Aufsicht und zeitlich begrenzt eingesetzt werden
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Die Qualität der Lebensmittel (Mikronährstoffdichte, Ballaststoffgehalt) ist ebenso relevant wie die Kalorienmenge
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in ihren 10 Regeln der vollwertigen Ernährung reichlich Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und hochwertige Proteinquellen als Grundlage, auch im Defizit. Sportmedizinische Fachgesellschaften ergänzen, dass die Proteinzufuhr bei gleichzeitigem Krafttraining entsprechend angehoben werden sollte. Weiterführende evidenzbasierte Informationen zur Gewichtsreduktion stellt in Deutschland gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) bereit.
In Deutschland ist die Beratung durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte, etwa Diätassistentinnen und Diätassistenten oder Ernährungsfachkräfte mit anerkanntem Abschluss (DGE, VDOE), oder durch Sportmedizinerinnen und Sportmediziner der empfohlene Weg, um individuelle Ernährungs- und Trainingspläne zu entwickeln. Anlaufstellen können über die Berufsverbände DGE und VDOE gefunden werden. Wer gesundheitliche Beschwerden im Zusammenhang mit einer Reduktionsdiät bemerkt, sollte zeitnah den Hausarzt aufsuchen. Selbstversuche mit sehr starken Kalorienrestriktionen ohne professionelle Begleitung sind nicht empfehlenswert und können gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
Wissenschaftliche Quellen
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas (050-001), Version 5.0.
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas – Langfassung Oktober 2024.
- IOC consensus statement on relative energy deficiency in sport (RED-S): 2018 update. Mountjoy M et al. Br J Sports Med..
- 2023 International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Mountjoy M et al. Br J Sports Med..
- The IOC consensus statement: beyond the Female Athlete Triad – Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S). Mountjoy M et al. Br J Sports Med..
- Primary, secondary and tertiary prevention of Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Holtzman B, Ackerman KE. Br J Sports Med..
- D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Protein. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)..
- Studien und Surveillance – Themenblatt: Körperliche Aktivität. Robert Koch-Institut (RKI) / BZgA..
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Protein brauche ich im Kaloriendefizit, um Muskeln zu erhalten?
Sportwissenschaftliche Quellen empfehlen im Kaloriendefizit eine Proteinzufuhr von 1,6 bis 2,2 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Dieser Wert liegt deutlich über dem DGE-Grundbedarf von 0,8 g und soll die Muskelmasse schützen.
Kann ich im Kaloriendefizit wirklich Muskeln aufbauen oder nur erhalten?
Echter Muskelaufbau im Defizit ist möglich, aber auf Trainingsanfänger und Personen mit höherem Körperfettanteil beschränkt und fällt selbst unter günstigen Bedingungen gering aus. Fortgeschrittene Sportlerinnen und Sportler sollten primär den Muskelerhalt anstreben.
Wann sollte ich beim Kaloriendefizit und Training einen Arzt aufsuchen?
Bei anhaltender Erschöpfung, Leistungsabfall über mehr als zwei bis drei Wochen, wiederkehrenden Infekten oder Schlafstörungen sollte zeitnah ein Hausarzt aufgesucht werden. Auch bei Untergewicht, Essstörungen oder chronischen Erkrankungen ist eine ärztliche Begleitung vor Beginn eines Defizits notwendig.
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