Liraglutid oder Semaglutid zum Abnehmen
Liraglutid oder Semaglutid zum Abnehmen: Beide GLP-1-Rezeptoragonisten sind in Deutschland zur Behandlung von Adipositas zugelassen und helfen, das Körpergewicht durch Appetithemmung und verlangsamte Magenentleerung zu reduzieren. Doch sie unterscheiden sich in Dosierungsintervall, Zulassungsdetails und klinischer Datenlage. Dieser Artikel erklärt, wie beide Wirkstoffe wirken, was Studien belegen, welche Nebenwirkungen bekannt sind und für wen eine Therapie in Deutschland infrage kommt.
Zusammenfassung: Liraglutid (Saxenda) und Semaglutid (Wegovy) sind beide zugelassene GLP-1-Rezeptoragonisten zur Gewichtsreduktion, wobei Semaglutid wöchentlich injiziert wird und in Studien eine stärkere Gewichtsabnahme zeigte als das täglich anzuwendende Liraglutid.
- Beide Wirkstoffe sind GLP-1-Analoga, die Appetit hemmen und die Magenentleerung verlangsamen.
- Liraglutid (Saxenda) wird einmal täglich, Semaglutid (Wegovy) einmal wöchentlich subkutan injiziert.
- Klinische Studien zeigen nach 56 Wochen rund 8 Prozent Gewichtsreduktion mit Liraglutid und nach 68 Wochen rund 15 Prozent mit Semaglutid.
- Häufigste Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
- Die gesetzliche Krankenversicherung erstattet diese Medikamente in Deutschland grundsätzlich nicht.
- Beide Präparate sind nur als Ergänzung zu Ernährungsumstellung und Bewegungstherapie zugelassen.
Inhaltsverzeichnis
- Wie wirken Liraglutid und Semaglutid beim Abnehmen?
- Was sagen klinische Studien zur Gewichtsreduktion mit GLP-1-Analoga?
- Unterschiede zwischen Liraglutid und Semaglutid: Dosis, Anwendung und Zulassung
- Welche Nebenwirkungen und Risiken sollte ich kennen?
- Für wen kommen diese Medikamente in Deutschland infrage?
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Wie wirken Liraglutid und Semaglutid beim Abnehmen?
Liraglutid und Semaglutid ahmen das Darmhormon GLP-1 nach, hemmen dadurch den Appetit, verlangsamen die Magenentleerung und wirken auf Hunger- und Sättigungszentren im Hypothalamus. Liraglutid wirkt etwa 13 Stunden, Semaglutid etwa eine Woche.
Liraglutid und Semaglutid reduzieren das Körpergewicht, indem sie als Analoga des körpereigenen Hormons GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) an spezifischen Rezeptoren im Gehirn, im Magen-Darm-Trakt und in der Bauchspeicheldrüse wirken. GLP-1 wird nach einer Mahlzeit im Darm freigesetzt und vermittelt ein Sättigungsgefühl, verlangsamt die Magenentleerung und dämpft den Appetit. Beide Wirkstoffe ahmen diesen Effekt nach.
Die verlängerte Wirkdauer beider Substanzen beruht auf strukturellen Modifikationen, die sie resistent gegenüber dem Abbauenzym DPP-4 machen, sowie auf einer starken Albuminbindung. Liraglutid hat eine Halbwertszeit von etwa 13 Stunden und muss daher täglich injiziert werden. Semaglutid hat eine deutlich längere Halbwertszeit von etwa einer Woche, was eine einmal wöchentliche Injektion ermöglicht.
Neben der Appetitkontrolle stimulieren beide Wirkstoffe die insulinabhängige Glukoseausschüttung und hemmen die Glukagonfreisetzung, was bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zusätzlich zur Blutzuckersenkung beiträgt. Für die Gewichtsreduktion steht die zentrale Wirkung auf Hunger- und Sättigungszentren im Hypothalamus im Vordergrund.
Klinisch relevant ist, dass GLP-1-Rezeptoragonisten die Magenentleerung verlangsamen. Dies kann bei Patientinnen und Patienten, die sich einem Eingriff in Vollnarkose oder tiefer Sedierung unterziehen, das Aspirationsrisiko erhöhen; das Behandlungsteam sollte daher im Vorfeld informiert werden. Bei bestehender schwerer Gastroparese ist Vorsicht geboten. Diese Medikamente ersetzen keine Ernährungsumstellung oder körperliche Aktivität, sondern unterstützen diese Maßnahmen.
Was sagen klinische Studien zur Gewichtsreduktion mit GLP-1-Analoga?
Liraglutid 3 mg täglich erzielte im SCALE-Programm nach 56 Wochen rund 8 Prozent Gewichtsreduktion, Semaglutid 2,4 mg wöchentlich im STEP-Programm nach 68 Wochen rund 15 Prozent, jeweils mit begleitender Lebensstilberatung.
Klinische Studien belegen, dass sowohl Liraglutid als auch Semaglutid in Kombination mit Lebensstilanpassungen zu einer statistisch signifikanten Gewichtsreduktion führen, wobei die Effektstärken zwischen den Wirkstoffen und Dosierungen variieren.
Für Liraglutid 3 mg täglich (Saxenda) zeigte das SCALE-Studienprogramm nach 56 Wochen in der Verumgruppe eine mittlere Gewichtsreduktion von etwa 8 Prozent des Ausgangsgewichts; in der Placebogruppe betrug die Abnahme etwa 2 bis 3 Prozent. Für subkutanes Semaglutid 2,4 mg wöchentlich (Wegovy) ergab das STEP-Studienprogramm nach 68 Wochen in der Verumgruppe eine mittlere Gewichtsreduktion von rund 15 Prozent des Ausgangsgewichts; in der Placebogruppe lagen die Werte bei etwa 2 bis 3 Prozent. Alle Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erhielten begleitend eine Ernährungs- und Bewegungsberatung.
Die Gewichtsreduktion hält nur so lange an, wie das Medikament eingenommen wird: Nach Absetzen ist in Studien eine Gewichtszunahme beobachtet worden. Langzeitdaten über mehr als zwei bis drei Jahre sind bislang begrenzt, und die Übertragbarkeit der Studienpopulationen auf alle Patientengruppen muss individuell bewertet werden.
Hinweis zur Versorgungssituation in Deutschland: Da Liraglutid und Semaglutid zur Gewichtsreduktion nach Paragraf 34 SGB V als Lifestyle-Arzneimittel von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen sind, finden reguläre AMNOG-Nutzenbewertungen durch G-BA und IQWiG für diese Indikation in Deutschland typischerweise nicht statt.
Wirkstoffklasse und Mechanismus
Liraglutid (Saxenda): GLP-1-Rezeptoragonist, Appetithemmung und verlangsamte Magenentleerung
Semaglutid (Wegovy): GLP-1-Rezeptoragonist, Appetithemmung und verlangsamte Magenentleerung
Zugelassene Darreichungsform
Liraglutid (Saxenda): Subkutane Injektion (Fertigpen)
Semaglutid (Wegovy): Subkutane Injektion (Fertigpen); seit Juni 2026 auch orale Tablette (25 mg)
Dosierungsintervall und Erhaltungsdosis
Liraglutid (Saxenda): Einmal täglich s.c., Erhaltungsdosis 3 mg
Semaglutid (Wegovy): Einmal wöchentlich s.c., Erhaltungsdosis 2,4 mg; ggf. 7,2 mg gemäß Fachinformation
Eindosierungsschema
Liraglutid (Saxenda): Start 0,6 mg täglich, schrittweise Steigerung auf 3 mg über mehrere Wochen
Semaglutid (Wegovy): Start 0,25 mg wöchentlich, Steigerung auf 2,4 mg über 16 bis 20 Wochen
Mittlere Gewichtsreduktion in Zulassungsstudien
Liraglutid (Saxenda): Ca. 8 Prozent des Ausgangsgewichts nach 56 Wochen (SCALE-Programm)
Semaglutid (Wegovy): Ca. 15 Prozent des Ausgangsgewichts nach 68 Wochen (STEP-Programm)
Zugelassene Patientengruppen (BMI-Kriterien)
Liraglutid (Saxenda): Erwachsene ab BMI 30, ab BMI 27 mit Begleiterkrankung; Jugendliche ab 12 J.; Kinder ab 6 J. gemäß Fachinformation
Semaglutid (Wegovy): Erwachsene ab BMI 30, ab BMI 27 mit Begleiterkrankung; Jugendliche ab 12 J. mit Gewicht über 60 kg gemäß Fachinformation
Häufige Nebenwirkungen und wichtige Risiken
Liraglutid (Saxenda): Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Pankreatitis, Gallensteine, Herzfrequenzanstieg
Semaglutid (Wegovy): Wie Liraglutid, zusätzlich Haarausfall und NAION-Signal (seltenes Augenereignis) beobachtet
Unterschiede zwischen Liraglutid und Semaglutid: Dosis, Anwendung und Zulassung
Liraglutid (Saxenda) wird täglich injiziert, Semaglutid (Wegovy) wöchentlich. Beide sind ab BMI 30 oder ab BMI 27 mit Begleiterkrankung zugelassen, auch für Jugendliche ab 12 Jahren.
Der wesentlichste praktische Unterschied zwischen Liraglutid und Semaglutid zur Gewichtsreduktion liegt im Dosierungsintervall: Liraglutid (Saxenda) wird einmal täglich subkutan injiziert, Semaglutid (Wegovy) einmal wöchentlich. Beide Präparate werden als Fertigpen geliefert und subkutan in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm injiziert.
Hinsichtlich der Zulassung gilt in Deutschland: Saxenda (Liraglutid 3 mg) ist von der Europäischen Kommission auf Basis eines EMA-Gutachtens zugelassen für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m², oder ab 27 kg/m² bei Vorliegen mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Dyslipidämie. Darüber hinaus ist Saxenda in Deutschland auch für Jugendliche ab 12 Jahren mit Adipositas zugelassen, sofern die in der Fachinformation genannten Gewichts- und Perzentilkriterien erfüllt sind; für Kinder ab 6 Jahren bis unter 12 Jahren gelten gesonderte Zulassungskriterien gemäß Fachinformation.
Wegovy (Semaglutid) gilt für Erwachsene für dieselben BMI-Kriterien wie Saxenda und ist ebenfalls zentral durch die Europäische Kommission zugelassen. Für Jugendliche ab 12 Jahren ist Wegovy in Deutschland zugelassen, wenn ein BMI oberhalb der altersgemäßen Adipositas-Perzentile vorliegt und das Körpergewicht mehr als 60 kg beträgt; die genauen Kriterien sind der Fachinformation zu entnehmen.
Seit Juni 2026 ist zudem eine orale Formulierung von Semaglutid zur Gewichtsreduktion (Wegovy 25 mg Tabletten) von der zuständigen Behörde zugelassen worden. Diese unterscheidet sich in Posologie und Zulassungsdetails von Rybelsus, dem oralen Semaglutid für Typ-2-Diabetes. Die genaue Dosierung und das Einnahmeschema der oralen Formulierung sind der jeweiligen Fachinformation (Rote Liste / PharmNet.Bund) zu entnehmen.
Die Dosierung wird bei beiden subkutanen Wirkstoffen schrittweise gesteigert, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu minimieren. Bei Liraglutid beginnt die Eindosierung bei 0,6 mg täglich und wird über mehrere Wochen auf 3 mg gesteigert. Bei Semaglutid (Wegovy) startet die Eindosierung bei 0,25 mg wöchentlich und wird über einen Zeitraum von 16 bis 20 Wochen auf die Erhaltungsdosis von 2,4 mg gesteigert; in bestimmten Situationen kann gemäß Fachinformation (Abschnitt 4.2) eine Dosis von 7,2 mg wöchentlich eingesetzt werden.
Gemäß Fachinformation gelten Abbruchkriterien: Bei Erwachsenen sollte Saxenda abgesetzt werden, wenn nach 12 Wochen auf der Erhaltungsdosis von 3,0 mg täglich keine Gewichtsreduktion von mindestens 5 Prozent des Ausgangsgewichts erreicht wurde. Für Wegovy und für pädiatrische Patientinnen und Patienten beider Präparate gelten gesonderte Abbruchkriterien gemäß Fachinformation.
Semaglutid soll nicht gleichzeitig mit anderen GLP-1-Rezeptoragonisten angewendet werden. Die genaue Dosierung besprechen Patientinnen und Patienten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt.
Welche Nebenwirkungen und Risiken sollte ich kennen?
Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, besonders zu Behandlungsbeginn. Seltener, aber klinisch relevant sind Pankreatitis, Gallensteine, Herzfrequenzanstieg und ein erhöhtes Aspirationsrisiko bei Narkosen.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Liraglutid und Semaglutid betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung treten vor allem zu Beginn der Behandlung und bei Dosissteigerungen auf und klingen bei den meisten Betroffenen im Verlauf ab. Diese Beschwerden sind der Hauptgrund für einen Therapieabbruch in klinischen Studien. Weitere häufig berichtete Nebenwirkungen umfassen Reaktionen an der Injektionsstelle sowie unter Wegovy auch Haarausfall.
Darüber hinaus sind folgende Risiken bekannt und in der Fachinformation beschrieben:
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Pankreatitis: Akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen wurden berichtet. Bei Verdacht auf eine Pankreatitis sollte das Medikament abgesetzt werden; nach bestätigter Pankreatitis darf es nicht erneut begonnen werden. Bei anhaltenden starken Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, ist umgehend ärztliche Hilfe zu suchen.
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Gallenblasenerkrankungen: Gallensteine und Gallenblasenentzündungen wurden unter GLP-1-Analoga häufiger beobachtet.
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Herzfrequenz: Ein leichter Anstieg der Ruheherzfrequenz ist möglich und sollte bei Patientinnen und Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen beachtet werden.
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Diabetische Retinopathie: Bei Menschen mit vorbestehender diabetischer Retinopathie kann eine rasche Blutzuckersenkung vorübergehend zu einer Verschlechterung des Augenbefundes führen; regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind in diesen Fällen wichtig.
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NAION (nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie): Für Semaglutid wurde in Studien ein Signal für dieses seltene Augenereignis beobachtet; Patientinnen und Patienten mit Sehveränderungen sollten umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen.
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Schilddrüse: In Tierstudien wurden C-Zell-Veränderungen der Schilddrüse beobachtet; die Relevanz für den Menschen ist unklar. Patientinnen und Patienten sollten ihrer Ärztin oder ihrem Arzt bekannte Schilddrüsenerkrankungen mitteilen.
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Dehydrierung und Nierenfunktion: Gastrointestinale Nebenwirkungen können zu Flüssigkeitsverlust führen; bei Dehydrierung kann die Nierenfunktion beeinträchtigt werden. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.
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Aspirationsrisiko: Da GLP-1-Rezeptoragonisten die Magenentleerung verlangsamen, besteht bei Eingriffen in Vollnarkose oder tiefer Sedierung ein erhöhtes Aspirationsrisiko. Das Behandlungsteam ist vorab zu informieren.
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Gastroparese: Bei schwerer Gastroparese ist die Anwendung nicht empfohlen.
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Hypoglykämie: Bei gleichzeitiger Anwendung von Insulin oder Sulfonylharnstoffen (bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes) kann das Risiko einer Unterzuckerung erhöht sein; eine Dosisanpassung dieser Begleitmedikamente kann erforderlich sein.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen können in Deutschland dem BfArM gemeldet werden. Bei Notfällen wie starken Bauchschmerzen, plötzlichen Sehveränderungen oder Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion ist der Notruf 112 zu wählen.
Für wen kommen diese Medikamente in Deutschland infrage?
Diese Medikamente kommen für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren infrage, die die BMI-Kriterien erfüllen und bei denen Lebensstilanpassungen allein nicht ausreichen. Die GKV erstattet die Kosten nicht, sie müssen privat getragen werden.
In Deutschland kommen Liraglutid und Semaglutid zur Gewichtsreduktion für Erwachsene infrage, die die in der Zulassung festgelegten BMI-Kriterien erfüllen und bei denen eine Lebensstilanpassung allein nicht ausreichend wirksam war. Wie im Abschnitt zur Zulassung beschrieben, bestehen in Deutschland auch Zulassungen für Jugendliche ab 12 Jahren (Wegovy und Saxenda) sowie für Kinder ab 6 Jahren bis unter 12 Jahren (Saxenda), jeweils mit spezifischen Gewichts- und Perzentilkriterien gemäß Fachinformation. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt auf Basis einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung, unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Kontraindikationen und dem Gesamtgesundheitszustand.
Ein wichtiger Aspekt für Patientinnen und Patienten in Deutschland ist die Kostenübernahme: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erstattet Arzneimittel zur Gewichtsreduktion grundsätzlich nicht, da sie nach Paragraf 34 SGB V in Verbindung mit der Arzneimittel-Richtlinie des G-BA als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel von der Erstattung ausgeschlossen sind. Die Kosten müssen daher in der Regel privat getragen werden; die Verordnung erfolgt auf Privatrezept. Wer eine private Krankenversicherung hat, sollte die Erstattungsbedingungen individuell prüfen.
Die AWMF-S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas sowie die Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft betonen, dass medikamentöse Maßnahmen stets in ein multimodales Behandlungskonzept eingebettet sein sollten, das Ernährungsberatung, Bewegungstherapie und psychologische Unterstützung umfasst. Schwangere, stillende Frauen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen (zum Beispiel schwere Niereninsuffizienz) dürfen diese Medikamente nicht anwenden; weitere Kontraindikationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.
Wer prüfen möchte, ob eine dieser Therapien für die eigene Situation geeignet ist, sollte zunächst die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen. Bei dringendem Beratungsbedarf außerhalb der Sprechzeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 zur Verfügung.
Wissenschaftliche Quellen
- Wegovy (Semaglutid) – Produktinformation (EPAR).
- Saxenda (Liraglutid) – EPAR-Übersicht.
- Saxenda (Liraglutid) – Produktinformation (EPAR).
- Saxenda 6 mg/ml Injektionslösung – Fachinformation.
- Wegovy (Semaglutid) – EPAR-Übersicht.
- Wegovy – Fachinformation.
- Anlage II (Lifestyle-Arzneimittel) – Ergänzung Semaglutid.
- Verordnungsausschluss von Lifestyle-Arzneimitteln.
- Pressemitteilung: G-BA vollzieht den gesetzlichen Verordnungsausschluss für Wegovy.
- Zusammenfassende Dokumentation – Ergänzung/Aktualisierung Anlage II (Saxenda/Liraglutid).
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas. AWMF-Register-Nr. 050-001.
- Pi-Sunyer X et al. A Randomized, Controlled Trial of 3.0 mg of Liraglutide in Weight Management. N Engl J Med. 2015..
- Wilding JPH et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. N Engl J Med. 2021..
- Rubino D et al. Effect of Continued Weekly Subcutaneous Semaglutide vs Placebo on Weight Loss Maintenance in Adults With Overweight or Obesity. JAMA. 2021..
- Wilding JPH et al. Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide. Diabetes Obes Metab. 2022..
- First oral GLP-1 treatment for weight management – EMA-Pressemitteilung.
- Hathaway JT et al. Risk of Nonarteritic Anterior Ischemic Optic Neuropathy in Patients Prescribed Semaglutide. JAMA Ophthalmol. 2024..
- Ozempic (Semaglutid) – EPAR-Übersicht.
- Lincoff AM et al. Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes (SELECT). N Engl J Med. 2023..
Häufig gestellte Fragen
Kann ich zwischen Liraglutid und Semaglutid frei wählen?
Die Wahl zwischen Liraglutid und Semaglutid trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten, unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und dem bevorzugten Dosierungsintervall. Beide Präparate erfordern ein Privatrezept, da die GKV die Kosten nicht erstattet.
Was passiert, wenn ich Liraglutid oder Semaglutid absetze?
Nach dem Absetzen beider Wirkstoffe ist in klinischen Studien eine Gewichtszunahme beobachtet worden, da die appetithemmende Wirkung entfällt. Deshalb sollte das Absetzen immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Muss ich vor einer Operation mein GLP-1-Medikament absetzen?
Da GLP-1-Rezeptoragonisten die Magenentleerung verlangsamen, besteht bei Vollnarkose oder tiefer Sedierung ein erhöhtes Aspirationsrisiko. Das Behandlungsteam muss vor jedem Eingriff über die Einnahme informiert werden, damit geeignete Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden können.
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