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Magenverkleinerung bei Diabetes Typ 2

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
28.10.2026
Zuletzt aktualisiert
02.11.2026

Magenverkleinerung bei Diabetes Typ 2 gilt als wirksame Therapieoption, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Bariatrische Eingriffe verbessern den Blutzucker oft schon wenige Tage nach der Operation, noch vor einem nennenswerten Gewichtsverlust. Veränderte Darmhormone wie GLP-1 und eine verbesserte Insulinsensitivität spielen dabei eine zentrale Rolle. Viele Betroffene erreichen eine Remission des Typ-2-Diabetes. Dieser Artikel erklärt, wie die Eingriffe wirken, wer geeignet ist, welche Verfahren es gibt und was die deutschen Leitlinien sowie Krankenkassen dazu sagen.

Zusammenfassung: Eine Magenverkleinerung kann bei Typ-2-Diabetes zu einer Remission führen, indem sie Darmhormone wie GLP-1 steigert und die Insulinresistenz durch Gewichtsverlust verringert.

  • Bariatrische Eingriffe verbessern den Blutzucker oft innerhalb weniger Tage durch erhöhte GLP-1-Ausschüttung, unabhängig vom Gewichtsverlust.
  • Remission gilt laut DDG-Konsens als HbA1c unter 6,5 Prozent und Nüchternblutzucker unter 126 mg/dL ohne Antidiabetika über mindestens drei Monate.
  • Die AWMF S3-Leitlinie empfiehlt Eingriffe ab BMI 35 mit Typ-2-Diabetes, wenn konservative Therapien ausgeschöpft sind.
  • Häufige Langzeitfolgen sind Nährstoffmängel, die eine lebenslange Supplementierung und regelmäßige Laborkontrollen erfordern.
  • Die Kostenübernahme durch die GKV ist nicht automatisch und erfordert einen Antrag mit ärztlichen Gutachten und Nachweis konservativer Vorbehandlung.
  • Nach der Operation müssen Diabetesmedikamente wie Sulfonylharnstoffe und SGLT2-Hemmer engmaschig angepasst oder pausiert werden.

Wie wirkt eine Magenverkleinerung auf den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes?

Bariatrische Operationen steigern die GLP-1-Ausschüttung und verbessern die Insulinsensitivität, was oft schon vor nennenswerten Gewichtsverlust zu niedrigeren Blutzuckerwerten führt.

Eine bariatrische Operation verbessert den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes oft bereits innerhalb weniger Tage nach dem Eingriff, noch bevor ein nennenswerter Gewichtsverlust eingetreten ist. Dieser frühe Effekt lässt sich nicht allein durch die Kalorienreduktion erklären. Bestimmte Operationsverfahren verändern die Anatomie des Magen-Darm-Trakts so, dass die Ausschüttung von Darmhormonen wie GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) deutlich zunimmt. GLP-1 stimuliert die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse und hemmt gleichzeitig die Glukagonfreisetzung, was zu einem niedrigeren Blutzuckerspiegel führt.[4][10] Die Rolle weiterer Inkretinhormone wie GIP (Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide) ist verfahrensabhängig und in der Forschung nicht einheitlich belegt; nach einem Roux-en-Y-Magenbypass beispielsweise sind die GIP-Veränderungen heterogen.[10][11]

Darüber hinaus trägt der langfristige Gewichtsverlust dazu bei, die Insulinresistenz zu verringern. Viszerales Bauchfett setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei, die die Insulinwirkung an Muskel- und Leberzellen beeinträchtigen. Wenn dieses Fettgewebe abnimmt, verbessert sich die Insulinsensitivität der Körperzellen.

In klinischen Studien erreichten viele Patientinnen und Patienten nach einem bariatrischen Eingriff eine sogenannte Remission des Typ-2-Diabetes. Nach dem international anerkannten Konsens, den auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mitträgt, gilt als Remission: normoglykämische Werte (HbA1c unter 6,5 Prozent und Nüchternblutzucker unter 126 mg/dL) ohne Einnahme von Antidiabetika über mindestens drei Monate.[5][13] Eine lediglich reduzierte Medikation bei verbesserter Stoffwechsellage wird als Verbesserung, nicht als Remission bezeichnet.

Ob und wie lange eine Remission anhält, hängt von mehreren Faktoren ab: der Dauer der Diabeteserkrankung vor dem Eingriff, dem Ausmaß der verbleibenden Betazellfunktion (messbar über den C-Peptid-Spiegel), dem Insulinbedarf vor der Operation und dem langfristigen Gewichtsverlauf. Patientinnen und Patienten mit kurzer Diabetesdauer, erhaltener Betazellfunktion und ohne Insulintherapie haben in Studien höhere Remissionsraten gezeigt.[15][16] Eine vollständige und dauerhafte Normalisierung des Blutzuckers ist nicht garantiert; eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle bleibt auch nach der Operation notwendig. Diese Informationen stützen sich auf die AWMF S3-Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen" (Reg.-Nr. 088-001) sowie auf Stellungnahmen der DDG zur metabolischen Chirurgie.

Für wen kommt ein bariatrischer Eingriff bei Diabetes in Frage?

Laut AWMF S3-Leitlinie kommt ein Eingriff ab BMI 35 mit Typ-2-Diabetes in Betracht, wenn konservative Therapien ausgeschöpft sind und eine interdisziplinäre Evaluation erfolgt ist.

Laut der aktuellen AWMF S3-Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen" (Reg.-Nr. 088-001) gelten in Deutschland folgende BMI-Schwellen als Orientierung:

  • Bei einem BMI ab 40 kg/m² kann ein bariatrischer Eingriff auch ohne Begleiterkrankung erwogen werden.[1][6]

  • Bei einem BMI ab 35 kg/m² mit einer Adipositas-assoziierten Folgeerkrankung wie Typ-2-Diabetes kommt ein Eingriff in Betracht, wenn konservative Therapiemaßnahmen keinen ausreichenden Erfolg gezeigt haben.

  • Bei einem BMI zwischen 30 und 34,9 kg/m² ist die Evidenz begrenzter. Die Leitlinie empfiehlt in diesem Bereich besondere Zurückhaltung und eine strenge interdisziplinäre Evaluation in spezialisierten Zentren; ein Eingriff kann im Einzelfall erwogen werden, wenn der Diabetes trotz optimierter Behandlung unzureichend eingestellt bleibt.

Wichtige Voraussetzungen für eine Operationsempfehlung sind:

  • Ausgeschöpfte konservative Therapie: Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und medikamentöse Behandlung wurden im Rahmen eines strukturierten multimodalen Programms über einen angemessenen Zeitraum konsequent durchgeführt.

  • Psychologische Eignung: Eine psychiatrische oder psychologische Voruntersuchung schließt Kontraindikationen wie unbehandelte Essstörungen oder schwere psychische Erkrankungen aus.

  • Keine schwerwiegenden Operationsrisiken: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gerinnungsstörungen oder andere Begleiterkrankungen werden im Rahmen der präoperativen Diagnostik bewertet.

  • Langfristige Nachsorgebereitschaft: Die Patientinnen und Patienten müssen bereit und in der Lage sein, lebenslang an einem strukturierten Nachsorgeprogramm teilzunehmen.

Ein bariatrischer Eingriff ist kein Routineeingriff und erfordert eine sorgfältige interdisziplinäre Abklärung durch Chirurgie, Innere Medizin, Ernährungsmedizin und Psychologie. Die Entscheidung wird individuell und gemeinsam mit der betroffenen Person getroffen. In Deutschland sollten Eingriffe in zertifizierten Zentren für Adipositas- und metabolische Chirurgie durchgeführt werden; die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) führt eine Liste solcher Zentren. Personen, die einen solchen Eingriff erwägen, sollten zunächst ihren Hausarzt ansprechen, der eine Überweisung an ein geeignetes Zentrum veranlassen kann.

Operationsverfahren Wirkweise Effekt auf Blutzucker / Diabetes-Remission Typische Risiken und Nebenwirkungen Besonderheiten laut AWMF S3-Leitlinie 088-001
Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie) Entfernung von ca. 75 bis 80 Prozent des Magens, stark reduziertes Magenvolumen, Ghrelinreduktion möglich Gute Stoffwechseleffekte, Diabetes-Remission bei geeigneten Patientinnen und Patienten möglich Gastroösophagealer Reflux kann auftreten oder sich verschlechtern, Nährstoffmängel Technisch weniger komplex als Magenbypass, häufig eingesetztes Standardverfahren
Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) Kleiner Magenpouch, Umgehung von Zwölffingerdarm und Dünndarmabschnitt, ausgeprägte Inkretinhormonwirkung Starke Stoffwechseleffekte, hohe Remissionsraten, frühe Blutzuckersenkung noch vor Gewichtsverlust Marginalulzera, innere Hernien, Dumping-Syndrom, postprandiale Hypoglykämien, Nährstoffmängel Technisch anspruchsvoller, höheres Risiko für Nährstoffmängel (Vitamin B12, Eisen, Vitamin D u. a.)
Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD/DS) Schlauchmagen kombiniert mit ausgedehnter Dünndarmumleitung, stark malabsorptiv Stärkster Gewichtsverlust und ausgeprägteste Stoffwechseleffekte in Studien Höchstes Risiko für Nährstoffmängel (fettlösliche Vitamine, Spurenelemente), Durchfall Seltener eingesetzt, strenge Patientenselektion erforderlich
One-Anastomosis-Gastric-Bypass (OAGB/MGB) Magenpouch mit einer Anastomose zum Dünndarm, kombiniert restriktiv und malabsorptiv Gute Stoffwechseleffekte, Stellenwert wird in laufenden Studien weiter bewertet Nährstoffmängel, Reflux möglich, Stellenwert noch nicht abschliessend bewertet Zunehmend in Deutschland angewendet, Bewertung in aktueller Leitlinie noch offen
SADI-S (Single-Anastomosis-Duodeno-Ileal-Bypass mit Schlauchmagen) Schlauchmagen mit Duodeno-Ileal-Umleitung, stark malabsorptiv Ausgeprägte Stoffwechseleffekte, Datenlage wird weiter evaluiert Nährstoffmängel, Stellenwert noch nicht abschliessend bewertet Zunehmend angewendet, Bewertung in aktueller Leitlinie und Studien noch laufend

Welche Operationsverfahren gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Die häufigsten Verfahren sind Schlauchmagen, Roux-en-Y-Magenbypass und biliopankreatische Diversion; sie unterscheiden sich in Stoffwechseleffekt, Nährstoffmangel-Risiko und technischer Komplexität.

In Deutschland werden mehrere bariatrische Verfahren eingesetzt, die sich in ihrer Wirkweise und ihrem Risikoprofil unterscheiden. Die Wahl des Verfahrens hängt von individuellen Faktoren wie dem Ausgangs-BMI, den Begleiterkrankungen und den Patientenpräferenzen ab und sollte in einem zertifizierten Zentrum gemeinsam mit dem Behandlungsteam besprochen werden.

Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie): Dabei wird etwa 75 bis 80 Prozent des Magens entfernt, sodass ein schlauchförmiger Restmagen verbleibt.[1][7] Das Magenvolumen wird stark reduziert, was zu einem frühzeitigen Sättigungsgefühl führt. Bei vielen Patientinnen und Patienten sinkt zudem die Produktion des Hungerhormons Ghrelin, wenngleich dieser Effekt nicht universell auftritt. Dieses Verfahren ist technisch weniger komplex als der Magenbypass.

Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB): Hier wird ein kleiner Magenpouch angelegt und direkt mit dem mittleren Dünndarmabschnitt verbunden, sodass Magen, Zwölffingerdarm und ein Teil des Dünndarms umgangen werden. Dieses Verfahren hat ausgeprägte Effekte auf die Inkretinhormonausschüttung und den Blutzucker; vergleichende Studien zeigen insgesamt starke Stoffwechseleffekte, die im Einzelfall von Patientenmerkmalen abhängen. Es ist technisch anspruchsvoller und mit einem höheren Risiko für Nährstoffmängel verbunden.

Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch (BPD/DS): Dieses Verfahren kombiniert eine Schlauchmagen-Resektion mit einer ausgedehnten Dünndarmumleitung. Es erzielt in Studien den stärksten Gewichtsverlust und ausgeprägte Stoffwechseleffekte, geht aber auch mit dem höchsten Risiko für Nährstoffmängel einher und wird daher seltener eingesetzt.

Darüber hinaus werden in Deutschland zunehmend weitere Verfahren wie der One-Anastomosis-Gastric-Bypass (OAGB/MGB) und der Single-Anastomosis-Duodeno-Ileal-Bypass mit Schlauchmagen (SADI-S) angewendet, deren Stellenwert in der aktuellen Leitlinie und in laufenden Studien weiter bewertet wird.

Alle genannten Verfahren werden in Deutschland in der Regel laparoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt. Grundlage für die Verfahrenswahl bildet die AWMF S3-Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen" (Reg.-Nr. 088-001).

Risiken, Nebenwirkungen und Langzeitfolgen im Überblick

Kurzfristige Risiken umfassen Leckagen und Thrombosen; langfristig drohen Nährstoffmängel, Dumping-Syndrom, postprandiale Hypoglykämien und Gewichtswiederanstieg.

Bariatrische Eingriffe sind chirurgische Operationen mit einem spezifischen Risikoprofil, das vor der Entscheidung sorgfältig abgewogen werden muss. Kurzfristige operative Risiken umfassen Blutungen, Leckagen an den Nahtstellen (Anastomoseninsuffizienz), Infektionen und thromboembolische Komplikationen. Aktuelle deutsche Qualitätsdaten (IQTIG-Bundesauswertungen) berichten eine 30-Tage-Sterblichkeit von etwa 0,1 bis 0,3 Prozent, abhängig vom Verfahren und dem Patientenkollektiv; das Risiko ist nicht null und steigt mit Begleiterkrankungen.

Zu den häufigen mittelfristigen Nebenwirkungen gehören:

  • Nährstoffmängel: Nach bariatrischen Eingriffen ist die Aufnahme verschiedener Nährstoffe dauerhaft eingeschränkt. Besonders relevant sind Vitamin B12, Eisen, Folsäure, Vitamin D, Kalzium sowie die fettlöslichen Vitamine A, E und K, Thiamin (Vitamin B1) und Spurenelemente wie Zink und Selen. Art und Ausmaß des Substitutionsbedarfs hängen vom gewählten Verfahren und den regelmäßigen Laborkontrollen ab; die lebenslange Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gemäß ärztlicher Empfehlung ist in der Regel erforderlich.

  • Dumping-Syndrom: Vor allem nach dem Magenbypass kann es nach dem Essen zu Übelkeit, Schwindel, Herzrasen und Durchfall kommen, wenn Nahrung zu schnell in den Dünndarm gelangt.

  • Hypoglykämien: Bei einigen Patientinnen und Patienten treten nach dem Essen Unterzuckerungen auf (postprandiale Hypoglykämien), die eine Anpassung der Ernährung und gegebenenfalls der Diabetesmedikation erfordern.

  • Gewichtswiederanstieg: Langfristig kann es bei einem Teil der Operierten zu einem erneuten Gewichtsanstieg kommen, insbesondere wenn die Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen nicht konsequent umgesetzt werden.

  • Verfahrensspezifische Risiken: Nach der Sleeve-Gastrektomie kann ein gastroösophagealer Reflux auftreten oder sich verschlechtern. Nach dem Roux-en-Y-Magenbypass bestehen Risiken für Marginalulzera und innere Hernien. Bei raschem Gewichtsverlust nach allen Verfahren kann sich eine Cholelithiasis (Gallensteine) entwickeln. Langfristig ist bei malabsorptiven Verfahren auch ein Knochendichteverlust zu beachten.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit der perioperativen Medikation können in Deutschland dem BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) gemeldet werden. Bei akuten Beschwerden nach der Operation, wie starken Bauchschmerzen oder Fieber, sollte in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 kontaktiert werden. Bei lebensbedrohlichen Symptomen gilt in Deutschland der Notruf 112.

Was sagen deutsche Leitlinien und Krankenkassen zur Kostenübernahme?

Die GKV übernimmt die Kosten nicht automatisch; ein Antrag mit ärztlichen Gutachten und Nachweis konservativer Vorbehandlung sowie eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes sind erforderlich.

Die AWMF S3-Leitlinie "Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen" (Reg.-Nr. 088-001) empfiehlt bariatrische Eingriffe als anerkannte Therapieoption bei Adipositas mit Typ-2-Diabetes, wenn die definierten Indikationskriterien erfüllt sind. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) unterstützt diese Empfehlung und betont den Stellenwert der metabolischen Chirurgie als Teil eines multimodalen Behandlungskonzepts.

Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Deutschland ist nicht automatisch gewährleistet. Bariatrische Eingriffe können grundsätzlich als GKV-Leistung beantragt werden, wenn die medizinischen Voraussetzungen nachgewiesen sind. In der Praxis erfordert die Kostenübernahme in Deutschland in der Regel:

  • Einen ausführlichen Antrag mit ärztlichen Gutachten und Dokumentation der vorherigen konservativen Therapieversuche

  • Eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes (MD)

  • Den Nachweis, dass der Eingriff in einem geeigneten, zertifizierten Zentrum durchgeführt wird

Der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) hat Anforderungen an die Qualitätssicherung bariatrischer Eingriffe im Rahmen der Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-Richtlinie) festgelegt. Eingriffe sollten in Deutschland in Einrichtungen durchgeführt werden, die die dort definierten Qualitätsanforderungen erfüllen; die genauen Vorgaben sind den aktuellen G-BA-Dokumenten zu entnehmen.

Privat versicherte Patientinnen und Patienten sollten die Leistungsbedingungen ihres Tarifs vorab prüfen. Wird ein Antrag bei der GKV abgelehnt, besteht die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Eine Beratung durch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) kann dabei hilfreich sein. Der Hausarzt ist die erste Anlaufstelle für die Einleitung des Antragsverfahrens in Deutschland.

Leben nach der Operation: Ernährung, Nachsorge und Blutzuckerkontrolle

Nach der Operation sind lebenslange Nahrungsergänzung, proteinreiche Ernährung und engmaschige Blutzuckerkontrollen notwendig, da sich der Medikamentenbedarf rasch verändern kann.

Nach einer bariatrischen Operation ist eine lebenslange strukturierte Nachsorge entscheidend für den langfristigen Behandlungserfolg und die Vermeidung von Komplikationen. In den ersten Wochen nach dem Eingriff wird die Ernährung schrittweise von flüssiger Kost über pürierte Speisen bis hin zu fester Nahrung aufgebaut. Kleine, häufige Mahlzeiten sind dauerhaft empfohlen, da das Magenvolumen stark reduziert ist.

Zentrale Ernährungsempfehlungen nach der Operation umfassen:

  • Proteinreiche Kost: Gemäß den Empfehlungen der AWMF S3-Leitlinie mindestens 60 bis 80 Gramm Protein täglich, um Muskelmasse zu erhalten.

  • Langsames Essen und gründliches Kauen: Um Übelkeit, Erbrechen und das Dumping-Syndrom zu vermeiden.

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens 1,5 Liter täglich, jedoch nicht während der Mahlzeiten.

  • Lebenslange Nahrungsergänzungsmittel: Vitamin B12, Eisen, Vitamin D, Kalzium, Folsäure sowie je nach Verfahren und Laborwerten die fettlöslichen Vitamine A, E und K, Thiamin und Spurenelemente wie Zink und Selen, gemäß ärztlicher Empfehlung und in Abhängigkeit von regelmäßigen Laborkontrollen.

  • Vermeidung von NSAR: Nicht-steroidale Antirheumatika (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) sollten nach einem Magenbypass wegen des erhöhten Ulkusrisikos in der Regel vermieden werden; in der frühen postoperativen Phase wird häufig eine Magenschutztherapie (PPI) empfohlen. Die genaue Dauer und Indikation legt der behandelnde Arzt fest.

Die Blutzuckerkontrolle muss nach der Operation engmaschig erfolgen, da sich der Insulinbedarf und die Wirksamkeit von Antidiabetika rasch verändern können. Bestimmte Diabetesmedikamente erfordern besondere Aufmerksamkeit:

  • Sulfonylharnstoffe können nach dem Eingriff das Hypoglykämierisiko erhöhen und müssen gegebenenfalls abgesetzt oder in der Dosis angepasst werden.

  • SGLT2-Hemmer (z. B. Empagliflozin, Dapagliflozin) sollten perioperativ pausiert werden, da das Risiko einer euglykämischen Ketoazidose besteht; der genaue Zeitpunkt der Pause und Wiederaufnahme wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

  • Metformin und Insulin werden ebenfalls häufig angepasst.

Alle Medikationsanpassungen sollten ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin erfolgen.

Regelmäßige Nachsorgetermine dienen der Kontrolle von Laborwerten (darunter HbA1c, Nüchternblutzucker in mg/dL, Ferritin, Vitamin D, Vitamin B12, Kalzium und Parathormon), Körpergewicht und Blutzucker sowie der psychologischen Begleitung. Üblich sind Kontrollen alle drei bis sechs Monate im ersten Jahr und danach mindestens jährlich, abhängig vom individuellen Verlauf. Personen, die nach der Operation Beschwerden bemerken oder Fragen zur Medikation haben, sollten ihren Hausarzt aufsuchen.

Wissenschaftliche Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Kann eine Magenverkleinerung Typ-2-Diabetes dauerhaft heilen?

Eine dauerhafte Heilung ist nicht garantiert, aber viele Betroffene erreichen eine Remission mit normoglykämischen Werten ohne Antidiabetika. Ob die Remission anhält, hängt von der Diabetesdauer, der Betazellfunktion und dem langfristigen Gewichtsverlauf ab.

Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten einer Magenverkleinerung bei Diabetes?

Die GKV kann die Kosten übernehmen, wenn die medizinischen Voraussetzungen nachgewiesen sind und ein Antrag mit ärztlichen Gutachten sowie Dokumentation konservativer Therapieversuche gestellt wird. Eine Bewilligung ist nicht automatisch; der Hausarzt ist die erste Anlaufstelle für das Antragsverfahren.

Welche Diabetesmedikamente müssen nach einer Magenverkleinerung angepasst werden?

Sulfonylharnstoffe erhöhen nach dem Eingriff das Hypoglykämierisiko und müssen oft reduziert oder abgesetzt werden; SGLT2-Hemmer sollten perioperativ pausiert werden. Alle Medikationsanpassungen erfolgen ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt.


Redaktionelle Hinweise

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