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PCOS neuer Name: Alternativen und Diagnose

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
25.10.2026
Zuletzt aktualisiert
02.11.2026

PCOS neuer Name: Die Bezeichnung „Polyzystisches Ovarsyndrom“ steht seit Jahren in der Kritik, weil sie ein Merkmal betont, das weder zwingend vorhanden noch diagnostisch entscheidend ist. Fachgesellschaften und Betroffene diskutieren, ob ein neuer Name das komplexe endokrin-metabolische Syndrom besser beschreiben würde. Dieser Artikel erklärt, warum die Umbenennung diskutiert wird, welche Alternativen vorgeschlagen werden, was hinter dem Syndrom steckt und wie die Diagnose in Deutschland heute gestellt wird.

Zusammenfassung: Für PCOS gibt es bislang keinen offiziell beschlossenen neuen Namen, obwohl Fachgesellschaften und Betroffene die bestehende Bezeichnung als irreführend kritisieren und Alternativen wie 'Metabolic Reproductive Syndrome' diskutiert werden.

  • Der Begriff 'Polyzystisches Ovarsyndrom' gilt als irreführend, weil polyzystische Ovarien weder zwingend vorhanden noch allein diagnostisch entscheidend sind.
  • Alternativbezeichnungen wie 'Metabolic Reproductive Syndrome' oder 'Hyperandrogenes Ovarielles Syndrom' werden diskutiert, haben aber keinen internationalen Konsens erreicht.
  • PCOS ist ein endokrin-metabolisches Syndrom mit reproduktiven, androgenbedingten und metabolischen Merkmalen, das 8 bis 13 Prozent der Menschen mit Ovarien im reproduktionsfähigen Alter betrifft.
  • Die Diagnose in Deutschland erfolgt nach den Rotterdam-Kriterien: mindestens zwei von drei Kriterien (Oligo-/Anovulation, Hyperandrogenismus, polyzystische Ovarien) müssen erfüllt sein.
  • PCOS ist eine Ausschlussdiagnose; Erkrankungen wie adrenogenitales Syndrom, Hyperprolaktinämie und Schilddrüsenfunktionsstörungen müssen zuvor ausgeschlossen werden.
  • Die internationale Leitlinie 2023 (Monash/ESHRE/ASRM) empfiehlt, die Weiterentwicklung der Terminologie gemeinsam mit Betroffenenorganisationen voranzutreiben, ohne eine sofortige Umbenennung zu fordern.

Warum wird über einen neuen Namen für PCOS diskutiert?

Der Name 'Polyzystisches Ovarsyndrom' wird kritisiert, weil polyzystische Ovarien nicht bei allen Betroffenen vorliegen und der Begriff die systemische, metabolische Natur des Syndroms nicht widerspiegelt. Eine offizielle Umbenennung ist bislang weder national noch international erfolgt.

Der Name „Polyzystisches Ovarsyndrom“ (PCOS) wird von Fachgesellschaften und Betroffenen zunehmend als irreführend kritisiert, weil er ein Merkmal in den Vordergrund stellt, das weder zwingend vorhanden noch diagnostisch entscheidend ist. Tatsächlich zeigen nicht alle Menschen mit PCOS polyzystisch veränderte Ovarien im Ultraschall, und umgekehrt können solche Veränderungen auch ohne das Syndrom auftreten.[1][2] Der Begriff lenkt den Blick auf die Eierstöcke, obwohl PCOS ein komplexes endokrin-metabolisches Syndrom ist, das weit über die Ovarfunktion hinausgeht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die psychosoziale Wirkung des Namens. Forschungsarbeiten, die in die International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of PCOS 2023 (Monash/ESHRE/ASRM) eingeflossen sind, zeigen, dass Betroffene durch die Bezeichnung „polyzystisch“ häufig annehmen, ihre Eierstöcke seien dauerhaft geschädigt oder mit Zysten übersät, was zu unnötiger Verunsicherung führt. Die genannte internationale Leitlinie hält fest, dass die Terminologie weiter geprüft werden soll und eine Weiterentwicklung der Nomenklatur gemeinsam mit Betroffenenorganisationen erfolgen sollte.[1][3] Eine ausdrückliche Empfehlung zur sofortigen Umbenennung enthält die Leitlinie nicht; sie betont vielmehr, dass PCOS als Begriff vorerst beibehalten wird.

In Deutschland begleiten die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) diese wissenschaftliche Diskussion. Eine offizielle Umbenennung ist bislang weder national noch international erfolgt. Die Debatte hat jedoch dazu beigetragen, dass PCOS heute stärker als systemische Erkrankung mit metabolischen, reproduktiven und psychischen Dimensionen verstanden wird. Für Betroffene ist es wichtig zu wissen, dass der aktuelle Name keine vollständige Beschreibung ihres Zustands darstellt und eine individuelle ärztliche Einschätzung unerlässlich bleibt.

Vorgeschlagene Bezeichnung Betonter Aspekt Vorteil Nachteil Aktueller Status
Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) Morphologie der Ovarien International etabliert, in ICD-Kodierung und Leitlinien verankert Irreführend: polyzystische Ovarien weder zwingend vorhanden noch diagnostisch entscheidend Offiziell gültig (DGGG, DGE, ICD)
Metabolisch-Reproduktives Syndrom (MRS) Metabolische und reproduktive Dimension Spiegelt systemischen Charakter des Syndroms wider Kein internationaler Konsens; kein Bezug auf Androgenexzess Diskutiert im JCEM, kein offizieller Status
Hyperandrogenes Ovarielles Syndrom Erhöhte Androgenproduktion Betont zentrales pathophysiologisches Merkmal Abkürzung im deutschen Sprachraum nicht standardisiert Wissenschaftliche Diskussion, kein Konsens
Funktionelle Ovarielle Hyperandrogenämie Klinisch präzise Beschreibung des Androgenexzesses Pathophysiologisch genau Für Laien schwer verständlich Wissenschaftliche Diskussion, kein Konsens
Anovulatorisches Androgenexzess-Syndrom Kombination aus Anovulation und Androgenüberschuss Hebt zwei Kernmerkmale hervor Kein Bezug auf metabolische Komponente Wissenschaftliche Diskussion, kein Konsens

Welche Bezeichnungen werden aktuell als Alternativen vorgeschlagen?

'Metabolic Reproductive Syndrome' ist einer der bekanntesten Alternativvorschläge, daneben werden 'Hyperandrogenes Ovarielles Syndrom' und 'Anovulatorisches Androgenexzess-Syndrom' diskutiert. Keiner dieser Begriffe hat bislang offizielle Akzeptanz gefunden.

In der wissenschaftlichen Literatur werden verschiedene Alternativbegriffe diskutiert, ohne dass bislang ein internationaler oder nationaler Konsens besteht. Einer der bekanntesten Vorschläge ist der Begriff „Metabolic Reproductive Syndrome“ (MRS, auf Deutsch etwa: Metabolisch-Reproduktives Syndrom). Er wurde unter anderem in einem Kommentar im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism (JCEM) erörtert, an dem Kliniker, Forschende und Betroffene beteiligt waren. Ob dieser Begriff tatsächlich der meistdiskutierte ist, lässt sich angesichts der laufenden Debatte nicht abschließend beurteilen.

Weitere diskutierte Bezeichnungen umfassen:

  • Hyperandrogenes Ovarielles Syndrom: Dieser Begriff betont die erhöhte Androgenproduktion, die als zentrales pathophysiologisches Merkmal gilt. Im deutschen Sprachraum ist die Abkürzung nicht standardisiert.

  • Funktionelle Ovarielle Hyperandrogenämie: Eine klinisch präzisere Beschreibung, die jedoch für Laien schwer verständlich ist.

  • Anovulatorisches Androgenexzess-Syndrom: Hebt die Kombination aus ausbleibender Ovulation und erhöhten Androgenwerten hervor.

Keiner dieser Vorschläge hat bislang breite offizielle Akzeptanz gefunden. Die International Evidence-based Guideline 2023 (Monash/ESHRE/ASRM) empfiehlt, die Weiterentwicklung der Terminologie gemeinsam mit Betroffenenorganisationen voranzutreiben, um sicherzustellen, dass ein künftiger Name sowohl klinisch korrekt als auch für Patientinnen und Patienten verständlich und nicht stigmatisierend ist. In Deutschland bleibt die Bezeichnung PCOS in der ICD-Kodierung, in Fachinformationen, Abrechnungssystemen und klinischen Leitlinien verbindlich, bis offizielle Gremien eine Änderung beschließen.

Was steckt hinter dem Syndrom - Ursachen und Merkmale

PCOS beruht auf einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Insulinresistenz und veränderter Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse, was zu erhöhten Androgenwerten und Zyklusstörungen führt. Begleiterkrankungen umfassen Typ-2-Diabetes-Risiko, Dyslipidämie sowie Depressionen und Angststörungen.

PCOS ist ein heterogenes endokrin-metabolisches Syndrom, dessen genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, das aber auf einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Insulinresistenz und veränderter Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse beruht. Die erhöhte Insulinausschüttung stimuliert die Androgenproduktion in den Ovarien und hemmt gleichzeitig die Bildung von Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG) in der Leber, wodurch mehr freies Testosteron im Blut zirkuliert.[5][6]

Die klinischen Merkmale lassen sich in drei Hauptbereiche gliedern:

  • Reproduktiv: Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationszyklen (Oligo- oder Amenorrhoe), eingeschränkte Fruchtbarkeit, polyzystisch veränderte Ovarien im Ultraschall.

  • Androgen-bedingt: Vermehrte Körper- und Gesichtsbehaarung (Hirsutismus), Akne, androgenetischer Haarausfall.

  • Metabolisch: Insulinresistenz, erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie und erhöhter Blutdruck.

Das kardiovaskuläre Langzeitrisiko bei PCOS wird in der Forschung diskutiert; es ist nicht einheitlich erhöht, sondern hängt wesentlich von Begleitfaktoren wie Adipositas, Insulinresistenz und Blutdruck ab. Leitlinien empfehlen daher eine individuelle Risikoabschätzung.

Zu den weiteren relevanten Begleiterkrankungen zählen ein erhöhtes Risiko für eine Endometriumhyperplasie (bedingt durch anhaltende Anovulation), obstruktive Schlafapnoe sowie eine nichtalkoholische Fettlebererkrankung.[8][1] Hinzu kommen psychische Begleiterscheinungen wie ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen, die in der Versorgung häufig unterdiagnostiziert bleiben.[10][1]

PCOS betrifft nach Angaben der International Evidence-based Guideline 2023 schätzungsweise 8 bis 13 Prozent der Menschen mit Ovarien im reproduktionsfähigen Alter, wobei die Häufigkeit je nach angewandten Diagnosekriterien variiert.[1][2] Das Syndrom ist nicht heilbar, aber die Symptome sind in vielen Fällen durch Lebensstilanpassungen und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung gut beeinflussbar. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um Langzeitkomplikationen zu reduzieren.

Wie wird PCOS heute in Deutschland diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt nach den Rotterdam-Kriterien: Mindestens zwei von drei Merkmalen (Oligo-/Anovulation, Hyperandrogenismus, polyzystische Ovarien im Ultraschall) müssen vorliegen, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden. Bei Verdacht ist der erste Ansprechpartner der Hausarzt oder eine gynäkologische Praxis.

In Deutschland erfolgt die Diagnose von PCOS nach den Rotterdam-Kriterien von 2003, die nach wie vor international und in den Leitlinien der DGGG und DGE als Grundlage gelten: Mindestens zwei der drei folgenden Kriterien müssen erfüllt sein, und andere Ursachen müssen ausgeschlossen worden sein.

Die drei Rotterdam-Kriterien:

  • Oligo- oder Anovulation: Unregelmäßige Zyklen mit weniger als acht Menstruationen pro Jahr oder Zyklen von mehr als 35 Tagen Länge.

  • Klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus: Hirsutismus, Akne oder Alopezie sowie laborchemisch erhöhte Androgenwerte (z. B. freies Testosteron, DHEAS).

  • Polyzystische Ovarien im Ultraschall: Nachweis von 20 oder mehr Follikeln pro Ovar oder ein Ovarvolumen von mehr als 10 ml (nach ESHRE-Kriterien 2023). Dieses Kriterium setzt einen hochauflösenden transvaginalen Ultraschall (mindestens 8 MHz) voraus; transabdominale Sonografie ist für diese Schwellenwerte bei Erwachsenen in der Regel nicht geeignet. Bei Jugendlichen wird die Sonografie zur Diagnosestellung nicht empfohlen, da polyzystisch erscheinende Ovarien in der Adoleszenz physiologisch vorkommen können; hier steht der Nachweis eines Hyperandrogenismus im Vordergrund.

Der diagnostische Prozess beginnt in der Regel beim Hausarzt oder in einer gynäkologischen Praxis. Neben der körperlichen Untersuchung und dem Ultraschall werden Laborwerte erhoben, darunter LH, FSH, Östradiol, Testosteron, DHEAS, SHBG sowie Nüchternglukose (in mg/dL) und ein Schilddrüsenstatus. Zur Abklärung von Störungen des Glukosestoffwechsels empfehlen die International Evidence-based Guideline 2023 und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) bei PCOS einen 75-g-oralen Glukosetoleranztest (OGTT) als bevorzugtes Verfahren; die alleinige Bestimmung von Nüchterninsulin wird in Leitlinien nicht empfohlen, da keine validen Grenzwerte vorliegen.

Zum Ausschluss anderer Ursachen gehören außerdem die Bestimmung von Prolaktin sowie von morgendlichem 17-Hydroxyprogesteron (zum Ausschluss eines nicht-klassischen adrenogenitalen Syndroms, NCCAH). Bei stark erhöhten Androgenwerten sollte differenzialdiagnostisch an androgenproduzierende Tumoren gedacht und eine weiterführende Abklärung veranlasst werden.

PCOS bleibt eine Ausschlussdiagnose: Erkrankungen wie das adrenogenitale Syndrom, Hyperprolaktinämie oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung müssen zuvor ausgeschlossen werden. Bei komplexen Verläufen, unerfülltem Kinderwunsch oder unklaren Befunden ist in Deutschland eine Überweisung in eine endokrinologische oder reproduktionsmedizinische Praxis sinnvoll.

Wer anhaltende Zyklusunregelmäßigkeiten, Zeichen eines Androgenüberschusses oder unerfüllten Kinderwunsch bemerkt, sollte ärztlichen Rat beim Hausarzt oder einer gynäkologischen Praxis suchen. Bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 erreichbar. Bei einem medizinischen Notfall gilt in Deutschland die 112.

Wissenschaftliche Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Gibt es bereits einen offiziell beschlossenen neuen Namen für PCOS?

Nein, eine offizielle Umbenennung hat weder national noch international stattgefunden. Die Bezeichnung PCOS bleibt in ICD-Kodierung, Leitlinien und Abrechnungssystemen in Deutschland weiterhin verbindlich.

Warum gilt der Begriff 'Polyzystisches Ovarsyndrom' als irreführend?

Nicht alle Betroffenen zeigen polyzystisch veränderte Ovarien im Ultraschall, und der Begriff lenkt den Blick auf die Eierstöcke, obwohl PCOS ein komplexes endokrin-metabolisches Syndrom mit metabolischen, reproduktiven und psychischen Dimensionen ist.

An wen sollte ich mich in Deutschland wenden, wenn ich PCOS vermute?

Bei anhaltenden Zyklusunregelmäßigkeiten, Zeichen eines Androgenüberschusses oder unerfülltem Kinderwunsch ist der Hausarzt oder eine gynäkologische Praxis der erste Ansprechpartner. Bei komplexen Verläufen kann eine Überweisung in eine endokrinologische oder reproduktionsmedizinische Praxis sinnvoll sein.


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