Roux-en-Y-Magenbypass: Wirkung und Risiken
Der Roux-en-Y-Magenbypass ist eines der am häufigsten durchgeführten und am besten untersuchten bariatrischen Verfahren weltweit. Bei diesem Eingriff wird der Magen zu einem kleinen Pouch verkleinert und der Dünndarm so umgeleitet, dass Nahrung einen Teil des Verdauungstrakts umgeht. Dadurch entstehen sowohl eine mechanische Begrenzung der Nahrungsaufnahme als auch tiefgreifende hormonelle Veränderungen, die den Stoffwechsel nachhaltig beeinflussen. Dieser Artikel erklärt, wie der Eingriff funktioniert, für wen er infrage kommt, welche Risiken bestehen und was die aktuelle Studienlage zeigt.
Zusammenfassung: Der Roux-en-Y-Magenbypass ist ein bariatrisch-metabolischer Eingriff, bei dem der Magen zu einem kleinen Pouch verkleinert und der Dünndarm umgeleitet wird, um Gewicht und Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes dauerhaft zu verbessern.
- Der Eingriff kombiniert eine restriktive Komponente (kleiner Magenpouch) mit einer metabolischen Komponente durch veränderte Darmhormonausschüttung (GLP-1, PYY).
- Laut AWMF-S3-Leitlinie kommt der Eingriff primär bei einem BMI ab 40 kg/m² oder ab 35 kg/m² mit relevanten Begleiterkrankungen infrage.
- Die perioperative Mortalität liegt in zertifizierten deutschen Zentren laut DGAV-Qualitätsregister unter 0,3 Prozent.
- Eine lebenslange Supplementierung von Mikronährstoffen wie Eisen, Vitamin B12, Vitamin D und Kalzium ist nach dem Eingriff obligatorisch.
- Langzeitstudien berichten Remissionsraten von 50 bis 80 Prozent bei Typ-2-Diabetes in den ersten Jahren nach dem Eingriff.
- Der Operationserfolg hängt maßgeblich von der Qualität der lebenslangen Nachsorge in einem zertifizierten Zentrum ab.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Roux-en-Y-Magenbypass und wie funktioniert er?
- Für wen kommt diese Operation in Deutschland infrage?
- Wie läuft der Eingriff ab und wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
- Welche Risiken und Nebenwirkungen sind mit dem Magenbypass verbunden?
- Langzeitergebnisse: Was zeigt die aktuelle Studienlage?
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Roux-en-Y-Magenbypass und wie funktioniert er?
Der Roux-en-Y-Magenbypass verkleinert den Magen zu einem Pouch von 15 bis 30 ml und leitet den Dünndarm um, wodurch sowohl die Nahrungsaufnahme begrenzt als auch die Ausschüttung von Darmhormonen wie GLP-1 verändert wird.
Der Roux-en-Y-Magenbypass ist ein bariatrisch-metabolischer Eingriff, bei dem der Magen zu einem kleinen Pouch verkleinert und der Dünndarm so umgeleitet wird, dass Nahrung einen Teil des Verdauungstrakts umgeht. Der Name leitet sich vom Schweizer Chirurgen César Roux ab, der das Prinzip der Y-förmigen Darmverbindung beschrieb. Beim klassischen Verfahren wird zunächst ein Magenpouch von etwa 15 bis 30 ml Volumen gebildet, der direkt mit einem weiter unten gelegenen Abschnitt des Dünndarms (Roux-Schenkel) verbunden wird.[9][10] Der verbleibende Magen, der Zwölffingerdarm und ein kurzer Jejunumabschnitt werden dabei überbrückt.
Der Wirkmechanismus ist zweigeteilt: Zum einen wird die Nahrungsaufnahme durch das deutlich kleinere Magenvolumen mechanisch begrenzt (restriktive Komponente). Zum anderen verändert die Umgehung des Zwölffingerdarms und des oberen Jejunums die Ausschüttung von Darmhormonen wie GLP-1 und PYY erheblich, was Sättigungsgefühl, Insulinsekretion und Glukosestoffwechsel beeinflusst (metabolische Komponente).[11][12] Diese hormonellen Veränderungen erklären, warum ein Typ-2-Diabetes bei vielen Patientinnen und Patienten bereits kurz nach dem Eingriff, noch vor einer nennenswerten Gewichtsabnahme, in Remission gehen kann.[1][14] Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei kürzerer Diabetesdauer und noch erhaltener Betazellfunktion; bei langjährigem Diabetes oder bereits bestehender Insulinpflicht ist eine dauerhafte Remission seltener. Dies entspricht der Einschätzung der AWMF-S3-Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ sowie Stellungnahmen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
Der Roux-en-Y-Magenbypass gilt laut der aktuellen AWMF-S3-Leitlinie als eines der am besten untersuchten bariatrischen Verfahren weltweit. Er wird in Deutschland überwiegend laparoskopisch durchgeführt, was die Erholungszeit im Vergleich zum offenen Eingriff deutlich verkürzt.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Verfahren und Technik | Laparoskopisch, Vollnarkose, Dauer 90 bis 150 Minuten; Magenpouch 15 bis 30 ml, Gastrojejunostomie und Jejunojejunostomie |
| Indikation laut AWMF-S3-Leitlinie | BMI ab 40 kg/m²; BMI 35 bis 39,9 kg/m² mit relevanten Begleiterkrankungen; Einzelfall BMI 30 bis 34,9 kg/m² bei schlecht eingestelltem Typ-2-Diabetes |
| Wirkmechanismus | Restriktiv (kleineres Magenvolumen) und metabolisch (veraenderte GLP-1- und PYY-Ausschuettung, verbesserte Insulinsekretion und Glukosestoffwechsel) |
| Stationaerer Aufenthalt und Nachsorge | 3 bis 5 Tage stationaer; Kontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten, danach jaehrlich; lebenslange Laborkontrollen und Supplementierung obligatorisch |
| Haeufige Langzeitnebenwirkungen | Dumping-Syndrom (frueh und spaet), Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Kalziummangel, Marginalulzera, innere Hernien, Nierensteine (Hyperoxalurie) |
| Perioperative Mortalitaet und Komplikationen | Unter 0,3 Prozent in zertifizierten Zentren (DGAV StuDoQ); fruehe Risiken: Anastomosenleckage, Nachblutung, Thrombose, Lungenembolie |
| Langzeitergebnisse | Gewichtsreduktion 25 bis 35 Prozent des Ausgangsgewichts; Typ-2-Diabetes-Remission 50 bis 80 Prozent; signifikante Reduktion kardiovaskulaerer Ereignisse (SOS-Studie) |
Für wen kommt diese Operation in Deutschland infrage?
Der Eingriff kommt laut AWMF-S3-Leitlinie für Erwachsene mit einem BMI ab 40 kg/m² oder ab 35 kg/m² mit Begleiterkrankungen infrage, sofern konservative Therapien dauerhaft erfolglos waren.
In Deutschland kommt ein Roux-en-Y-Magenbypass laut der AWMF-S3-Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ primär für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 40 kg/m² infrage, sowie für Personen mit einem BMI von 35 bis 39,9 kg/m², wenn relevante Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie, obstruktive Schlafapnoe oder schwere Gelenkerkrankungen vorliegen. In Einzelfällen kann der Eingriff auch bei einem BMI von 30 bis 34,9 kg/m² erwogen werden, wenn ein schlecht eingestellter Typ-2-Diabetes trotz konservativer Therapie besteht; dies entspricht der Leitlinienposition der DDG zur metabolischen Chirurgie.
Voraussetzung ist, dass konservative Maßnahmen nicht zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion geführt haben. Die AWMF-S3-Leitlinie fordert eine strukturierte, multimodale Therapie, die Ernährungsberatung, ein Bewegungsprogramm und Verhaltenstherapie umfasst und über einen ausreichend langen Zeitraum durchgeführt wurde. Vor dem Eingriff ist eine interdisziplinäre Vorbereitung obligatorisch: Internisten, Ernährungsmediziner, Psychologen und Chirurgen beurteilen gemeinsam, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und ob psychische Erkrankungen oder Essstörungen vorliegen, die zunächst behandelt werden müssen. Zur präoperativen Standarddiagnostik gehören in Deutschland üblicherweise eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) mit Helicobacter-pylori-Testung und gegebenenfalls Eradikation, Laboruntersuchungen, eine Abdomensonografie sowie die Empfehlung zur Nikotinabstinenz.
Ausschlusskriterien umfassen unter anderem aktive Suchterkrankungen, schwere psychiatrische Erkrankungen ohne ausreichende Stabilisierung, entzündliche Darmerkrankungen im Schub sowie fehlende Einsicht in die notwendigen lebenslangen Nachsorgeverpflichtungen. Schwangerschaft ist ebenfalls eine Kontraindikation; Frauen im gebärfähigen Alter werden auf die Notwendigkeit einer zuverlässigen Verhütung für mindestens 12 bis 18 Monate nach dem Eingriff hingewiesen, da eine Schwangerschaft in dieser Phase mit erhöhten Risiken verbunden ist.[3][19] Da die Resorption oraler Kontrazeptiva nach dem Eingriff verändert sein kann, empfehlen Leitlinien in Deutschland bevorzugt langwirksame reversible Verhütungsmethoden (LARC), zum Beispiel Hormonspirale oder Kupferspirale.
Die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland erfordert einen schriftlichen Antrag mit ärztlicher Begründung. Der Medizinische Dienst (MD) prüft den Antrag; bei Ablehnung besteht die Möglichkeit des Widerspruchs. Eine automatische Kostenübernahme ist nicht gewährleistet.
Wie läuft der Eingriff ab und wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
Der Eingriff wird laparoskopisch unter Vollnarkose in 90 bis 150 Minuten durchgeführt; der stationäre Aufenthalt beträgt in spezialisierten Zentren typischerweise 3 bis 5 Tage.
Der Roux-en-Y-Magenbypass wird in Deutschland standardmäßig laparoskopisch unter Vollnarkose durchgeführt und dauert in der Regel 90 bis 150 Minuten, abhängig von der Erfahrung des Zentrums und den anatomischen Gegebenheiten. Zunächst wird der Magen mit einem Klammernahtgerät in einen kleinen Pouch und einen ausgeschalteten Restmagen geteilt. Anschließend wird ein Abschnitt des Dünndarms (Roux-Schenkel) hochgezogen und mit dem Magenpouch verbunden (Gastrojejunostomie). Der ausgeschaltete Magenanteil bleibt im Körper und wird über eine zweite Darmverbindung (Jejunojejunostomie) wieder an den Verdauungsweg angeschlossen, sodass Gallenflüssigkeit und Pankreassekret weiterhin in den Darm gelangen.
Die stationäre Aufenthaltsdauer beträgt in spezialisierten Zentren in Deutschland typischerweise 3 bis 5 Tage.[1][5] In den ersten Tagen nach dem Eingriff wird ausschließlich flüssige Kost toleriert; die schrittweise Kostaufbau-Phase erstreckt sich über mehrere Wochen. Bereits im Krankenhaus beginnt die Physiotherapie, um das Thromboserisiko zu senken. Eine medikamentöse Thromboseprophylaxe (in der Regel niedermolekulares Heparin) sowie eine Prophylaxe mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) in der frühen postoperativen Phase sind klinischer Standard gemäß der AWMF-S3-Leitlinie.
Die Nachsorge ist ein integraler Bestandteil des Behandlungskonzepts und nicht optional. Kontrolltermine finden üblicherweise nach 3, 6 und 12 Monaten sowie danach jährlich statt. Regelmäßige Laborkontrollen sind lebenslang erforderlich, da die Umgehung des Zwölffingerdarms die Resorption von Mikronährstoffen dauerhaft beeinträchtigt. Kontrolliert werden insbesondere Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Kalzium, Zink sowie Vitamin B1 (Thiamin), Vitamin A, Vitamin E, Vitamin K, Selen und Kupfer. Eine lebenslange Supplementierung dieser Nährstoffe ist obligatorisch. Zusätzlich wird eine tägliche Proteinzufuhr von mindestens 60 bis 80 g angestrebt, um Muskelmasse zu erhalten.[1] Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) empfiehlt die Behandlung in zertifizierten Kompetenzzentren für Adipositaschirurgie, um Qualitätsstandards und eine strukturierte Nachsorge sicherzustellen.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sind mit dem Magenbypass verbunden?
Häufige Langzeitnebenwirkungen sind Dumping-Syndrom, Mikronährstoffmangel und Marginalulzera; bei akuten Beschwerden wie starken Bauchschmerzen oder Fieber ist sofort der Notruf 112 zu kontaktieren.
Der Roux-en-Y-Magenbypass ist ein sicheres, aber nicht risikofreies Verfahren. Laut Daten des DGAV-Qualitätsregisters StuDoQ liegt die perioperative Mortalität in zertifizierten deutschen Zentren unter 0,3 Prozent.[5] Frühe Komplikationen umfassen Anastomosenleckagen (Undichtigkeiten an den Nähten), Nachblutungen, Thrombosen und Lungenembolien sowie Wundinfektionen. Anastomosenleckagen sind selten, können aber lebensbedrohlich sein und eine Reoperation erfordern.
Zu den häufigen Langzeitnebenwirkungen zählt das sogenannte Dumping-Syndrom: Frühes Dumping entsteht, wenn zuckerreiche oder fettige Speisen zu schnell in den Dünndarm gelangen und Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Übelkeit und Durchfall auslösen. Spätes Dumping (reaktive Hypoglykämie) kann Stunden nach dem Essen auftreten und äußert sich in Zittern, Schwindel und Konzentrationsschwäche. Beide Formen lassen sich durch angepasste Ernährungsgewohnheiten, insbesondere fraktionierte, eiweißreiche Mahlzeiten mit niedriger glykämischer Last sowie langsames Essen und Vermeidung von Zucker, meist gut kontrollieren. Bei anhaltendem Spätdumping kann in Absprache mit dem behandelnden Arzt eine medikamentöse Unterstützung, zum Beispiel mit Acarbose, erwogen werden.
Mangelsymptome durch verminderte Mikronährstoffresorption sind ohne konsequente Supplementierung häufig. Eisenmangel und Anämie, Vitamin-B12-Mangel mit neurologischen Folgen sowie Kalziummangel mit erhöhtem Osteoporoserisiko sind klinisch besonders relevant. Eine lebenslange Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist daher obligatorisch.
Weitere mögliche Langzeitprobleme sind Magengeschwüre an der Anastomose (Marginalulzera), innere Hernien durch Lücken im umgelagerten Darm sowie eine Gewichtszunahme nach initialem Erfolg. Das Risiko für Marginalulzera wird durch Rauchen, die Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAIDs) und systemischen Steroiden erhöht; diese sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Nach raschem Gewichtsverlust besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Gallensteine; eine vorübergehende Prophylaxe mit Ursodeoxycholsäure kann vom behandelnden Arzt erwogen werden. Durch veränderte Darmflora und Oxalatresorption steigt nach einem Roux-en-Y-Magenbypass auch das Risiko für Nierensteine (Hyperoxalurie); eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und kalziumreiche Ernährung können dem entgegenwirken.
Die Resorption oral eingenommener Arzneimittel, insbesondere von Retardpräparaten, kann nach dem Eingriff verändert sein. Patientinnen und Patienten sollten alle Medikamente mit dem behandelnden Arzt oder der Apotheke besprechen. Alkohol wird nach dem Eingriff deutlich schneller resorbiert und führt zu höheren Blutspiegeln als vor der Operation; das Risiko einer Alkoholabhängigkeit ist erhöht, weshalb ein sehr zurückhaltender Umgang mit Alkohol empfohlen wird.
Bei akuten Beschwerden wie starken Bauchschmerzen, anhaltendem Herzrasen, Fieber oder unstillbarem Erbrechen nach dem Eingriff ist umgehend der Notruf 112 zu kontaktieren. Für dringende, nicht lebensbedrohliche Fragen steht in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
Langzeitergebnisse: Was zeigt die aktuelle Studienlage?
Langzeitstudien zeigen eine mittlere Gewichtsreduktion von 25 bis 35 Prozent des Ausgangsgewichts sowie eine signifikante Senkung der Gesamtmortalität und kardiovaskulärer Ereignisse, wobei ein Teil der Patienten nach 5 bis 10 Jahren wieder zunimmt.
Langzeitstudien zeigen, dass der Roux-en-Y-Magenbypass zu einer mittleren Reduktion des Ausgangsgewichts von etwa 25 bis 35 Prozent führt, wobei die Ergebnisse nach 10 Jahren im Vergleich zu anderen bariatrischen Verfahren überwiegend stabil bleiben.[17][18] Die schwedische SOS-Studie (Swedish Obese Subjects, Sjöström et al.), eine der methodisch robustesten Langzeituntersuchungen mit über 20 Jahren Beobachtungszeitraum, belegte eine signifikante Reduktion der Gesamtmortalität, kardiovaskulärer Ereignisse und der Inzidenz von Typ-2-Diabetes im Vergleich zu konservativ behandelten Kontrollgruppen. Die SOS-Studie umfasste verschiedene bariatrische Verfahren; die Ergebnisse sind daher nicht unmittelbar auf den modernen laparoskopischen Roux-en-Y-Magenbypass allein übertragbar. Neuere Kohortenstudien und Metaanalysen, auf die sich auch die AWMF-S3-Leitlinie stützt, bestätigen und präzisieren diese Befunde für aktuelle Operationstechniken.
Besonders ausgeprägt sind die metabolischen Effekte: Bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes werden Remissionsraten von 50 bis 80 Prozent in den ersten Jahren nach dem Eingriff berichtet, wobei die Remission bei längerem Diabetesbestand und bereits eingeschränkter Betazellfunktion seltener dauerhaft anhält.[14][15]
Auch Bluthochdruck, Schlafapnoe und Fettstoffwechselstörungen bessern sich bei einem Großteil der Operierten deutlich. Die Lebensqualität verbessert sich laut mehreren prospektiven Studien signifikant, insbesondere hinsichtlich körperlicher Mobilität, psychischem Wohlbefinden und sozialer Teilhabe.
Langzeitdaten zeigen jedoch auch, dass ein Teil der Patientinnen und Patienten nach 5 bis 10 Jahren wieder an Gewicht zunimmt. Ursachen können sowohl anatomische Veränderungen (zum Beispiel Erweiterung des Pouches) als auch Verhaltens- und psychische Faktoren sein. Bei relevantem Gewichtswiederanstieg stehen in Deutschland Optionen wie intensivierte Ernährungstherapie, psychologische Begleitung sowie in ausgewählten Fällen endoskopische oder operative Revisionseingriffe zur Verfügung, die im Rahmen eines zertifizierten Zentrums besprochen werden sollten.
Die AWMF-S3-Leitlinie und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie betonen, dass der Operationserfolg maßgeblich von der Qualität der lebenslangen Nachsorge abhängt. Wer einen Roux-en-Y-Magenbypass erwägt, sollte die Entscheidung gemeinsam mit einem erfahrenen interdisziplinären Team in einem zertifizierten Zentrum treffen und sich über die langfristigen Verpflichtungen umfassend informieren. Der erste Schritt ist ein Gespräch mit dem Hausarzt.
Wissenschaftliche Quellen
- S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen (AWMF 088-001), Version 2020.
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas (AWMF 050-001).
- S3-Leitlinie Adipositas und Schwangerschaft (AWMF 015-081).
- Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (NVL-001).
- Stroh C et al. Qualitätsindikatoren für die metabolische und bariatrische Chirurgie in Deutschland. Der Chirurg. 2018..
- Sjöström L et al. Bariatric surgery and long-term cardiovascular events. JAMA. 2012..
- Sjöström L et al. Bariatric surgery and reduction in morbidity and mortality. Lancet. 2009..
- Sjöström L et al. Swedish Obese Subjects (SOS) study – a prospective controlled intervention study of bariatric surgery. 2013..
- Global Technical Variations in Roux-en-Y Gastric Bypass: A Worldwide Survey Among IFSO Members. Obesity Surgery. 2025..
- The impact of gastric pouch size on short-term weight outcomes of Roux-en-Y gastric bypass. Annals of Medicine and Surgery. 2022..
- Digestive Hormones and Their Impact on Bariatric and Pharmacologic Weight-Loss Therapies. Endocrine Reviews. 2025..
- Magnitude and durability of hormonal adaptations after bariatric surgery: a dose response meta-analysis. Surgery for Obesity and Related Diseases. 2025..
- Hormone PYY does not Explain the Variability in Weight Loss After Roux-en-Y Gastric Bypass. Obesity Surgery. 2025..
- Diabetes remission 10 years after bariatric surgery: Extension study of a randomized controlled trial. Clinical Nutrition. 2025..
- Long-Term Effects of Bariatric Surgery on Type 2 Diabetes: Mechanisms, Outcomes, and Clinical Implications. Journal of Visualized Experiments. 2025..
- Metabolic and bariatric surgery in adults with obesity and diabetes mellitus: a network meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2025..
- Ten-Year Follow-Up for Sleeve Gastrectomy Versus Roux-en-Y Gastric Bypass: A Systematic Review and Meta-Analysis. Obesity Surgery. 2025..
- Efficacy and Safety of One Anastomosis Gastric Bypass Versus Roux-en-Y Gastric Bypass for Obesity: a Meta-analysis and Systematic Review. Obesity Surgery. 2023..
- Impact of Surgery-to-Conception Interval on Maternal and Perinatal Outcomes Following Laparoscopic Sleeve Gastrectomy. Obesity Surgery. 2025..
- A systematic review on clinical practice guidelines for managing pregnancy following metabolic-bariatric surgery. Obesity (Silver Spring). 2024..
- Metabolic and Bariatric Surgery for Treatment of Obesity and Related Diseases. Surgical Clinics of North America. 2025..
Häufig gestellte Fragen
Wie lange hält der Gewichtsverlust nach einem Roux-en-Y-Magenbypass an?
Langzeitstudien zeigen, dass die Gewichtsreduktion nach einem Roux-en-Y-Magenbypass nach 10 Jahren überwiegend stabil bleibt, jedoch nimmt ein Teil der Patienten nach 5 bis 10 Jahren wieder an Gewicht zu. Eine strukturierte Nachsorge und Verhaltensanpassung sind entscheidend für den dauerhaften Erfolg.
Übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für einen Magenbypass?
Die GKV kann die Kosten übernehmen, erfordert jedoch einen schriftlichen Antrag mit ärztlicher Begründung, der vom Medizinischen Dienst geprüft wird. Eine automatische Kostenübernahme ist nicht garantiert; bei Ablehnung besteht die Möglichkeit des Widerspruchs.
Welche Nahrungsergänzungsmittel muss ich nach einem Roux-en-Y-Magenbypass lebenslang einnehmen?
Nach einem Roux-en-Y-Magenbypass ist die lebenslange Supplementierung von Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Kalzium, Zink, Thiamin, Vitamin A, Vitamin E, Vitamin K, Selen und Kupfer obligatorisch. Regelmäßige Laborkontrollen sind notwendig, um Mangelzustände frühzeitig zu erkennen.
Die medizinischen Informationen auf dieser Seite beruhen auf anerkannten, evidenzbasierten Quellen und werden regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information.
HaftungsausschlussDiese Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden oder Fragen an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder Ihre Apotheke. Diese Seite ist eine Information und kein Angebot: ob eine Behandlung geeignet ist, wird in einer medizinischen Konsultation beurteilt.




