Schlauchmagen-OP: Ablauf, Risiken und Nachsorge
Die Schlauchmagen-OP, medizinisch als Sleeve-Gastrektomie bezeichnet, ist in Deutschland eines der am häufigsten durchgeführten bariatrischen Verfahren. Dabei werden etwa 75 bis 80 Prozent des Magens entfernt, sodass ein schlauchförmiger Restmagen verbleibt. Der Eingriff wirkt nicht nur mechanisch, sondern auch hormonell, indem er die Produktion des Hungerhormons Ghrelin deutlich reduziert. Dieser Artikel erklärt, wie die Operation funktioniert, für wen sie geeignet ist, welche Risiken bestehen und was die Nachsorge umfasst.
Zusammenfassung: Die Schlauchmagen-OP ist ein bariatrischer Eingriff, bei dem etwa 75 bis 80 Prozent des Magens entfernt werden, um Gewichtsverlust durch mechanische und hormonelle Effekte zu erzielen.
- Bei der Sleeve-Gastrektomie wird der Magen auf einen schlauchförmigen Restmagen von etwa 100 bis 150 ml verkleinert.
- Der Eingriff reduziert die Produktion des Hungerhormons Ghrelin und wirkt damit auch hormonell auf das Sättigungsgefühl.
- Indikation besteht laut AWMF-S3-Leitlinie ab einem BMI von 40 kg/m² oder ab 35 kg/m² bei schwerwiegenden Begleiterkrankungen.
- Die schwerwiegendste Frühkomplikation ist eine Nahtleckage, die in deutschen Registerdaten mit etwa 1 bis 3 Prozent angegeben wird.
- Dauerhafter Vitaminmangel, insbesondere Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium und Eisen, erfordert eine lebenslange Supplementierung.
- Der Eingriff ist irreversibel; eine lebenslange Nachsorge inklusive Laborkontrollen und Ernährungsberatung ist medizinisch unerlässlich.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Schlauchmagen-OP und wie funktioniert der Eingriff?
- Für wen kommt eine Schlauchmagen-Operation in Frage?
- Wie läuft die Vorbereitung und der Krankenhausaufenthalt ab?
- Welche Risiken und Nebenwirkungen sind mit dem Eingriff verbunden?
- Langzeitergebnisse und Nachsorge nach der Schlauchmagen-OP
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Schlauchmagen-OP und wie funktioniert der Eingriff?
Bei der Schlauchmagen-OP werden etwa 75 bis 80 Prozent des Magens laparoskopisch entfernt, wodurch ein schlauchförmiger Restmagen verbleibt und die Ghrelinproduktion dauerhaft reduziert wird. Der Eingriff ist irreversibel.
Bei der Schlauchmagen-Operation (Sleeve-Gastrektomie) wird typischerweise etwa 75 bis 80 Prozent des Magens chirurgisch entfernt, sodass ein schlauchförmiger Restmagen verbleibt.[1] Das verbleibende Volumen variiert je nach Operationstechnik und verwendeter Bougiegröße und liegt in der Regel im Bereich von etwa 100 bis 150 ml; diese Angaben sind daher als typische Richtwerte zu verstehen, nicht als feste Maße.[11] Der Eingriff gehört zu den bariatrischen Operationen und wird in Deutschland überwiegend laparoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt, was kleinere Schnitte, weniger Blutverlust und eine kürzere Erholungszeit im Vergleich zur offenen Chirurgie bedeutet.
Der Wirkmechanismus ist mehrschichtig: Zum einen wird die Nahrungsaufnahme mechanisch begrenzt, da der verkleinerte Magen deutlich schneller ein Sättigungsgefühl erzeugt. Zum anderen wird durch die Entfernung des Magenfundus die Produktion des Hungerhormons Ghrelin erheblich reduziert, was das Hungergefühl langfristig dämpft.[3] Darüber hinaus treten weitere hormonelle Veränderungen auf, die den Stoffwechsel beeinflussen; die genauen Mechanismen sind Gegenstand laufender Forschung. Dieser hormonelle Effekt unterscheidet die Schlauchmagen-OP von rein restriktiven Verfahren wie dem Magenband.
Der Eingriff dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten und erfolgt unter Vollnarkose. Der Chirurg entfernt den größten Teil des Magens entlang einer Klammernahtlinie und lässt einen schmalen Schlauch stehen, der den Mageneingang mit dem Magenausgang verbindet. Die Darmpassage bleibt dabei unverändert, was den Eingriff von einem Magenbypass unterscheidet, bei dem zusätzlich der Dünndarm umgeleitet wird.
Wichtig zu wissen: Die Schlauchmagen-OP ist ein irreversibler Eingriff. Der entfernte Magenanteil kann nicht wiederhergestellt werden. Diese Tatsache ist ein wesentlicher Bestandteil der ärztlichen Aufklärung und sollte bei der persönlichen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.
Die Schlauchmagen-OP ist in Deutschland ein etabliertes Standardverfahren in der bariatrischen Chirurgie und wird in spezialisierten Zentren durchgeführt, die von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifiziert sind.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Eingriff und Technik | Laparoskopische Sleeve-Gastrektomie; ca. 75 bis 80 Prozent des Magens werden entfernt; Restvolumen ca. 100 bis 150 ml; Dauer 60 bis 90 Minuten unter Vollnarkose |
| Indikation laut AWMF-S3-Leitlinie | BMI ab 40 kg/m²; oder BMI ab 35 kg/m² mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen (Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe); Einzelfall ab BMI 30 bei therapierefraktärem Diabetes |
| Absolute Gegenanzeigen | Schwangerschaft, aktive Substanzabhängigkeit, schwere psychiatrische Erkrankung mit fehlender Nachsorgefähigkeit, unvertretbar hohes Operationsrisiko durch Gerinnungsstörungen |
| Frühe Komplikationen | Nahtleckage (ca. 1 bis 3 Prozent), Nachblutung, Thrombose, Lungenembolie, Wundinfektion; 30-Tage-Mortalität unter 0,1 Prozent in zertifizierten Zentren (DGAV StuDoQ) |
| Langzeitrisiken | GERD-Verstärkung, Gallensteine, Vitaminmangel (B12, D, Kalzium, Eisen, Folsäure), Proteinmangel, Dumping, Haarverlust, Stenosen, Gewichtswiederanstieg |
| Gewichtsverlust und Wirksamkeit | Durchschnittlich 50 bis 70 Prozent des überschüssigen Körpergewichts in 12 bis 18 Monaten; Verbesserung oder Remission von Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Schlafapnoe bei vielen Betroffenen |
| Nachsorge (lebenslang) | Laborkontrollen nach 3, 6, 9, 12 Monaten, danach jährlich; dauerhafte Supplementierung von Vitamin B12, D, Kalzium und Eisen; Ernährungsberatung; ggf. Knochendichtemessung (DEXA) |
Für wen kommt eine Schlauchmagen-Operation in Frage?
Die Operation ist laut AWMF-S3-Leitlinie indiziert ab einem BMI von 40 kg/m² oder ab 35 kg/m² bei schwerwiegenden Begleiterkrankungen, sofern konservative Maßnahmen dauerhaft erfolglos waren.
Eine Schlauchmagen-Operation kommt in Deutschland laut der AWMF-S3-Leitlinie zur Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen grundsätzlich für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 40 kg/m² in Betracht, oder ab einem BMI von 35 kg/m², wenn schwerwiegende Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder schwere Gelenkerkrankungen vorliegen. In Einzelfällen kann der Eingriff auch bei einem BMI zwischen 30 und 35 kg/m² erwogen werden, insbesondere bei Typ-2-Diabetes mit unzureichender Blutzuckereinstellung trotz optimaler konservativer Therapie.[1][2] Die Entscheidung in dieser Gruppe erfordert eine besonders sorgfältige Einzelfallabwägung im multidisziplinären Team.
Voraussetzung ist stets, dass konservative Maßnahmen, also eine strukturierte Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung, über einen ausreichend langen Zeitraum ohne dauerhaften Erfolg durchgeführt und dokumentiert wurden. Außerdem müssen Patientinnen und Patienten psychisch und körperlich in der Lage sein, die notwendigen Lebensstiländerungen nach dem Eingriff dauerhaft umzusetzen. Vor der Indikationsstellung sollten sekundäre und endokrine Ursachen der Adipositas (z. B. Hypothyreose, Cushing-Syndrom) ausgeschlossen werden. Auch ein Schlafapnoe-Screening gehört zur präoperativen Abklärung.
Alter und allgemeiner Gesundheitszustand spielen ebenfalls eine Rolle: Bei älteren Patientinnen und Patienten oder bei Hinweisen auf Gebrechlichkeit (Frailty) wird das individuelle Risiko-Nutzen-Verhältnis besonders sorgfältig bewertet.
Nicht oder nur eingeschränkt geeignet für eine Schlauchmagen-OP sind Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Die folgende Übersicht unterscheidet zwischen absoluten und relativen Gegenanzeigen:
Absolute Gegenanzeigen (in der Regel kein Eingriff möglich):
-
Schwangerschaft
-
Aktive Substanzabhängigkeit (Alkohol, Drogen)
-
Schwere psychiatrische Erkrankung, die eine Mitarbeit in der Nachsorge dauerhaft verhindert
-
Gerinnungsstörungen oder andere Erkrankungen, die das Operationsrisiko unvertretbar erhöhen
Relative Gegenanzeigen (Einzelfallentscheidung im multidisziplinären Team):
-
Aktive Magengeschwüre oder schwerer gastroösophagealer Reflux (GERD) bzw. Hiatushernie: Der Eingriff kann Refluxbeschwerden verstärken; in diesen Fällen wird häufig ein Magenbypass als geeigneteres Verfahren erwogen
-
Geplanter Kinderwunsch in naher Zukunft (Empfehlung: Schwangerschaft für mindestens 12 bis 18 Monate nach der OP vermeiden)[14][15]
-
Bestimmte Autoimmunerkrankungen, die die Wundheilung oder die Nachsorge beeinträchtigen können
Die Indikationsstellung erfolgt immer im Rahmen eines multidisziplinären Teams, bestehend aus Chirurgen, Internisten, Ernährungsberatern und Psychologen. Eine sorgfältige Voruntersuchung und Aufklärung sind gesetzlich vorgeschrieben und medizinisch unerlässlich.
Wie läuft die Vorbereitung und der Krankenhausaufenthalt ab?
Die Vorbereitung umfasst internistische, psychologische und ernährungsmedizinische Untersuchungen über mehrere Monate; der stationäre Aufenthalt beträgt bei unkompliziertem Verlauf zwei bis vier Tage.
Die Vorbereitung auf eine Schlauchmagen-OP beginnt in Deutschland in der Regel mehrere Monate vor dem geplanten Eingriff und umfasst eine umfassende medizinische, ernährungsmedizinische und psychologische Evaluation. Ziel ist es, den Gesundheitszustand zu optimieren, Risiken zu minimieren und sicherzustellen, dass die Betroffenen die Anforderungen der Nachsorge verstehen und erfüllen können.
Zu den typischen Vorbereitungsschritten gehören:
-
Internistische und kardiologische Untersuchungen (EKG, Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Schilddrüsenwerte und ggf. weitere endokrine Diagnostik zum Ausschluss sekundärer Adipositasursachen)
-
Schlafapnoe-Screening (z. B. Polygraphie), da eine obstruktive Schlafapnoe das perioperative Risiko erhöht und vor dem Eingriff behandelt werden sollte
-
Magenspiegelung (Ösophagogastroduodenoskopie) zum Ausschluss von Magengeschwüren, Helicobacter-pylori-Infektionen und Hiatushernien
-
Ernährungsberatung und Einleitung einer kalorienreduzierten Vorbereitungsdiät, die in den letzten zwei bis vier Wochen vor der OP die Leber verkleinert und so die Operation erleichtert
-
Psychologisches Gespräch zur Beurteilung der Motivation und psychischen Stabilität
-
Anästhesiologisches Vorgespräch
-
Rauchstopp: Rauchen erhöht das Risiko für Nahtleckagen und Wundheilungsstörungen; ein Rauchstopp mindestens einige Wochen vor dem Eingriff wird dringend empfohlen[1]
Der stationäre Aufenthalt dauert bei unkompliziertem Verlauf in der Regel zwei bis vier Tage. Am Operationstag erfolgt die laparoskopische Sleeve-Gastrektomie unter Vollnarkose. Noch am selben Tag oder am Folgetag werden die Patientinnen und Patienten zur Mobilisation aufgefordert, was das Thromboserisiko senkt.
Die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist in Deutschland an strenge Voraussetzungen geknüpft. In der Regel ist ein formeller Antrag bei der Krankenkasse erforderlich, der anschließend vom Medizinischen Dienst (MD) begutachtet wird. Der MD prüft dabei insbesondere, ob die Indikationskriterien erfüllt sind und ob ein strukturiertes konservatives Behandlungsprogramm über einen ausreichenden Zeitraum dokumentiert und durchgeführt wurde. Privat Versicherte sollten die Bedingungen ihres Vertrags vorab klären. Wer Fragen zur Kostenübernahme hat, sollte zunächst den Hausarzt oder das behandelnde bariatrische Zentrum kontaktieren.
Welche Risiken und Nebenwirkungen sind mit dem Eingriff verbunden?
Die schwerwiegendste Frühkomplikation ist eine Nahtleckage mit einer Rate von etwa 1 bis 3 Prozent; langfristig drohen Vitaminmangel, Reflux und Gewichtswiederanstieg.
Die Schlauchmagen-OP ist ein sicheres, aber nicht risikofreies chirurgisches Verfahren, und Betroffene sollten vor der Entscheidung über alle möglichen Komplikationen umfassend aufgeklärt werden. Die 30-Tage-Mortalität liegt in zertifizierten Zentren laut Daten des DGAV-Registers StuDoQ|Bariatric bei unter 0,1 Prozent, ist jedoch nicht null.[16]
Frühe Komplikationen (innerhalb der ersten Wochen) umfassen:
-
Nahtleckage (Leck an der Klammernahtlinie): Die schwerwiegendste Komplikation; die Häufigkeit wird in deutschen Registerdaten und der AWMF-S3-Leitlinie mit etwa 1 bis 3 Prozent angegeben und erfordert sofortige Behandlung[1][12]
-
Nachblutungen aus der Klammernahtlinie oder Blutgefäßen
-
Thrombosen und Lungenembolie, weshalb eine konsequente Thromboseprophylaxe erfolgt
-
Infektionen im Bauchraum oder an den Wundstellen
Langfristige Nebenwirkungen und Risiken können sein:
-
Gastroösophagealer Reflux (GERD): Häufige Folge, die bei vorbestehendem Reflux durch den Eingriff verstärkt werden kann
-
Gallensteine: Rascher Gewichtsverlust erhöht das Risiko für die Neubildung von Gallensteinen; in manchen Zentren wird vorübergehend Ursodeoxycholsäure zur Prophylaxe eingesetzt[7][8]
-
Vitaminmangel: Insbesondere Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium, Eisen und Folsäure müssen dauerhaft substituiert werden; eine standardisierte Supplementierung (z.[9][10] B. Multivitaminpräparat mit Eisen, separates Vitamin D und Kalzium, ggf. Vitamin B12 parenteral) sollte leitliniengerecht erfolgen
-
Proteinmangelernährung: Eine ausreichende Proteinzufuhr ist nach dem Eingriff besonders wichtig und sollte ernährungsmedizinisch begleitet werden
-
Dumping-Symptomatik: Seltener als beim Magenbypass, aber möglich; Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen nach dem Essen können auftreten
-
Haarverlust: Vorübergehender Haarverlust in den ersten Monaten nach der OP ist häufig und in der Regel reversibel
-
Gewichtswiederanstieg nach einigen Jahren, wenn die Ernährungsumstellung nicht konsequent beibehalten wird
-
Stenosen (Verengungen) des Schlauchmagens, die endoskopisch oder operativ behandelt werden müssen
-
Narbenhernien an den Trokar-Einstichstellen
Bei akuten Beschwerden nach der Operation, wie starken Bauchschmerzen, Fieber oder anhaltendem Erbrechen, ist umgehend der Notruf 112 zu kontaktieren. Bei weniger dringenden Fragen oder Beschwerden steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung; ansonsten ist das behandelnde bariatrische Zentrum oder der Hausarzt die richtige Anlaufstelle. Vermutete Vorkommnisse im Zusammenhang mit einem Medizinprodukt (z. B. chirurgisches Instrument oder Implantat) können in Deutschland dem BfArM gemeldet werden.
Langzeitergebnisse und Nachsorge nach der Schlauchmagen-OP
Patientinnen und Patienten verlieren im Durchschnitt 50 bis 70 Prozent ihres überschüssigen Körpergewichts; eine lebenslange Nachsorge mit Laborkontrollen und Vitaminsupplementierung ist zwingend erforderlich.
Studien und Registerdaten, darunter Daten des DGAV-Registers StuDoQ|Bariatric sowie Auswertungen im Rahmen der AWMF-S3-Leitlinie, zeigen, dass Patientinnen und Patienten nach einer Schlauchmagen-OP im Durchschnitt etwa 50 bis 70 Prozent ihres überschüssigen Körpergewichts innerhalb der ersten 12 bis 18 Monate verlieren.[1] Die individuellen Ergebnisse variieren erheblich und hängen wesentlich von der konsequenten Umsetzung der Lebensstiländerungen ab. Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Schlafapnoe verbessern sich bei vielen Betroffenen deutlich oder remittieren vollständig.
Die Nachsorge ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Behandlungskonzepts und sollte lebenslang fortgeführt werden. Sie umfasst:
-
Regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung von Vitaminspiegeln, Blutbild und Stoffwechselwerten: im ersten Jahr empfehlen sich Kontrollen nach etwa 3, 6, 9 und 12 Monaten, danach mindestens einmal jährlich[1]
-
Dauerhafte Supplementierung von Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium und Eisen, entsprechend den leitliniengerechten Empfehlungen
-
Knochengesundheit: Aufgrund des veränderten Kalzium- und Vitamin-D-Stoffwechsels sollte bei entsprechendem Risikoprofil eine Knochendichtemessung (DEXA) erwogen werden
-
Ernährungsberatung zur Anpassung der Essgewohnheiten an den verkleinerten Magen sowie zur Sicherstellung einer ausreichenden Protein- und Flüssigkeitszufuhr
-
Bewegungstraining: Ein strukturiertes Bewegungsprogramm unterstützt den Gewichtsverlust und den Erhalt der Muskelmasse
-
Alkoholvorsicht: Nach bariatrischen Eingriffen kann Alkohol schneller und stärker wirken; das Risiko einer Alkoholabhängigkeit ist erhöht und sollte in der Nachsorge thematisiert werden[4][5]
-
Psychologische Begleitung, da Essstörungen oder psychische Belastungen nach dem Eingriff auftreten können
-
Regelmäßige Vorstellung im bariatrischen Zentrum, in der Regel nach 3, 6, 9 und 12 Monaten im ersten Jahr, danach jährlich
Familienplanung: Nach der Operation wird empfohlen, eine Schwangerschaft für mindestens 12 bis 18 Monate zu vermeiden, da der rasche Gewichtsverlust und mögliche Nährstoffmängel in dieser Phase ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind darstellen können.[14][15] Frauen mit Kinderwunsch sollten dies frühzeitig mit dem behandelnden Team besprechen und während der Nachsorge eine geeignete Verhütungsmethode anwenden.
Ein Gewichtswiederanstieg nach einigen Jahren ist möglich und kein Versagen, sondern ein bekanntes Phänomen, das frühzeitig mit dem behandelnden Team besprochen werden sollte. In manchen Fällen kann eine Konversionsoperation zum Magenbypass erwogen werden.
In Deutschland übernimmt die GKV die Kosten der Nachsorge in der Regel, sofern der Eingriff selbst genehmigt wurde. Betroffene sollten ihren Hausarzt als erste Anlaufstelle für die langfristige Begleitung einbeziehen und bei Auffälligkeiten nicht zögern, das bariatrische Zentrum direkt zu kontaktieren.
Wissenschaftliche Quellen
- S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen (AWMF-Register-Nr. 088-001).
- S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Adipositas (AWMF-Register-Nr. 050-001).
- Plasma ghrelin modulation in gastric band operation and sleeve gastrectomy.
- Alcohol use disorders and related morbidity and mortality after sleeve gastrectomy and Roux-en-Y gastric bypass: a nation-wide registry study (the BAR-REGISTER).
- Ethanol pharmacokinetics before and after sleeve gastrectomy and Roux-en-Y gastric bypass: a 3 year prospective study (the BAR-TRIAL).
- Rates of de novo alcohol use disorder and de novo high-risk alcohol use after bariatric surgery: a systematic review and meta-analysis.
- Efficacy of prophylactic ursodeoxycholic acid in preventing gallstone formation after metabolic bariatric surgery: an updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.
- Prevention of Gallstones After Bariatric Surgery using Ursodeoxycholic Acid: A Narrative Review of Literatures.
- Pragmatic strategy for vitamin and micronutrient supplementation after metabolic and bariatric surgery.
- The Nutritional Challenges Following Revisional Bariatric Surgery After Sleeve Gastrectomy: A Systematic Review and Meta Analysis.
- Comparison of Weight Loss in Sleeve Gastrectomy Patients With and Without Antrectomy: a Prospective Randomized Study.
- Comparison of the postoperative outcome with and without intraoperative leak testing for sleeve gastrectomy: a systematic review and meta-analysis of 469 588 cases.
- The efficacy of staple line reinforcement during laparoscopic sleeve gastrectomy: A meta-analysis of randomized controlled trials.
- Impact of Surgery-to-Conception Interval on Maternal and Perinatal Outcomes Following Laparoscopic Sleeve Gastrectomy: A Retrospective Cohort Study.
- Pregnancy after bariatric surgery: persistent obesity and longer time to conception influences peripartum outcomes more than the type of operation.
- Propensity Score-Matching Sleeve Gastrectomy (SG) vs. Gastric Bypass (RYGB) in Patients ≥ 60 Years.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Schlauchmagen-OP reversibel?
Nein, die Schlauchmagen-OP ist ein irreversibler Eingriff. Der entfernte Magenanteil kann nicht wiederhergestellt werden, weshalb die Entscheidung sorgfältig und nach umfassender ärztlicher Aufklärung getroffen werden sollte.
Übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten der Schlauchmagen-OP?
Die GKV kann die Kosten übernehmen, wenn die Indikationskriterien erfüllt sind und ein strukturiertes konservatives Behandlungsprogramm dokumentiert wurde. Ein formeller Antrag wird vom Medizinischen Dienst geprüft; der Hausarzt oder das bariatrische Zentrum unterstützt bei der Antragstellung.
Welche Vitamine müssen nach einer Schlauchmagen-OP dauerhaft eingenommen werden?
Nach der Schlauchmagen-OP müssen dauerhaft Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium, Eisen und Folsäure substituiert werden. Regelmäßige Laborkontrollen, mindestens einmal jährlich, sind notwendig, um Mangelzustände frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Die medizinischen Informationen auf dieser Seite beruhen auf anerkannten, evidenzbasierten Quellen und werden regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information.
HaftungsausschlussDiese Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden oder Fragen an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder Ihre Apotheke. Diese Seite ist eine Information und kein Angebot: ob eine Behandlung geeignet ist, wird in einer medizinischen Konsultation beurteilt.




