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Schwanger mit Übergewicht: Risiken und Tipps

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
10.10.2026
Zuletzt aktualisiert

Schwanger mit Übergewicht: Viele Frauen stellen sich diese Frage und möchten wissen, was das für ihre Gesundheit und die ihres Kindes bedeutet. Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft erhöhen bestimmte Risiken, lassen sich aber durch engmaschige medizinische Begleitung, eine ausgewogene Ernährung und moderate Bewegung gut managen. Dieser Artikel erklärt, welche Komplikationen auftreten können, wie viel Gewichtszunahme empfohlen wird, was bei Ernährung und Sport zu beachten ist und worauf es bei Geburt und Wochenbett ankommt.

Zusammenfassung: Schwanger mit Übergewicht ist mit erhöhten Risiken verbunden, die durch engmaschige ärztliche Begleitung, angepasste Ernährung und moderate Bewegung deutlich reduziert werden können.

  • Ein BMI ab 30 vor der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Gestationsdiabetes, Präeklampsie, Thrombosen und Kaiserschnitt.
  • Bei Adipositas (BMI ab 30) wird eine Gesamtgewichtszunahme von 5 bis 9 Kilogramm empfohlen, bei Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) von 7 bis 11,5 Kilogramm.
  • Folsäure, Jod und Vitamin D sind wichtige Supplemente in der Schwangerschaft; Eisen nur bei nachgewiesenem Mangel.
  • Moderate Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen ist für die meisten übergewichtigen Schwangeren sicher und empfohlen.
  • Bei Adipositas permagna (BMI ab 40) empfehlen DGGG und AWMF die Geburt in einer Klinik mit entsprechender Infrastruktur.
  • Im Wochenbett ist das Thromboserisiko erhöht; die Indikation zur medikamentösen Prophylaxe wird individuell ärztlich gestellt.

Welche Risiken gibt es bei Übergewicht in der Schwangerschaft?

Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für Gestationsdiabetes, Präeklampsie, Thrombosen und Kaiserschnitt. Adipositas (BMI ab 30) wird im Mutterpass als Risikofaktor vermerkt und kann zur Einstufung als Risikoschwangerschaft führen.

Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für mehrere geburtshilfliche Komplikationen, darunter Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes), Präeklampsie und Frühgeburt. Diese Zusammenhänge sind durch zahlreiche Studien belegt und werden in den AWMF-Leitlinien sowie den Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ausdrücklich benannt.

Bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher vor der Schwangerschaft steigt das Risiko für einen Gestationsdiabetes deutlich an. In Deutschland ist daher ein standardisiertes GDM-Screening zwischen der 24. und 27+6. Schwangerschaftswoche (SSW) in den Mutterschafts-Richtlinien vorgesehen; bei bestehenden Risikofaktoren kann eine frühere Abklärung ärztlich erwogen werden. Unbehandelter Gestationsdiabetes kann zu einem übermäßigen Wachstum des Kindes (Makrosomie) führen und die Geburt erschweren. Das Risiko für einen Kaiserschnitt ist bei Adipositas erhöht, unter anderem durch Makrosomie, einen protrahierten Geburtsverlauf oder Wehenschwäche.

Bei erhöhtem Risiko für eine Präeklampsie kann gemäß der deutschen S2k/S3-Leitlinie zu hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen eine niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) als Prophylaxe in Betracht gezogen werden. Diese Entscheidung trifft ausschließlich die betreuende Ärztin oder der betreuende Arzt auf Basis einer individuellen Risikoabschätzung.

Auch das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien ist bei übergewichtigen Schwangeren erhöht, weshalb eine sorgfältige Risikoabschätzung durch die betreuende Gynäkologin oder den betreuenden Gynäkologen wichtig ist. Für das Kind besteht zudem ein leicht erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Neuralrohrs sowie für eine Totgeburt; die absoluten Risiken sind individuell sehr unterschiedlich.[1][2]

Zur Einstufung als Risikoschwangerschaft gilt in Deutschland: Adipositas (BMI ab 30) wird im Mutterpass häufig als Risikofaktor vermerkt und kann zur Einstufung als Risikoschwangerschaft führen.[4][5] Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) allein begründet diese Einstufung in der Regel nicht, kann aber in Kombination mit weiteren Faktoren relevant sein. Viele Risiken lassen sich durch eine engmaschige medizinische Begleitung, eine angepasste Ernährung und regelmäßige Bewegung deutlich reduzieren. Frauen mit einem BMI ab 30 sollten in Deutschland frühzeitig mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen über ein individuelles Betreuungskonzept sprechen.

Thema BMI 25 bis 29,9 (Übergewicht) BMI 30 bis 39,9 (Adipositas) BMI ab 40 (Adipositas permagna)
Empfohlene Gewichtszunahme 7 bis 11,5 kg (IOM, DGGG) 5 bis 9 kg (IOM, DGGG) 5 bis 9 kg, individuelle ärztliche Beurteilung erforderlich
Risikoschwangerschaft In der Regel nicht allein ausreichend, relevant in Kombination mit weiteren Faktoren Adipositas wird im Mutterpass als Risikofaktor vermerkt, Einstufung möglich Einstufung als Risikoschwangerschaft sehr wahrscheinlich
GDM-Screening Standardscreening 24. bis 27+6. SSW gemäß G-BA-Richtlinien Standardscreening 24. bis 27+6. SSW, früheres Screening ärztlich erwägbar Frühzeitiges Screening dringend empfohlen
Geburtsort Keine besondere Einschränkung bei fehlenden weiteren Risikofaktoren Klinik mit geeigneter Infrastruktur empfohlen Perinatalzentrum gemäß DGGG und AWMF empfohlen
Thromboseprophylaxe im Wochenbett Risikoadaptierte Beurteilung durch Ärztin oder Arzt Erhöhtes Risiko, medikamentöse Prophylaxe individuell ärztlich gestellt (AWMF-Leitlinie) Hohes Risiko, medikamentöse Prophylaxe in der Regel indiziert
Körperliche Aktivität Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche empfohlen Moderate Aktivität sicher und empfohlen, Rücksprache mit Gynäkologin oder Gynäkologen Individuelle ärztliche Abklärung vor Sportbeginn erforderlich
Wichtige Supplemente Folsäure ab 400 Mikrogramm täglich, Jod 100 bis 150 Mikrogramm täglich, Eisen nur bei Mangel, Vitamin D nach ärztlicher Abklärung (DGE, AWMF)

Wie viel Gewicht darf ich in der Schwangerschaft zunehmen?

Bei Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) werden 7 bis 11,5 Kilogramm empfohlen, bei Adipositas (BMI ab 30) nur 5 bis 9 Kilogramm. Eine Gewichtsabnahme während der Schwangerschaft wird grundsätzlich nicht empfohlen.

Die empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft hängt vom BMI vor der Schwangerschaft ab und ist bei Übergewicht geringer als bei Normalgewicht. Die in Deutschland gebräuchlichen Empfehlungen orientieren sich an den Vorgaben des Institute of Medicine (IOM), die auch von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) als Orientierungsrahmen herangezogen werden.

Für Frauen mit einem BMI von 25 bis 29,9 (Übergewicht) wird eine Gesamtzunahme von 7 bis 11,5 Kilogramm empfohlen. Bei einem BMI von 30 oder höher (Adipositas) liegt die Empfehlung bei 5 bis 9 Kilogramm. Diese Werte sind Richtwerte, keine starren Grenzen, und müssen immer im Kontext der individuellen Gesundheitssituation bewertet werden.

Eine zu geringe Gewichtszunahme kann das Wachstum des Kindes beeinträchtigen, während eine übermäßige Zunahme das Risiko für Gestationsdiabetes, Präeklampsie und einen Kaiserschnitt weiter erhöht. Deshalb ist eine regelmäßige Gewichtskontrolle im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll.

Eine Gewichtsabnahme während der Schwangerschaft wird grundsätzlich nicht empfohlen, auch nicht bei starkem Übergewicht, da der Körper und das wachsende Kind ausreichend Energie und Nährstoffe benötigen. Ziel ist eine kontrollierte, bedarfsgerechte Gewichtszunahme. Frauen, die unsicher sind, wie sie ihre Gewichtsentwicklung einschätzen sollen, können dies offen mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen besprechen.

Ernährung und Bewegung: Was ist in der Schwangerschaft sicher?

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Folsäure, Jod und Vitamin D sowie mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche sind sicher und empfohlen. Alkohol sollte vollständig gemieden, Koffein auf unter 200 Milligramm täglich begrenzt werden.

Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung und moderate körperliche Aktivität sind für übergewichtige Schwangere sicher und werden ausdrücklich empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie die AWMF-Leitlinien betonen, dass eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft keine Diät bedeutet, sondern eine bedarfsgerechte Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen.

Besonders wichtig sind:

  • Folsäure: Mindestens 400 Mikrogramm täglich, idealerweise bereits vor der Schwangerschaft, zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten.[1][4]

  • Jod: In Deutschland wird Schwangeren üblicherweise eine tägliche Supplementierung von 100 bis 150 Mikrogramm Jod empfohlen, sofern keine Schilddrüsenerkrankung vorliegt.[1] Die genaue Dosierung sollte ärztlich abgeklärt werden.

  • Eisen: Der Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft an. Eine Supplementierung wird in Deutschland jedoch nur bei nachgewiesenem Mangel oder einer Anämie empfohlen, nicht routinemäßig.[12] Die Entscheidung trifft die betreuende Ärztin oder der betreuende Arzt auf Basis von Laborwerten.

  • Vitamin D: Eine Supplementierung kann sinnvoll sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Alkohol sollte in der Schwangerschaft vollständig gemieden werden, da kein sicherer Grenzwert bekannt ist. Koffein sollte auf unter 200 Milligramm pro Tag begrenzt werden (entspricht etwa zwei Tassen Kaffee).[1] Kalorienreiche, nährstoffarme Lebensmittel sowie zuckergesüßte Getränke sollten reduziert werden, ohne dabei in eine restriktive Diät zu verfallen. Rohes Fleisch, roher Fisch, Rohmilchkäse und rohe Eier sind aus hygienischen Gründen zu meiden.

Bei der Bewegung gilt: Moderate Aktivitäten wie Spazierengehen, Schwimmen oder Schwangerschaftsgymnastik sind für die meisten übergewichtigen Schwangeren ohne Komplikationen sicher und fördern das Wohlbefinden. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, sofern keine ärztlichen Gegenanzeigen bestehen. Intensive Sportarten mit Sturzgefahr oder Kontaktsportarten sollten vermieden werden.

Sport sollte sofort unterbrochen werden und ärztliche Abklärung erfolgen, wenn Symptome wie vaginale Blutungen, Wehen, Fruchtwasserabgang, starker Schwindel oder Atemnot auftreten. In Deutschland erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117; bei einem Notfall wählen Sie 112.

Vor Beginn eines neuen Sportprogramms ist eine Rücksprache mit der betreuenden Gynäkologin oder dem betreuenden Gynäkologen empfehlenswert, insbesondere wenn Vorerkrankungen oder Komplikationen bestehen.

Geburt und Wochenbett bei Übergewicht: Was sollte ich wissen?

Bei Adipositas ist das Kaiserschnittrisiko erhöht; bei einem BMI ab 40 empfehlen DGGG und AWMF die Geburt in einer geeigneten Klinik. Im Wochenbett ist das Thromboserisiko erhöht und wird individuell ärztlich bewertet.

Bei Adipositas in der Schwangerschaft ist die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts erhöht, und die Geburtsplanung sollte individuell und frühzeitig mit dem betreuenden Team besprochen werden. Der geeignete Geburtsort richtet sich in Deutschland nach dem individuellen Risikoprofil: Bei Adipositas permagna (BMI ab 40) oder weiteren Begleiterkrankungen empfehlen DGGG und AWMF die Geburt in einer Klinik mit entsprechender Infrastruktur, gegebenenfalls einem Perinatalzentrum.[1][2] Bei Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) ohne weitere Risikofaktoren ist eine solche Einschränkung in der Regel nicht erforderlich. Eine vaginale Geburt ist bei Adipositas nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Während der Geburt kann die Überwachung des Kindes durch Ultraschall oder CTG technisch anspruchsvoller sein, da Fettgewebe die Signalqualität beeinflussen kann. Auch die Anlage einer Periduralanästhesie (PDA) kann bei starkem Übergewicht schwieriger sein, weshalb eine frühzeitige Besprechung mit der Anästhesie empfohlen wird.

Bei Adipositas ist zudem das Risiko einer postpartalen Hämorrhagie (starke Blutung nach der Geburt) erhöht, weshalb eine engmaschige Überwachung in der unmittelbaren Nachgeburtsphase sinnvoll ist.

Im Wochenbett ist das Thromboserisiko bei übergewichtigen Frauen erhöht, insbesondere nach einem Kaiserschnitt, bei Immobilität oder weiteren Risikofaktoren wie einem BMI ab 40. Gemäß der AWMF-Leitlinie zur Prophylaxe venöser Thromboembolien in Schwangerschaft und Wochenbett wird die Indikation zur medikamentösen Thromboseprophylaxe risikoadaptiert und individuell ärztlich gestellt.[10] Frühzeitiges Aufstehen und ausreichend Flüssigkeit sind ergänzende Maßnahmen. Die Wundheilung nach einem Kaiserschnitt kann bei Adipositas länger dauern und erfordert eine sorgfältige Nachsorge.

Stillwunsch und Stillen sind bei übergewichtigen Müttern grundsätzlich möglich und werden empfohlen, da Stillen sowohl für das Kind als auch für die Mutter gesundheitliche Vorteile hat. Manche Frauen berichten von anfänglichen Schwierigkeiten, die durch eine Stillberatung gut unterstützt werden können.

Bei Beschwerden wie starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, plötzlicher Schwellung oder Atemnot im Wochenbett sollte in Deutschland umgehend der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 kontaktiert werden. Bei einem akuten Notfall wählen Sie den Notruf 112. Die Nachsorge durch eine Hebamme und die Gynäkologin oder den Gynäkologen ist in dieser Phase besonders wertvoll.

Scientific References

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  13. .

Frequently Asked Questions

Ist eine normale Geburt bei Übergewicht möglich?

Eine vaginale Geburt ist bei Übergewicht und Adipositas nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Geburtsplanung sollte jedoch individuell und frühzeitig mit dem betreuenden medizinischen Team besprochen werden.

Wann werde ich bei Übergewicht als Risikoschwangere eingestuft?

Adipositas mit einem BMI ab 30 wird im Mutterpass häufig als Risikofaktor vermerkt und kann zur Einstufung als Risikoschwangerschaft führen. Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) allein begründet diese Einstufung in der Regel nicht, kann aber in Kombination mit weiteren Faktoren relevant sein.

Darf ich in der Schwangerschaft Sport machen, wenn ich übergewichtig bin?

Moderate Aktivitäten wie Spazierengehen, Schwimmen oder Schwangerschaftsgymnastik sind für die meisten übergewichtigen Schwangeren ohne Komplikationen sicher. Vor Beginn eines neuen Sportprogramms ist eine Rücksprache mit der betreuenden Gynäkologin oder dem betreuenden Gynäkologen empfehlenswert.


Redaktionelle Hinweise

Die medizinischen Informationen auf dieser Seite beruhen auf anerkannten, evidenzbasierten Quellen und werden regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information.

Haftungsausschluss

Diese Informationen ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden oder Fragen an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder Ihre Apotheke. Diese Seite ist eine Information und kein Angebot: ob eine Behandlung geeignet ist, wird in einer medizinischen Konsultation beurteilt.