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Adipositas Definition: BMI, Ursachen und Folgen

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
04.11.2026
Zuletzt aktualisiert
04.11.2026

Adipositas Definition: Als Adipositas bezeichnet die Medizin eine chronische Erkrankung, bei der übermäßig angesammeltes Fettgewebe die Gesundheit dauerhaft schädigt. Die WHO und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft setzen die Grenze bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² oder mehr. In Deutschland ist etwa jede vierte erwachsene Person betroffen. Adipositas ist keine Willensschwäche, sondern eine komplexe, multifaktorielle Erkrankung mit biologischen, genetischen, psychologischen und sozialen Ursachen. Dieser Artikel erklärt, wie Adipositas definiert, eingestuft und behandelt wird.

Zusammenfassung: Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die ab einem BMI von 30 kg/m² diagnostiziert wird und durch übermäßige Fettansammlung die Gesundheit dauerhaft beeinträchtigt.

  • Adipositas beginnt ab einem BMI von 30 kg/m²; Übergewicht (Präadipositas) liegt bei einem BMI von 25 bis 29,9 kg/m².
  • Die WHO teilt Adipositas in drei Schweregrade ein: Grad 1 (BMI 30 bis 34,9), Grad 2 (BMI 35 bis 39,9) und Grad 3 (BMI ab 40 kg/m²).
  • Neben dem BMI ist der Taillenumfang ein wichtiges Messinstrument: Bei Frauen gilt ab 88 cm, bei Männern ab 102 cm ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
  • Adipositas ist multifaktoriell bedingt: Genetik, Hormone, bestimmte Medikamente, psychosoziale Faktoren und Umgebungsbedingungen spielen alle eine Rolle.
  • Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettlebererkrankung, Schlafapnoe und Gelenkerkrankungen.
  • Erste Anlaufstelle bei Fragen zu Adipositas ist die Hausarztpraxis; bei Grad 2 oder höher mit Begleiterkrankungen kann ein spezialisiertes Adipositaszentrum empfohlen werden.

Was ist Adipositas - und ab wann spricht man von Fettleibigkeit?

Adipositas liegt ab einem BMI von 30 kg/m² vor und gilt als chronische, multifaktorielle Erkrankung. In Deutschland ist etwa jede vierte erwachsene Person betroffen.

Adipositas bezeichnet eine chronische Erkrankung, bei der sich im Körper so viel Fettgewebe ansammelt, dass die Gesundheit dauerhaft beeinträchtigt wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) definieren Adipositas anhand des Body-Mass-Index (BMI): Ab einem BMI von 30 kg/m² oder mehr gilt eine erwachsene Person als adipös. Die hier genannten BMI-Grenzwerte gelten ausschließlich für Erwachsene; für Kinder und Jugendliche werden alters- und geschlechtsspezifische Perzentile verwendet, und auch in der Schwangerschaft sowie bei sehr muskulösen Personen ist der BMI nur eingeschränkt aussagekräftig.

Die Begriffe „Adipositas“ und „Fettleibigkeit“ werden im medizinischen und allgemeinen Sprachgebrauch gleichbedeutend verwendet, wobei „Adipositas“ der klinisch bevorzugte Terminus ist.

Wichtig ist zu verstehen, dass Adipositas keine Frage mangelnder Disziplin ist, sondern eine komplexe, multifaktorielle Erkrankung mit biologischen, genetischen, psychologischen und sozialen Komponenten. Die Erkrankung ist in Deutschland weit verbreitet: Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) erfüllt etwa jede vierte erwachsene Person in Deutschland die Kriterien für Adipositas.

Von Übergewicht (Präadipositas) spricht man bereits ab einem BMI von 25 bis 29,9 kg/m².[1] Dieser Bereich erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen, gilt aber noch nicht als Adipositas. Die Übergänge sind fließend, und der BMI allein reicht für eine vollständige medizinische Beurteilung nicht aus. Entscheidend ist stets die individuelle Gesamtbetrachtung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

Klassifikation BMI-Bereich (kg/m²) Gesundheitliches Risiko Taillenumfang: erhöhtes Risiko Taillenumfang: deutlich erhöhtes Risiko
Übergewicht (Präadipositas) 25 bis 29,9 Erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen, gilt noch nicht als Adipositas Frauen ab 80 cm, Männer ab 94 cm Frauen ab 88 cm, Männer ab 102 cm
Adipositas Grad 1 30 bis 34,9 Deutlich erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen u. a. Frauen ab 80 cm, Männer ab 94 cm Frauen ab 88 cm, Männer ab 102 cm
Adipositas Grad 2 35 bis 39,9 Stark erhöhtes Risiko; Überweisung an Adipositaszentrum kann sinnvoll sein Frauen ab 80 cm, Männer ab 94 cm Frauen ab 88 cm, Männer ab 102 cm
Adipositas Grad 3 (schwere Adipositas) Ab 40 Sehr stark erhöhtes Risiko; interdisziplinäre Betreuung empfohlen Frauen ab 80 cm, Männer ab 94 cm Frauen ab 88 cm, Männer ab 102 cm

Wie wird Adipositas medizinisch eingestuft und gemessen?

Adipositas wird in drei WHO-Schweregrade eingeteilt: Grad 1 (BMI 30 bis 34,9), Grad 2 (BMI 35 bis 39,9) und Grad 3 (BMI ab 40 kg/m²). Ergänzend wird der Taillenumfang gemessen.

Adipositas wird in Deutschland nach den Kriterien der WHO in drei Schweregrade eingeteilt, die sich am BMI orientieren. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern (kg/m²):

  • Adipositas Grad 1: BMI 30 bis 34,9 kg/m²

  • Adipositas Grad 2: BMI 35 bis 39,9 kg/m²

  • Adipositas Grad 3 (schwere Adipositas): BMI ab 40 kg/m²

Obwohl der BMI ein praktisches Screening-Instrument ist, hat er Grenzen: Er unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse und berücksichtigt nicht die Fettverteilung im Körper. Deshalb wird in der klinischen Praxis ergänzend der Taillenumfang gemessen. Gemessen wird in der Regel in der Mitte zwischen dem untersten Rippenbogen und dem Beckenkamm, bei normaler Ausatmung. Laut AWMF-S3-Leitlinie zur Adipositas gelten für Erwachsene europäischer Herkunft folgende Grenzwerte:

  • Frauen: ab 80 cm erhöhtes Risiko, ab 88 cm deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

  • Männer: ab 94 cm erhöhtes Risiko, ab 102 cm deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Diese Grenzwerte können je nach ethnischer Zugehörigkeit und Körperstatur variieren; die Einordnung sollte daher immer im ärztlichen Gespräch erfolgen.

Weitere diagnostische Methoden umfassen die Messung des Taille-Hüft-Verhältnisses sowie in spezialisierten Einrichtungen die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) oder bildgebende Verfahren zur Bestimmung des Körperfettanteils. Die vollständige medizinische Einschätzung beinhaltet außerdem eine Basisdiagnostik gemäß AWMF-S3-Leitlinie, darunter Blutdruckmessung, Nüchternblutzucker (in mg/dL) oder HbA1c, Lipidprofil, TSH und Leberwerte sowie die Erhebung von Begleiterkrankungen.[1] Bei Adipositas Grad 2 oder höher mit Begleiterkrankungen kann in Deutschland eine Überweisung an ein spezialisiertes Adipositaszentrum sinnvoll sein. Die Diagnose und Einstufung sollte stets durch eine Hausärztin oder einen Hausarzt erfolgen.

Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen Adipositas?

Adipositas entsteht durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, hormonellen Störungen, bestimmten Medikamenten, psychosozialen Faktoren und einem bewegungsarmen Umfeld.

Adipositas entsteht durch ein langfristiges Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch, wobei jedoch zahlreiche biologische, genetische und soziale Faktoren dieses Gleichgewicht beeinflussen. Eine vereinfachte Erklärung durch „zu viel essen, zu wenig bewegen“ wird der Komplexität der Erkrankung nicht gerecht.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Genetische Veranlagung: Studien zeigen, dass genetische Faktoren die Regulation von Hunger, Sättigung und Stoffwechsel erheblich beeinflussen. Kinder adipöser Eltern haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko.

  • Hormonelle und metabolische Ursachen: Erkrankungen wie Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), das Cushing-Syndrom oder das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) können zur Gewichtszunahme beitragen. Solche endokrinen Ursachen sind insgesamt selten; eine gezielte Abklärung wird in Deutschland leitliniengemäß nur bei entsprechendem klinischen Verdacht empfohlen.

  • Medikamente: Bestimmte Arzneimittel können das Körpergewicht erhöhen. Dazu gehören unter anderem einige Antidepressiva, Kortikosteroide, Antipsychotika, bestimmte Antiepileptika sowie aus der Gruppe der Antidiabetika insbesondere Insulin, Sulfonylharnstoffe und Thiazolidindione. Andere Antidiabetika wie GLP-1-Rezeptoragonisten oder SGLT2-Hemmer sind hingegen mit einer Gewichtsabnahme assoziiert.[10] Welche Arzneimittel im Einzelfall infrage kommen, sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

  • Psychosoziale Faktoren: Stress, Schlafmangel, Depression und emotionales Essverhalten spielen eine nachgewiesene Rolle.

  • Lebensphasen und -ereignisse: Schwangerschaft, Menopause und ein Rauchstopp können das Körpergewicht beeinflussen und sind in Deutschland relevante Einflussgrößen.

  • Umgebungsfaktoren: Leicht verfügbare, energiedichte Lebensmittel, sitzende Tätigkeiten und ein bewegungsarmer Alltag fördern die Entstehung von Adipositas.

  • Sozioökonomischer Status: Niedrigere Bildungs- und Einkommensniveaus sind in Deutschland statistisch mit höheren Adipositasraten assoziiert.[13][14]

Die AWMF-S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas betont ausdrücklich, dass die Erkrankung als chronisch und multifaktoriell zu verstehen ist. Eine ärztliche Abklärung möglicher Grunderkrankungen ist daher ein wichtiger erster Schritt.

Welche gesundheitlichen Folgen kann starkes Übergewicht haben?

Adipositas erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettlebererkrankung, Schlafapnoe, Gelenkerkrankungen und bestimmte Krebsarten erheblich.

Adipositas erhöht das Risiko für eine Vielzahl schwerwiegender Erkrankungen erheblich und gilt als eine bedeutsame Ursache für vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland. Die gesundheitlichen Folgen betreffen nahezu alle Organsysteme.

Zu den häufigsten und klinisch bedeutsamsten Folgeerkrankungen gehören:

  • Typ-2-Diabetes mellitus: Adipositas ist der stärkste modifizierbare Risikofaktor für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes.[9][1] Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist darauf hin, dass eine Gewichtsreduktion die Insulinsensitivität deutlich verbessern kann.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erhöhtes Risiko für arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall.

  • Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD/MASLD): Eine der häufigsten Folgeerkrankungen bei Adipositas; sie wird in der Basisdiagnostik unter anderem durch Leberwerte und Ultraschall erfasst.

  • Schlafapnoe: Überschüssiges Fettgewebe im Halsbereich kann die Atemwege einengen und zu nächtlichen Atemaussetzern führen. Bei Verdacht erfolgt in Deutschland in der Regel zunächst eine Abklärung in der Hausarztpraxis und bei Bedarf eine Überweisung in ein Schlaflabor.

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats: Gelenkverschleiß (Arthrose), insbesondere an Knie- und Hüftgelenken, tritt bei Adipositas häufiger und früher auf.

  • Bestimmte Krebserkrankungen: Adipositas ist mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Tumorarten assoziiert, darunter Darm-, Brust- und Gebärmutterkrebs.

  • Psychische Erkrankungen: Depressionen und Angststörungen treten bei Menschen mit Adipositas häufiger auf, wobei Ursache und Wirkung in beide Richtungen wirken können.[1]

Bei mehreren Begleiterkrankungen kann in Deutschland eine interdisziplinäre Betreuung, etwa in einem Adipositaszentrum, sinnvoll sein. Bei Beschwerden oder Unsicherheiten im Zusammenhang mit Übergewicht ist die erste Anlaufstelle die Hausarztpraxis. Bei akuten gesundheitlichen Problemen, etwa Brustschmerzen oder plötzlicher Atemnot, ist umgehend der Notruf 112 zu wählen. Für dringende, nicht lebensbedrohliche Fragen außerhalb der Sprechzeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.

Wissenschaftliche Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Ab welchem BMI spricht man von Adipositas?

Adipositas wird ab einem BMI von 30 kg/m² diagnostiziert. Ein BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m² gilt als Übergewicht (Präadipositas), erhöht aber bereits das Risiko für Folgeerkrankungen.

Ist Adipositas eine Krankheit oder eine Frage der Disziplin?

Adipositas ist eine anerkannte chronische Erkrankung mit biologischen, genetischen, psychologischen und sozialen Ursachen. Sie ist keine Folge mangelnder Disziplin, sondern ein komplexes medizinisches Geschehen.

Welche Messwerte werden neben dem BMI zur Beurteilung von Adipositas herangezogen?

Ergänzend zum BMI wird der Taillenumfang gemessen: Bei Frauen gilt ab 88 cm und bei Männern ab 102 cm ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. In spezialisierten Einrichtungen kommen auch Bioelektrische Impedanzanalyse oder bildgebende Verfahren zum Einsatz.


Redaktionelle Hinweise

Die medizinischen Informationen auf dieser Seite beruhen auf anerkannten, evidenzbasierten Quellen und werden regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information.

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