Liraglutid Dosierung: Victoza und Saxenda
Liraglutid Dosierung: Die richtige Dosis hängt davon ab, ob Liraglutid zur Behandlung von Typ-2-Diabetes (Victoza, bis 1,8 mg täglich) oder zur Gewichtsregulation (Saxenda, bis 3,0 mg täglich) eingesetzt wird. Beide Präparate starten mit 0,6 mg pro Tag und werden schrittweise gesteigert, um die Verträglichkeit zu verbessern. Dieser Artikel erklärt das Dosierungsschema, die zugelassenen Anwendungsgebiete, mögliche Nebenwirkungen sowie den Umgang mit vergessenen Dosen, auf Basis der aktuellen deutschen Fachinformationen.
Zusammenfassung: Liraglutid wird einmal täglich subkutan injiziert, beginnend mit 0,6 mg, und je nach Präparat auf bis zu 1,8 mg (Victoza, Typ-2-Diabetes) oder 3,0 mg (Saxenda, Gewichtsregulation) gesteigert.
- Liraglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, der die glukoseabhängige Insulinsekretion stimuliert, Glukagon hemmt und die Magenentleerung verlangsamt.
- Die Startdosis beträgt bei beiden Präparaten 0,6 mg täglich subkutan; sie dient der Verträglichkeitsverbesserung und ist keine therapeutische Zieldosis.
- Victoza ist für Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren zugelassen (Höchstdosis 1,8 mg), Saxenda für Adipositas ab 6 Jahren mit spezifischen BMI-Kriterien (Zieldosis 3,0 mg).
- Häufigste Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, besonders zu Therapiebeginn.
- Bei Therapieunterbrechung von mehr als 3 Tagen muss die Titration erneut mit 0,6 mg begonnen werden.
- Saxenda wird von der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland nicht erstattet und muss in der Regel selbst bezahlt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Wie wird Liraglutid dosiert und angewendet?
- Wofür ist Liraglutid zugelassen und wie wirkt es?
- Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme auftreten?
- Für wen ist Liraglutid geeignet - und wer sollte es nicht nehmen?
- Was passiert, wenn eine Dosis vergessen oder falsch gespritzt wurde?
- Liraglutid im Vergleich: Was sagen deutsche Leitlinien zur Therapiewahl?
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Wie wird Liraglutid dosiert und angewendet?
Liraglutid wird einmal täglich subkutan injiziert, beginnend mit 0,6 mg; Victoza wird auf bis zu 1,8 mg, Saxenda wöchentlich auf bis zu 3,0 mg gesteigert. Bei Unterbrechung von mehr als 3 Tagen muss die Titration neu begonnen werden.
Liraglutid wird einmal täglich subkutan injiziert, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Startdosis beträgt für beide Präparate 0,6 mg pro Tag; diese Einstiegsdosis dient der Verträglichkeitsverbesserung und ist keine therapeutische Zieldosis.
Victoza (Typ-2-Diabetes): Nach mindestens einer Woche wird die Dosis auf 1,2 mg erhöht. Bei Bedarf und ausreichender Verträglichkeit kann nach einer weiteren Woche auf 1,8 mg gesteigert werden; dies ist die zugelassene Höchstdosis für diese Indikation.
Saxenda (Gewichtsregulation): Die Dosis wird wöchentlich in Schritten von je 0,6 mg gesteigert: 0,6 mg (Woche 1), 1,2 mg (Woche 2), 1,8 mg (Woche 3), 2,4 mg (Woche 4), 3,0 mg (ab Woche 5). Die Zieldosis beträgt 3,0 mg täglich. Erwachsene, die nach 12 Wochen auf der Zieldosis von 3,0 mg täglich weniger als 5 % ihres Ausgangsgewichts verloren haben, sollten die Behandlung abbrechen, da ein klinisch relevanter Nutzen in diesem Fall unwahrscheinlich ist. Entsprechende Kriterien für Jugendliche und Kinder sind der aktuellen Fachinformation zu entnehmen.
Therapieunterbrechung: Wird die Behandlung länger als 3 Tage unterbrochen, sollte die Titration bei beiden Präparaten erneut mit 0,6 mg begonnen werden, um die Verträglichkeit sicherzustellen.
Die Injektion erfolgt mit einem Fertigpen in das Unterhautfettgewebe des Bauches, der Oberschenkel oder des Oberarms. Der Injektionsort sollte regelmäßig gewechselt werden, um lokale Reaktionen zu vermeiden; wiederholte Injektionen an derselben Stelle können zu kutaner Amyloidose führen, die die Arzneimittelaufnahme beeinträchtigen kann.[1][6] Liraglutid darf nicht intravenös oder intramuskulär verabreicht werden.
Nach Anbruch kann der Pen bis zu 30 Tage bei Raumtemperatur (nicht über 30 °C) oder weiterhin im Kühlschrank (2 °C bis 8 °C) aufbewahrt werden. Nicht angebrochene Pens müssen im Kühlschrank gelagert werden. Patienten sollten die Injektionstechnik idealerweise mit medizinischem Fachpersonal einüben, bevor sie die Selbstinjektion eigenständig durchführen. Grundlage dieser Angaben sind die Fachinformationen zu Victoza und Saxenda (EMA EPAR, Abschnitte 4.2 und 6.4).
Wofür ist Liraglutid zugelassen und wie wirkt es?
Liraglutid ist als Victoza für Typ-2-Diabetes und als Saxenda zur Gewichtsregulation zugelassen. Als GLP-1-Rezeptoragonist stimuliert es die Insulinsekretion, hemmt Glukagon und reduziert das Hungergefühl.
Liraglutid ist in der Europäischen Union, und damit in Deutschland, in zwei unterschiedlichen Dosierungsbereichen zugelassen. Beide Zulassungen wurden von der Europäischen Kommission auf Grundlage eines EMA-Gutachtens erteilt.
Victoza (bis 1,8 mg): Zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus bei Erwachsenen und bei Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren, wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen.[2][4]
Saxenda (bis 3,0 mg): Zur Gewichtsregulation als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und erhöhter körperlicher Aktivität. Zugelassen ist Saxenda für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² oder mehr sowie für Erwachsene ab einem BMI von 27 kg/m², wenn gewichtsbedingte Begleiterkrankungen vorliegen. Für Jugendliche ab 12 Jahren und für Kinder von 6 bis unter 12 Jahren gelten spezifische BMI- und Gewichtskriterien; die genauen Voraussetzungen sind der aktuellen Fachinformation (EMA EPAR Saxenda, Abschnitt 4.1) zu entnehmen.
Liraglutid ist ein Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonist (GLP-1-RA). Es ahmt die Wirkung des körpereigenen Inkretinhormons GLP-1 nach, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Durch Bindung an den GLP-1-Rezeptor stimuliert Liraglutid die glukoseabhängige Insulinsekretion aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse, hemmt die Glukagonausschüttung und verlangsamt die Magenentleerung. Diese Mechanismen senken den Blutzucker (gemessen in mg/dL). Bei alleiniger Anwendung ist das Risiko einer schweren Hypoglykämie gering, jedoch nicht vollständig ausgeschlossen; das Risiko steigt bei Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin.
Darüber hinaus wirkt Liraglutid auf Sättigungszentren im Gehirn und reduziert so das Hungergefühl, was zur Gewichtsabnahme beiträgt. Bei Typ-2-Diabetes kann Liraglutid als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Antidiabetika eingesetzt werden.
| Phase / Woche | Dosis | Häufigkeit | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Startdosis (beide Präparate) | 0,6 mg | Einmal täglich subkutan | Einstiegsdosis zur Verbesserung der Verträglichkeit, keine therapeutische Zieldosis |
| Victoza: ab Woche 2 | 1,2 mg | Einmal täglich subkutan | Steigerung nach mindestens einer Woche auf 0,6 mg; therapeutische Standarddosis bei Typ-2-Diabetes |
| Victoza: ab Woche 3 (bei Bedarf) | 1,8 mg | Einmal täglich subkutan | Zugelassene Höchstdosis für Typ-2-Diabetes; nur bei ausreichender Verträglichkeit |
| Saxenda: Wochen 2 bis 4 | 1,2 mg, 1,8 mg, 2,4 mg (wöchentliche Steigerung um je 0,6 mg) | Einmal täglich subkutan | Schrittweise Titration zur Minimierung gastrointestinaler Nebenwirkungen |
| Saxenda: ab Woche 5 (Zieldosis) | 3,0 mg | Einmal täglich subkutan | Bei weniger als 5 % Gewichtsverlust nach 12 Wochen auf Zieldosis: Behandlung abbrechen |
| Vergessene Dosis | Reguläre Einzeldosis nachholen | Nur wenn noch mindestens 12 Stunden bis zur nächsten Injektion verbleiben | Niemals zwei Dosen innerhalb von weniger als 12 Stunden verabreichen |
| Therapieunterbrechung (mehr als 3 Tage) | Neustart mit 0,6 mg | Einmal täglich subkutan | Gilt für Victoza und Saxenda gemäß Fachinformation, Abschnitt 4.2 |
Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme auftreten?
Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, die meist zu Beginn auftreten und sich bessern. Klinisch bedeutsam sind Pankreatitis, Gallenwegserkrankungen und Dehydrierung.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Liraglutid betreffen den Magen-Darm-Trakt und treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf. Dazu gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung; diese Beschwerden sind in der Regel vorübergehend und klingen bei den meisten Patienten nach einigen Wochen ab. Die schrittweise Dosissteigerung soll diese Effekte abmildern.
Weitere klinisch bedeutsame Reaktionen:
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Pankreatitis: In klinischen Studien und nach der Markteinführung wurden Fälle von akuter Pankreatitis berichtet. Bei anhaltenden starken Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, sollte Liraglutid sofort abgesetzt und umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden. Bei bestätigter akuter Pankreatitis darf Liraglutid nicht wieder angesetzt werden. Bei schweren Symptomen ist der Notruf 112 zu wählen.
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Gallenwegserkrankungen: Cholelithiasis (Gallensteine) und Cholezystitis (Gallenblasenentzündung) wurden unter Liraglutid häufiger berichtet als unter Placebo. Bei entsprechenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
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Dehydrierung und Nierenfunktion: Gastrointestinale Nebenwirkungen können zu Flüssigkeitsverlust führen. In Einzelfällen wurde ein akutes Nierenversagen infolge von Dehydrierung berichtet. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.
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Hypoglykämie: Bei Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin ist das Risiko einer Unterzuckerung erhöht.[1][6]
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Herzfrequenzanstieg: Eine leichte Erhöhung der Ruheherzfrequenz wurde beobachtet.[1][13]
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Schilddrüsenveränderungen: Aus Tierstudien sind C-Zell-Veränderungen bekannt; eine kausale Übertragbarkeit auf den Menschen ist nicht belegt. Bei Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen in der Vorgeschichte ist besondere Vorsicht geboten; die genauen Warnhinweise sind der Fachinformation (Abschnitt 4.4) zu entnehmen.
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Verzögerte Magenentleerung: Liraglutid verlangsamt die Magenentleerung. Dies kann im perioperativen Kontext oder bei tiefer Sedierung relevant sein; die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt sowie das Anästhesieteam sollten vorab informiert werden.
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Injektionsstellenreaktionen: Lokale Reaktionen wie Rötung oder Juckreiz sind möglich. Wiederholte Injektionen an derselben Stelle können zu kutaner Amyloidose führen.
Verdächtige Nebenwirkungen können in Deutschland dem BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) gemeldet werden. Patienten sollten bei neu auftretenden oder ungewöhnlichen Beschwerden zunächst ihren Hausarzt aufsuchen; bei dringenden Fragen außerhalb der Sprechzeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.
Für wen ist Liraglutid geeignet - und wer sollte es nicht nehmen?
Liraglutid ist nicht geeignet bei Typ-1-Diabetes, diabetischer Ketoazidose oder Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Besondere Vorsicht gilt bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz sowie in Schwangerschaft und Stillzeit.
Liraglutid (Victoza) ist in Deutschland für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren mit Typ-2-Diabetes geeignet, bei denen eine Lebensstiländerung allein nicht ausreicht. Liraglutid (Saxenda) richtet sich in Deutschland an Erwachsene, die die oben genannten BMI-Kriterien erfüllen, sowie an Jugendliche ab 12 Jahren und Kinder von 6 bis unter 12 Jahren, die spezifische BMI- und Gewichtskriterien erfüllen (Details: Fachinformation Saxenda, Abschnitt 4.1). Die Behandlung mit Saxenda soll stets durch Ernährungs- und Bewegungsmaßnahmen begleitet werden. Die Entscheidung über die Eignung trifft ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Liraglutid ist nicht angezeigt bei:
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Typ-1-Diabetes mellitus: Liraglutid ist kein Insulinersatz und nicht zur Behandlung des Typ-1-Diabetes geeignet.
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Diabetischer Ketoazidose: Liraglutid ist für diese Situation nicht indiziert.
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Überempfindlichkeit gegenüber Liraglutid oder einem der Hilfsstoffe.
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
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Vorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse
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Schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz
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Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse IV)
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Schilddrüsenerkrankungen in der Vorgeschichte (gemäß Warnhinweisen der EU-Fachinformation, Abschnitt 4.4)
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Gleichzeitiger Anwendung anderer Arzneimittel zur Gewichtsregulation: Diese Kombination wird nicht empfohlen.
Schwangerschaft und Stillzeit: Liraglutid ist während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen (Fachinformation, Abschnitt 4.6). Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Bei Kinderwunsch sollte die Therapie rechtzeitig vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden; der genaue Zeitpunkt ist mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.
In Deutschland wird Liraglutid für die Indikation Adipositas nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet, da Arzneimittel zur Gewichtsreduktion nach § 34 SGB V als Lifestyle-Arzneimittel gelten und auf Privatrezept und Selbstzahlung angewiesen sind.[7][8]
Was passiert, wenn eine Dosis vergessen oder falsch gespritzt wurde?
Eine vergessene Dosis kann nachgeholt werden, wenn noch mindestens 12 Stunden bis zur nächsten Injektion verbleiben; andernfalls wird sie übersprungen. Zwei Dosen dürfen niemals gleichzeitig oder innerhalb von weniger als 12 Stunden verabreicht werden.
Wenn eine Dosis Liraglutid vergessen wurde, sollte sie so bald wie möglich nachgeholt werden, sofern bis zur nächsten planmäßigen Injektion noch mindestens 12 Stunden verbleiben. Ist dieser Zeitraum kürzer, wird die vergessene Dosis übersprungen und die Behandlung zum nächsten regulären Zeitpunkt fortgesetzt. Es dürfen niemals zwei Dosen gleichzeitig oder innerhalb von weniger als 12 Stunden verabreicht werden.
Wird die Behandlung länger als 3 Tage unterbrochen, sollte die Titration erneut mit 0,6 mg begonnen werden, um die Verträglichkeit sicherzustellen. Dies gilt für beide Präparate (Victoza und Saxenda) gemäß den jeweiligen Fachinformationen (Abschnitt 4.2).
Bei einer versehentlichen Überdosierung können verstärkte gastrointestinale Beschwerden wie schwere Übelkeit und Erbrechen auftreten. In diesem Fall sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei schwerwiegenden Symptomen ist der Notruf 112 zu wählen; bei weniger dringenden Fragen steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung. Hinweise zum Überdosierungsmanagement finden sich in der Fachinformation (Abschnitt 4.9).
Wurde die Injektion versehentlich nicht korrekt subkutan gesetzt, sollten die Anwendungsvorschriften des Pens sorgfältig geprüft und die Ärztin oder der Arzt informiert werden, damit die Injektionstechnik überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden kann.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen festen Injektionszeitpunkt pro Tag zu wählen, der gut in den Alltag integriert werden kann. Eine Erinnerungsfunktion am Mobiltelefon kann helfen, die Regelmäßigkeit der Anwendung zu unterstützen. Patienten sollten die Gebrauchsanweisung des Pens sorgfältig lesen und bei Unsicherheiten das medizinische Fachpersonal ansprechen.
Liraglutid im Vergleich: Was sagen deutsche Leitlinien zur Therapiewahl?
Deutsche Leitlinien, darunter die AWMF-S3-Leitlinie und DDG-Praxisempfehlungen, empfehlen Liraglutid als eine von mehreren GLP-1-RA-Optionen, wobei individuelle Patientenmerkmale die Wahl bestimmen. Kardiovaskuläre Endpunktdaten aus der LEADER-Studie fließen in die Empfehlungen ein.
Die deutschen Leitlinien empfehlen Liraglutid als eine von mehreren evidenzbasierten Optionen innerhalb der GLP-1-Rezeptoragonisten-Klasse, ohne eine Rangfolge zwischen den einzelnen Wirkstoffen festzulegen. Die AWMF-S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-2-Diabetes (Nationale VersorgungsLeitlinie, aktuelles Update) sowie die Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) berücksichtigen bei der Therapiewahl individuelle Patientenmerkmale wie kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Nierenfunktion, Körpergewicht und Verträglichkeit.
Bei Patienten mit nachgewiesener atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigen Daten aus der kardiovaskulären Endpunktstudie LEADER (Marso et al., New England Journal of Medicine 2016) für Liraglutid eine Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse; dieser Aspekt fließt in die Leitlinienempfehlungen ein. Der G-BA hat im Rahmen der frühen Nutzenbewertung nach § 35a SGB V den Zusatznutzen von Liraglutid in verschiedenen Patientensubgruppen bewertet; die jeweiligen Beschlüsse sind auf der Website des G-BA öffentlich einsehbar.
Im Vergleich zu anderen GLP-1-RA unterscheiden sich die Wirkstoffe hinsichtlich Applikationsfrequenz (täglich versus wöchentlich), Darreichungsform und zugelassenen Indikationen. Ob Liraglutid oder ein anderer Wirkstoff im Einzelfall geeigneter ist, hängt von der individuellen Situation ab und wird im ärztlichen Gespräch entschieden. Eine vergleichende Bewertung, welcher Wirkstoff besser ist, ist nicht Gegenstand dieses Artikels.
Für die Indikation Adipositas gilt in Deutschland: Da GKV-Versicherte die Kosten für Liraglutid (Saxenda) in der Regel selbst tragen müssen (§ 34 SGB V), sollte die Therapieentscheidung auch die finanzielle Tragbarkeit einschließen. Interessierte Patientinnen und Patienten wenden sich für eine individuelle Beratung an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt.
Wissenschaftliche Quellen
- Saxenda EPAR – Produktinformation (INN: Liraglutid).
- Victoza EPAR – Übersicht (INN: Liraglutid).
- Liraglutide STADA EPAR – Produktinformation (INN: Liraglutid).
- Victoza® 6 mg/ml Injektionslösung – Informationsblatt Liraglutid.
- GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Keine Evidenz für einen Zusammenhang mit Suizidgedanken.
- Saxenda® 6 mg/ml Injektionslösung in einem Fertigpen – Fachinformation.
- Verordnungsausschluss von Lifestyle-Arzneimitteln (Arzneimittel-Richtlinie).
- G-BA vollzieht den gesetzlichen Verordnungsausschluss für Wegovy®.
- Zusammenfassende Dokumentation – Ergänzung/Aktualisierung AM-RL II (Saxenda/Mysimba).
- Marso SP et al. Liraglutide and Cardiovascular Outcomes in Type 2 Diabetes (LEADER). N Engl J Med. 2016.
- Nauck MA, Meier JJ. GLP-1 receptor agonists in the treatment of type 2 diabetes – state-of-the-art. Mol Metab. 2021.
- Müller TD et al. GLP-1 physiology informs the pharmacotherapy of obesity. Mol Metab. 2022.
- Lorenz M et al. Heart rate acceleration with GLP-1 receptor agonists in type 2 diabetes patients. Eur J Endocrinol. 2017.
- Htike ZZ et al. Effects of GLP-1 receptor agonists on cardiovascular risk factors. Diabetes Obes Metab. 2017.
- Bettge K et al. Potential side effects to GLP-1 agonists: understanding their safety and tolerability. Expert Opin Drug Saf. 2015.
- Liraglutid – Änderung Produktinformation (Victoza).
- Insulin (alle insulinhaltigen Arzneimittel): Änderung Produktinformation (kutane Amyloidose).
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist die Startdosis von Liraglutid und wann wird sie gesteigert?
Die Startdosis beträgt bei beiden Präparaten 0,6 mg täglich subkutan. Bei Victoza wird nach mindestens einer Woche auf 1,2 mg erhöht, bei Saxenda erfolgt die Steigerung wöchentlich in Schritten von 0,6 mg bis zur Zieldosis von 3,0 mg.
Was soll ich tun, wenn ich eine Liraglutid-Injektion vergessen habe?
Holen Sie die vergessene Dosis nach, wenn noch mindestens 12 Stunden bis zur nächsten planmäßigen Injektion verbleiben. Ist der Abstand kürzer, überspringen Sie die Dosis und setzen die Behandlung zum nächsten regulären Zeitpunkt fort.
Wird Liraglutid (Saxenda) zur Gewichtsabnahme von der Krankenkasse bezahlt?
Nein, gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland müssen die Kosten für Saxenda in der Regel selbst tragen, da Arzneimittel zur Gewichtsreduktion nach § 34 SGB V von der GKV-Erstattung ausgeschlossen sind.
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