Liraglutid Indikation: Victoza und Saxenda
Liraglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, der in Deutschland unter zwei Handelsnamen zugelassen ist: Victoza zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus und Saxenda zur Gewichtsregulation bei Adipositas. Die Indikation, die Dosierung und die Voraussetzungen für eine Therapie unterscheiden sich je nach Präparat erheblich. Dieser Artikel fasst zusammen, für wen Liraglutid zugelassen ist, wie es wirkt, welche Gegenanzeigen und Nebenwirkungen bekannt sind und worauf vor dem Arztgespräch geachtet werden sollte.
Zusammenfassung: Liraglutid ist in Deutschland als Victoza zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus und als Saxenda zur Gewichtsregulation bei Adipositas zugelassen.
- Victoza (1,2 mg oder 1,8 mg täglich) ist für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren mit Typ-2-Diabetes zugelassen.
- Saxenda (3,0 mg täglich) ist für Erwachsene mit einem BMI ab 30 kg/m² sowie für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren mit Adipositas unter definierten Voraussetzungen zugelassen.
- Liraglutid stimuliert die Insulinsekretion glukoseabhängig, hemmt Glukagon und verlangsamt die Magenentleerung, was das Sättigungsgefühl verlängert.
- Häufige Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden; seltener wurden akute Pankreatitis und Gallenblasenerkrankungen berichtet.
- Saxenda wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erstattet; Victoza kann unter bestimmten Voraussetzungen verordnet werden.
- Liraglutid ist in der Schwangerschaft kontraindiziert und darf nicht bei Typ-1-Diabetes oder diabetischer Ketoazidose eingesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Wofür ist Liraglutid zugelassen und bei wem wird es eingesetzt?
- Wie wirkt Liraglutid im Körper?
- Für wen kommt Liraglutid laut Fachinformation nicht infrage?
- Welche Nebenwirkungen und Warnhinweise sind bekannt?
- Was sollte vor dem Arztgespräch über Liraglutid bekannt sein?
- Wissenschaftliche Quellen
- Häufig gestellte Fragen
Wofür ist Liraglutid zugelassen und bei wem wird es eingesetzt?
Liraglutid ist als Victoza zur Behandlung des Typ-2-Diabetes und als Saxenda zur Gewichtsregulation bei Adipositas zugelassen, jeweils mit unterschiedlichen Alters- und BMI-Voraussetzungen.
Liraglutid ist in Deutschland in zwei unterschiedlichen Dosierungen für zwei verschiedene Indikationen zugelassen. Beide Präparate sind von der Europäischen Kommission auf Grundlage eines EMA-Gutachtens zentral zugelassen; die Fachinformationen sind über PharmNet.Bund abrufbar.
Victoza (1,2 mg und 1,8 mg täglich) ist zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren zugelassen (Victoza Fachinformation, Abschnitt 4.[2][3]1). Es wird eingesetzt, wenn Lebensstilanpassungen und andere Antidiabetika nicht ausreichen, um den Blutzucker ausreichend zu senken, und kann als Monotherapie oder in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Mitteln einschließlich Insulin angewendet werden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) berücksichtigt GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid in ihren Praxisempfehlungen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko.
Saxenda (3,0 mg täglich als Erhaltungsdosis nach schrittweiser Titration) ist zur Gewichtsregulation zugelassen (Saxenda Fachinformation, Abschnitt 4.1):
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Bei Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m² oder mindestens 27 kg/m² in Verbindung mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Dyslipidämie.
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Bei Jugendlichen ab 12 Jahren mit Adipositas gemäß IOTF-Grenzwerten und einem Körpergewicht von mehr als 60 kg.
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Bei Kindern von 6 bis unter 12 Jahren mit Adipositas (BMI ab der 95. Perzentile) und einem Körpergewicht von mindestens 45 kg.
Saxenda ist stets als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und gesteigerter körperlicher Aktivität vorgesehen, nicht als alleinige Maßnahme. Wichtig: Wird bei Erwachsenen nach 12 Wochen mit der Erhaltungsdosis von 3,0 mg kein Gewichtsverlust von mindestens 5 % des Ausgangsgewichts erreicht, soll die Behandlung beendet werden.[5][7] Bei Kindern und Jugendlichen gilt ein entsprechendes Abbruchkriterium von mindestens 4 % Reduktion des BMI bzw. des BMI-z-Scores nach 12 Wochen (Saxenda Fachinformation, Abschnitt 4.1).
Die Dosierung beginnt bei 0,6 mg täglich und wird wöchentlich gesteigert, bis die Erhaltungsdosis erreicht ist; Einzelheiten regelt die Fachinformation (Abschnitt 4.[5]2).
In Deutschland werden Liraglutid-Präparate zur Gewichtsregulation als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel eingestuft und sind gemäß SGB V Paragraph 34 von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausgeschlossen. Die Kosten werden in der Regel privat getragen.
| Präparat | Indikation | Zugelassene Patientengruppe | Voraussetzungen / Kriterien | GKV-Erstattung |
|---|---|---|---|---|
| Victoza (1,2 mg oder 1,8 mg täglich) | Typ-2-Diabetes mellitus | Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren | Unzureichende Blutzuckerkontrolle trotz Lebensstilanpassung; Mono- oder Kombinationstherapie möglich | Unter bestimmten Voraussetzungen erstattungsfähig; individuell prüfen |
| Saxenda (3,0 mg täglich, nach Titration) | Gewichtsregulation (Adipositas) | Erwachsene ab 18 Jahren | BMI ab 30 kg/m², oder ab 27 kg/m² mit gewichtsbedingter Begleiterkrankung (z. B. Typ-2-Diabetes, Hypertonie, Dyslipidämie) | Nicht erstattungsfähig (SGB V Paragraph 34); Kosten privat |
| Saxenda (3,0 mg täglich, nach Titration) | Gewichtsregulation (Adipositas) | Jugendliche ab 12 Jahren | Adipositas gemäß IOTF-Grenzwerten, Körpergewicht über 60 kg; ergänzend zu Ernährung und Bewegung | Nicht erstattungsfähig; Kosten privat |
| Saxenda (3,0 mg täglich, nach Titration) | Gewichtsregulation (Adipositas) | Kinder von 6 bis unter 12 Jahren | BMI ab 95. Perzentile, Körpergewicht mindestens 45 kg; ergänzend zu Ernährung und Bewegung | Nicht erstattungsfähig; Kosten privat |
| Saxenda (Erwachsene) | Abbruchkriterium | Erwachsene | Kein Gewichtsverlust von mindestens 5 % des Ausgangsgewichts nach 12 Wochen mit Erhaltungsdosis: Therapie beenden | Nicht applicable |
| Saxenda (Kinder und Jugendliche) | Abbruchkriterium | Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche | Weniger als 4 % Reduktion des BMI bzw. BMI-z-Scores nach 12 Wochen mit Erhaltungsdosis: Therapie beenden | Nicht applicable |
| Beide Präparate | Kontraindikationen (Auswahl) | Alle Patientengruppen | Nicht anwenden bei Typ-1-Diabetes, schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz, Schwangerschaft, Stillzeit oder Überempfindlichkeit | Nicht applicable |
Wie wirkt Liraglutid im Körper?
Liraglutid ahmt das Darmhormon GLP-1 nach, steigert die Insulinsekretion glukoseabhängig, hemmt Glukagon und verlangsamt die Magenentleerung, was Blutzucker und Appetit reguliert.
Liraglutid wirkt als Analogon des körpereigenen Hormons GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) und ahmt dessen Wirkung am GLP-1-Rezeptor nach. Aufgrund seiner chemischen Struktur besitzt es eine deutlich längere Halbwertszeit als das natürliche Hormon und muss daher nur einmal täglich subkutan injiziert werden. GLP-1 wird physiologisch nach der Nahrungsaufnahme im Darm freigesetzt und beeinflusst mehrere Regelkreise des Stoffwechsels.
Am Pankreas stimuliert Liraglutid die Insulinsekretion der Betazellen in Abhängigkeit vom aktuellen Blutzuckerspiegel (gemessen in mg/dL): Nur wenn der Blutzucker erhöht ist, wird die Insulinausschüttung gesteigert. Gleichzeitig hemmt Liraglutid die Freisetzung von Glukagon aus den Alphazellen, was einer übermäßigen Glukoseproduktion in der Leber entgegenwirkt. Dieser glukoseabhängige Mechanismus erklärt, warum das Risiko für schwere Unterzuckerungen (Hypoglykämien) unter Liraglutid als Monotherapie vergleichsweise gering ist.
Darüber hinaus verlangsamt Liraglutid die Magenentleerung, was zu einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl nach dem Essen beiträgt. Im zentralen Nervensystem, insbesondere im Hypothalamus, beeinflusst Liraglutid Hunger- und Sättigungssignale, was bei der höheren Dosierung (Saxenda) zur Reduktion der Nahrungsaufnahme beiträgt. Diese zentrale Wirkung ist ein wesentlicher Mechanismus bei der Anwendung zur Gewichtsregulation.
Liraglutid wird subkutan in den Bauch, den Oberschenkel oder den Oberarm injiziert. Es wird nicht über die Niere ausgeschieden, sondern enzymatisch abgebaut, ähnlich wie andere große Proteine. Die Bioverfügbarkeit nach subkutaner Injektion beträgt laut Fachinformation (Abschnitt 5.2) etwa 55 Prozent.
Für wen kommt Liraglutid laut Fachinformation nicht infrage?
Liraglutid ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit, Typ-1-Diabetes, diabetischer Ketoazidose, schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz sowie in der Schwangerschaft.
Liraglutid darf laut Fachinformation nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile des Präparats. Darüber hinaus bestehen weitere wichtige Einschränkungen, die vor Therapiebeginn sorgfältig geprüft werden müssen (Saxenda/Victoza Fachinformation, Abschnitte 4.3 und 4.4).
Liraglutid ist nicht für die Behandlung des Typ-1-Diabetes mellitus oder zur Therapie der diabetischen Ketoazidose zugelassen. Saxenda darf nicht als Ersatz für Insulin eingesetzt werden; eine rasche Insulinreduktion ohne ärztliche Begleitung kann das Risiko einer Ketoazidose erhöhen.
Bei schwerer Niereninsuffizienz liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor; die Anwendung wird in der Fachinformation nicht empfohlen. Gleiches gilt für schwere Leberinsuffizienz. Bei Patientinnen und Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen oder diabetischer Gastroparese ist die Anwendung laut Fachinformation ebenfalls nicht empfohlen, da Liraglutid die Magenentleerung verlangsamt.
Weitere Situationen, in denen die Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen wird oder besondere Vorsicht geboten ist:
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Herzinsuffizienz NYHA-Klasse IV
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Patientinnen und Patienten ab 75 Jahren (begrenzte Erfahrungen)
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Gleichzeitige Anwendung anderer Gewichtsregulationsmittel
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Adipositas infolge endokriner Erkrankungen oder Essstörungen
In der Schwangerschaft soll Liraglutid nicht angewendet werden; bei Kinderwunsch oder eingetretener Schwangerschaft ist die Therapie zu beenden. Stillende Frauen sollten Liraglutid ebenfalls nicht anwenden, da nicht bekannt ist, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht.
Victoza ist für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren mit Typ-2-Diabetes zugelassen. Saxenda ist für Erwachsene, Jugendliche ab 12 Jahren und Kinder von 6 bis unter 12 Jahren mit Adipositas unter den in der Fachinformation genannten Voraussetzungen zugelassen; für jüngere Kinder unter 6 Jahren ist Saxenda nicht zugelassen.
Die Entscheidung über die Eignung einer Liraglutid-Therapie trifft stets die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt auf Basis der individuellen Krankengeschichte.
Welche Nebenwirkungen und Warnhinweise sind bekannt?
Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall; wichtige Warnhinweise betreffen akute Pankreatitis, Herzfrequenzerhöhung, Gallenblasenerkrankungen und erhöhtes Aspirationsrisiko bei Narkose.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Liraglutid zählen gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung, die vor allem zu Beginn der Behandlung und bei Dosissteigerungen auftreten und sich bei vielen Betroffenen im Verlauf der Therapie abschwächen. Diese Reaktionen stehen im Zusammenhang mit der verlangsamten Magenentleerung und den zentralen Wirkungen des Wirkstoffs.
Ein wichtiger Warnhinweis betrifft die Bauchspeicheldrüse: In klinischen Studien und nach der Markteinführung wurden Fälle von akuter Pankreatitis berichtet, bei Victoza einschließlich nekrotisierender Verläufe (Victoza Fachinformation, Abschnitt 4.[10][11]4). Patientinnen und Patienten sollten bei anhaltenden, starken Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Weitere bekannte Nebenwirkungen und Warnhinweise gemäß Fachinformation (Abschnitte 4.4 und 4.8):
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Herzfrequenzerhöhung: Liraglutid kann die Ruheherzfrequenz erhöhen; regelmäßige Kontrollen werden empfohlen.[11][12]
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Gallenblasenerkrankungen: Cholelithiasis und Cholezystitis wurden berichtet, insbesondere bei rascher Gewichtsabnahme; in einigen Fällen war eine stationäre Behandlung oder Cholezystektomie erforderlich.[13][14]
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Hypoglykämie: Das Risiko ist bei Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin erhöht; in diesen Fällen kann eine Dosisanpassung der Begleitmedikation erforderlich sein.
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Dehydrierung: Gastrointestinale Nebenwirkungen können zu Flüssigkeitsverlust führen; in seltenen Fällen wurde ein akutes Nierenversagen berichtet. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.
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Aspirationsrisiko bei Narkose oder tiefer Sedierung: Da Liraglutid die Magenentleerung verlangsamt, besteht bei geplanten Eingriffen unter Vollnarkose oder tiefer Sedierung ein erhöhtes Aspirationsrisiko. Geplante Eingriffe sollten der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt im Voraus mitgeteilt werden.
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Reaktionen an der Injektionsstelle: Rötung, Juckreiz oder Schwellung sind möglich. Bei wiederholter Injektion an derselben Stelle wurde kutane Amyloidose berichtet; die Injektionsstelle sollte daher regelmäßig gewechselt werden.[15]
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Kein Insulinersatz: Saxenda darf nicht anstelle von Insulin eingesetzt werden. Eine rasche Insulinreduktion ohne ärztliche Begleitung kann das Risiko einer Ketoazidose erhöhen.
Bei Symptomen einer schweren allergischen Reaktion (Hautausschlag, Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Hals) ist sofort der Notruf 112 zu rufen; Liraglutid darf in diesem Fall nicht erneut angewendet werden. Bei dringendem ärztlichem Beratungsbedarf außerhalb der Praxiszeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 zur Verfügung. Für nicht dringende Fragen ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Verdachtsfälle auf Nebenwirkungen können in Deutschland dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gemeldet werden.
Was sollte vor dem Arztgespräch über Liraglutid bekannt sein?
Vor dem Arztgespräch sollten Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente, Schwangerschaftswunsch und geplante Eingriffe vollständig zusammengestellt werden, da diese die Nutzen-Risiko-Abwägung bestimmen.
Vor einem Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt über Liraglutid ist es hilfreich, die eigene Krankengeschichte, aktuelle Medikamente und bisherige Therapieversuche vollständig zusammenzustellen, da diese Informationen die Grundlage für eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung bilden. Liraglutid ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und kann nur auf ärztliche Verordnung bezogen werden.
Folgende Punkte sollten im Gespräch angesprochen werden:
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Vorerkrankungen: insbesondere Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse, der Nieren oder der Leber sowie Herzerkrankungen
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Familienanamnese: Schilddrüsenerkrankungen oder andere endokrine Erkrankungen in der Familie (als Gesprächsanlass; die Bewertung der Relevanz obliegt der Ärztin oder dem Arzt)
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Aktuelle Medikamente: Wechselwirkungen sind möglich, da Liraglutid die Magenentleerung verlangsamt und dadurch die Resorption anderer Arzneimittel beeinflussen kann[16]
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Schwangerschaft und Verhütung: Frauen im gebärfähigen Alter sollten die Frage der Verhütung und eines möglichen Kinderwunsches aktiv ansprechen, da Liraglutid in der Schwangerschaft nicht angewendet werden darf
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Geplante Operationen oder Eingriffe unter Narkose oder tiefer Sedierung: Das durch Liraglutid verlangsamte Magenentleerung kann das Aspirationsrisiko erhöhen; geplante Eingriffe sollten frühzeitig mitgeteilt werden
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Therapieziel und Abbruchkriterien bei Saxenda: Bei Erwachsenen soll die Behandlung beendet werden, wenn nach 12 Wochen mit der Erhaltungsdosis kein Gewichtsverlust von mindestens 5 % des Ausgangsgewichts erreicht wurde.[5][7] Bei Kindern und Jugendlichen gilt ein Abbruchkriterium von mindestens 4 % Reduktion des BMI bzw. des BMI-z-Scores nach 12 Wochen (Saxenda Fachinformation, Abschnitt 4.1)
In Deutschland werden Liraglutid-Präparate zur Gewichtsregulation (Saxenda) nicht von der GKV erstattet und müssen privat bezahlt werden. Die Kosten sollten vor Therapiebeginn mit der Praxis besprochen werden. Victoza zur Behandlung des Typ-2-Diabetes kann unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen der GKV verordnet werden; die Erstattungsfähigkeit hängt von der individuellen Situation und dem Versicherungsstatus ab.
Die Entscheidung, ob Liraglutid geeignet ist, trifft ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt auf Basis einer vollständigen medizinischen Beurteilung. Ziel des Arztgesprächs ist es, gemeinsam abzuwägen, ob Liraglutid im individuellen Fall eine sinnvolle Therapieoption darstellt und welche Alternativen gegebenenfalls infrage kommen.
Wissenschaftliche Quellen
- Saxenda – EPAR-Produktübersicht.
- Victoza – EPAR-Produktübersicht (Deutsch).
- Victoza® 6 mg/ml Injektionslösung – Informationen zu Liraglutid (BfArM).
- CHMP Meeting Highlights Mai 2025 – Saxenda (Liraglutid): Erweiterung der Indikation.
- Saxenda® 6 mg/ml Injektionslösung in einem Fertigpen – Fachinformation.
- Liraglutid STADA – EPAR-Produktinformation (Deutsch).
- Zusammenfassende Dokumentation – Saxenda® (Liraglutid), AM-RL.
- Verordnungsausschluss von Lifestyle-Arzneimitteln (AM-RL).
- Kriterien zur Bestimmung der zweckmäßigen Vergleichstherapie – Tirzepatid (D-1301).
- Liraglutid – Änderung Produktinformation (Victoza, Pankreatitis-Hinweis).
- Potential side effects to GLP-1 agonists: understanding their safety and tolerability. Expert Opin Drug Saf. 2015..
- Effects of glucagon-like peptide-1 receptor agonists on cardiovascular risk factors: A narrative review of head-to-head comparisons. Diabetes Obes Metab. 2018..
- Association between glucagon-like peptide-1 receptor agonists and biliary-related diseases in patients with type 2 diabetes: A nationwide cohort study. Pharmacotherapy. 2022..
- Cohort Study: Risk of Gallstones and Biliary Complications With Glucagon-Like Peptide-1 Receptor Agonists in Type 2 Diabetes. United European Gastroenterol J. 2025..
- Insulin (alle insulinhaltigen Arzneimittel): Änderung Produktinformation – kutane Amyloidose.
- GLP-1RA-induced delays in gastrointestinal motility: Predicted effects on coadministered drug absorption by PBPK analysis. Pharmacotherapy. 2025..
- Recent updates on GLP-1 agonists: Current advancements & challenges. Biomed Pharmacother. 2019..
Häufig gestellte Fragen
Für welche Erkrankungen ist Liraglutid in Deutschland zugelassen?
Liraglutid ist als Victoza zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen ab 10 Jahren zugelassen. Als Saxenda ist es zur Gewichtsregulation bei Adipositas bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren unter definierten Voraussetzungen zugelassen.
Wird Liraglutid zur Gewichtsabnahme von der Krankenkasse bezahlt?
Nein, Saxenda zur Gewichtsregulation gilt in Deutschland als Lifestyle-Arzneimittel und ist gemäß SGB V Paragraph 34 von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Die Kosten müssen in der Regel privat getragen werden.
Wann muss eine Behandlung mit Saxenda abgebrochen werden?
Bei Erwachsenen soll Saxenda beendet werden, wenn nach 12 Wochen mit der Erhaltungsdosis von 3,0 mg kein Gewichtsverlust von mindestens 5 Prozent des Ausgangsgewichts erreicht wurde. Bei Kindern und Jugendlichen gilt ein Abbruchkriterium von mindestens 4 Prozent Reduktion des BMI oder des BMI-z-Scores nach 12 Wochen.
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