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Schlafapnoe Definition: Formen und Diagnose

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
03.11.2026
Zuletzt aktualisiert
04.11.2026

Schlafapnoe Definition: Als Schlafapnoe bezeichnet die Medizin eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der es im Schlaf wiederholt zu Atemaussetzern von mindestens zehn Sekunden Dauer kommt. Diese Aussetzer fragmentieren den Schlaf und können den Sauerstoffgehalt im Blut absenken. Der Schweregrad wird über den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt. In Deutschland zählt die Erkrankung zu den häufigsten schlafmedizinischen Diagnosen, bleibt aber oft lange unerkannt. Dieser Artikel erklärt die medizinische Definition, die verschiedenen Formen, typische Beschwerden sowie den Diagnoseweg in Deutschland.

Zusammenfassung: Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atmungsstörung mit wiederholten Atemaussetzern von mindestens zehn Sekunden, die über den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) in leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt wird.

  • Der AHI gibt die Anzahl von Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf an: ab 5 leicht, ab 15 mittelschwer, ab 30 schwer.
  • Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA), bei der erschlaffte Rachenmuskulatur die Atemwege blockiert.
  • Typische Beschwerden sind ausgeprägte Tagesmüdigkeit, nicht erholsamer Schlaf, Schnarchen mit Atempausen und morgendliche Kopfschmerzen.
  • Die Diagnose erfolgt stufenweise: zunächst ambulante Polygraphie, bei unklarem Befund Polysomnographie im akkreditierten Schlaflabor.
  • Unbehandelte Schlafapnoe ist mit erhöhtem Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Stoffwechselstörungen assoziiert.
  • Smartphone-Apps und Wearables sind in Deutschland nicht zur klinischen Diagnosestellung anerkannt und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Was ist Schlafapnoe und wie wird sie medizinisch definiert?

Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atmungsstörung mit Atemaussetzern von mindestens zehn Sekunden, definiert über den AHI: ab 5 Ereignissen pro Stunde gilt sie als leicht, ab 15 als mittelschwer und ab 30 als schwer.

Schlafapnoe bezeichnet eine schlafbezogene Atmungsstörung, bei der es im Schlaf zu wiederholten, mindestens zehn Sekunden andauernden Atemaussetzern kommt, die den Schlaf fragmentieren und den Sauerstoffgehalt im Blut absenken können. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „apnoia“ ab, was so viel wie Atemlosigkeit bedeutet. Medizinisch wird die Erkrankung über den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) definiert: Er gibt an, wie viele Apnoen (vollständige Atemstopps) und Hypopnoen (deutlich reduzierter Atemfluss) pro Stunde Schlaf auftreten.

Die folgenden AHI-Grenzwerte gelten für Erwachsene: Ein AHI von weniger als 5 Ereignissen pro Stunde gilt als normal. Ab einem AHI von 5 spricht man von einer leichten Schlafapnoe, ab 15 von einer mittelschweren und ab 30 von einer schweren Form. Bei Kindern gelten abweichende Grenzwerte; hier ist eine pädiatrisch-schlafmedizinische Beurteilung erforderlich. Diese Einteilung ist klinisch relevant, weil sie die Behandlungsentscheidung beeinflusst.

Die Schlafapnoe zählt zu den häufigsten schlafmedizinischen Erkrankungen in Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ist ein erheblicher Teil der Betroffenen nicht diagnostiziert.[1][3] Die obstruktive Schlafapnoe ist laut AWMF-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ die mit Abstand häufigste Verlaufsform.[1][3] Unbehandelt ist die Erkrankung mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen assoziiert; ein kausaler Zusammenhang ist für einzelne Folgeerkrankungen belegt, für andere wird er in der Forschung weiter untersucht.[1][10] Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist daher medizinisch bedeutsam.

Merkmal Normale Atmung im Schlaf Leichte Schlafapnoe Mittelschwere Schlafapnoe Schwere Schlafapnoe
AHI (Ereignisse pro Stunde) Weniger als 5 5 bis 14 15 bis 29 30 oder mehr
Häufigste Form Nicht applicable Obstruktive Schlafapnoe (OSA) Obstruktive Schlafapnoe (OSA) Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Typische Beschwerden Keine schlafbezogenen Beschwerden Gelegentliches Schnarchen, leichte Tagesmüdigkeit Regelmäßiges Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme Ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Atemaussetzer, Kopfschmerzen, Nykturie
Diagnostisches Verfahren Nicht applicable Ambulante Polygraphie (PG) als erster Schritt Ambulante Polygraphie, ggf. Polysomnographie (PSG) Polysomnographie im akkreditierten Schlaflabor empfohlen
Kardiovaskuläres Risiko Kein erhöhtes Risiko Gering erhöht, Verlauf beobachten Erhöht, Behandlung in der Regel indiziert Deutlich erhöht, Behandlung dringend erforderlich
Behandlungsentscheidung Keine Therapie erforderlich Abhängig von Beschwerden und Begleiterkrankungen PAP-Therapie oder andere Maßnahmen meist indiziert PAP-Therapie in der Regel zwingend indiziert
Besonderheiten bei Kindern AHI unter 1 gilt als normal Abweichende Grenzwerte, paediatrische Beurteilung erforderlich Verhaltensauffälligkeiten und Wachstumsverzögerung moeglich Zeitnahe Vorstellung beim Kinderarzt oder HNO-Facharzt

Welche Formen der Schlafapnoe gibt es?

Es werden obstruktive, zentrale, gemischte und komplexe Schlafapnoe unterschieden, wobei die obstruktive Form mit Erschlaffung der Rachenmuskulatur am häufigsten vorkommt.

Die Schlafapnoe wird medizinisch in mehrere Formen unterteilt, die sich in Ursache und Entstehungsmechanismus unterscheiden.

Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA): Hier erschlafft die Muskulatur im Rachenbereich während des Schlafs, sodass die oberen Atemwege vorübergehend verengt oder vollständig blockiert werden. Trotz fortbestehender Atemanstrengung gelangt keine oder zu wenig Luft in die Lunge.

Die zweite Form ist die zentrale Schlafapnoe (ZSA). Bei ihr sendet das Gehirn keine ausreichenden Signale an die Atemmuskulatur, sodass die Atemarbeit selbst kurzzeitig ausbleibt. Ein charakteristisches Muster ist die Cheyne-Stokes-Atmung, die häufig bei Herzinsuffizienz auftritt. Weitere typische Konstellationen sind Schlafapnoe nach Schlaganfall sowie unter Opioidtherapie.

Eine dritte Form ist die gemischte Schlafapnoe: Dabei beginnt ein einzelnes Atemereignis mit einer zentralen Komponente (fehlende Atemanstrengung) und geht in eine obstruktive Komponente über. Davon zu unterscheiden ist die komplexe oder behandlungsinduzierte zentrale Schlafapnoe: Sie bezeichnet das Auftreten oder Fortbestehen zentraler Apnoen unter einer Überdruckbeatmungstherapie (PAP-Therapie) bei zuvor diagnostizierter OSA und ist damit eine eigenständige Entität.[1][9]

Das Obesitas-Hypoventilations-Syndrom (OHS) ist keine Unterform der Schlafapnoe, sondern eine eigenständige Erkrankung, die differenzialdiagnostisch abzugrenzen ist. Es tritt bei Adipositas (Body-Mass-Index ab 30 kg/m²) auf und ist durch eine dauerhaft verminderte Belüftung der Lunge mit erhöhtem Kohlendioxidgehalt im Blut tagsüber (Tageshyperkapnie, PaCO2 ab 45 mmHg) gekennzeichnet, ohne dass eine andere Ursache vorliegt. OHS kann gleichzeitig mit einer Schlafapnoe bestehen. Die genaue Zuordnung zu einer Form ist für die Wahl der richtigen Behandlung entscheidend und erfordert eine schlafmedizinische Untersuchung.

Woran erkennt man eine Schlafapnoe - typische Beschwerden im Überblick

Lautes unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen, ausgeprägte Tagesmüdigkeit und nicht erholsamer Schlaf sind die häufigsten Hinweiszeichen auf eine Schlafapnoe.

Das auffälligste Zeichen einer Schlafapnoe sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit hörbaren Atempausen, die häufig von Bettpartnerinnen oder Bettpartnern beobachtet werden. Betroffene selbst bemerken die Atemaussetzer im Schlaf meist nicht direkt, nehmen aber deren Folgen am nächsten Tag deutlich wahr.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Ausgeprägte Tagesmüdigkeit trotz ausreichend langer Schlafdauer

  • Nicht erholsamer Schlaf und das Gefühl, morgens nicht ausgeruht zu sein

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme sowie verlangsamte Reaktionsfähigkeit

  • Morgendliche Kopfschmerzen, die möglicherweise mit dem nächtlichen Sauerstoffabfall in Zusammenhang stehen

  • Häufiges nächtliches Erwachen, teils mit Erstickungsgefühl oder Herzrasen

  • Mundtrockenheit am Morgen durch Mundatmung während des Schlafs

  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen

  • Erhöhter Harndrang in der Nacht (Nykturie)

  • Nächtliches Schwitzen oder ein schwer einstellbarer Bluthochdruck können ebenfalls Hinweise sein

Bei Kindern kann sich eine Schlafapnoe anders äußern als bei Erwachsenen: Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsprobleme oder Wachstumsverzögerungen können Hinweise sein. Für Kinder gelten zudem andere diagnostische Grenzwerte und es ist pädiatrische Fachkompetenz gefragt.

Wichtig ist, dass nicht alle Betroffenen schnarchen und nicht jeder, der schnarcht, eine Schlafapnoe hat. Schnarchen allein ist kein hinreichendes Diagnosekriterium. Die Kombination mehrerer der genannten Beschwerden sollte Anlass sein, ärztlichen Rat einzuholen.

Wie wird Schlafapnoe in Deutschland diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit einer ambulanten Polygraphie beim Hausarzt; bei unklarem Befund oder Verdacht auf zentrale Schlafapnoe ist eine Polysomnographie im Schlaflabor erforderlich.

Die Diagnose einer Schlafapnoe erfolgt in Deutschland in der Regel stufenweise und beginnt beim Hausarzt, der eine erste Einschätzung vornimmt und bei begründetem Verdacht eine Überweisung veranlasst. Als erster diagnostischer Schritt wird häufig eine ambulante Polygraphie (PG) eingesetzt: Dabei trägt die betroffene Person über Nacht ein kleines Messgerät nach Hause, das Atemfluss, Schnarchen, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Körperlage aufzeichnet.

Gemäß der AWMF-S3-Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen“ (DGSM) kann bei typischer klinischer Konstellation und eindeutigem Polygraphiebefund die Diagnose einer obstruktiven Schlafapnoe auf Grundlage der ambulanten Polygraphie gestellt werden. Eine vollständige Polysomnographie (PSG) in einem akkreditierten Schlaflabor ist indiziert, wenn die Polygraphie ein negatives oder unklares Ergebnis liefert, wenn der Verdacht auf eine zentrale Schlafapnoe oder eine Hypoventilationsstörung besteht, bei relevanten Begleiterkrankungen oder bei Therapieversagen. Die PSG erfasst zusätzlich Hirnströme (EEG), Augenbewegungen, Muskelaktivität und weitere Parameter und ermöglicht eine genaue Bestimmung des AHI sowie die Unterscheidung der Schlafapnoe-Formen.

In Deutschland sind schlafmedizinische Untersuchungen über die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) abrechenbar, sofern eine medizinische Indikation vorliegt. Die Überweisung erfolgt in der Regel durch den Hausarzt an einen Facharzt für Pneumologie, Neurologie oder HNO-Heilkunde oder an ein akkreditiertes Schlaflabor. Ergänzend können Fragebögen wie der Epworth Sleepiness Scale (ESS) zur Einschätzung der Tagesschläfrigkeit eingesetzt werden.[1]

Smartphone-Apps oder Wearables können allenfalls einen ersten Hinweis liefern. In Deutschland sind sie nicht zur klinischen Diagnosestellung der Schlafapnoe anerkannt und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, unabhängig von einer etwaigen CE-Kennzeichnung.

Wann sollte man wegen möglicher Schlafapnoe ärztlichen Rat suchen?

Bei regelmäßiger starker Tagesmüdigkeit, beobachteten Atemaussetzern oder nicht erholsamem Schlaf sollte zeitnah ein Hausarzt aufgesucht werden, bei Einschlafen am Steuer sofort.

Wer regelmäßig unter starker Tagesmüdigkeit leidet, von Bettpartnerinnen oder Bettpartnern auf Atemaussetzer im Schlaf hingewiesen wird oder morgens trotz ausreichend Schlaf nicht erholt aufwacht, sollte zeitnah den Hausarzt aufsuchen. Diese Kombination von Beschwerden ist ein klares Signal, das einer ärztlichen Abklärung bedarf.

Besondere Dringlichkeit besteht in folgenden Situationen:

  • Einschlafen am Steuer oder bei der Arbeit: Ausgeprägte Schläfrigkeit am Tag erhöht das Unfallrisiko erheblich. Wer unter ungewolltem Einschlafen oder ausgeprägter Tagesschläfrigkeit leidet, sollte bis zur ärztlichen Abklärung in Deutschland kein Kraftfahrzeug führen und keine Maschinen bedienen. Die Fahreignung bei Schlafapnoe ist in den Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (BASt) geregelt.[14]

  • Bekannte Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder Typ-2-Diabetes, bei denen eine unbehandelte Schlafapnoe den Verlauf verschlechtern kann.

  • Kinder mit Schnarchen, Atemaussetzern oder auffälligem Schlafverhalten: Hier sollte zeitnah ein Kinderarzt oder HNO-Facharzt einbezogen werden, da für Kinder andere diagnostische Kriterien gelten.

Bei dringlichen, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden, etwa bei häufigem nächtlichem Erwachen mit Herzrasen ohne weitere Warnsymptome, steht in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 zur Verfügung.

Bei akuten, möglicherweise lebensbedrohlichen Beschwerden ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Dazu zählen in Deutschland insbesondere: akute starke Brustschmerzen (möglicher Herzinfarkt), schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder der Verdacht auf ein akutes kardiales Ereignis. Diese Symptome erfordern umgehend den Rettungsdienst und dürfen nicht auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen werden.

In Deutschland kann der Hausarzt als erste Anlaufstelle eine Einschätzung vornehmen, notwendige Voruntersuchungen einleiten und bei Bedarf an ein schlafmedizinisches Zentrum überweisen. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine rechtzeitige Behandlung und kann dazu beitragen, Folgeerkrankungen zu vermeiden oder deren Verlauf günstig zu beeinflussen.

Wissenschaftliche Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Ab welchem AHI-Wert spricht man von Schlafapnoe?

Ab einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von 5 Ereignissen pro Stunde Schlaf spricht man bei Erwachsenen von einer leichten Schlafapnoe. Ab 15 gilt sie als mittelschwer und ab 30 als schwer.

Was ist der Unterschied zwischen obstruktiver und zentraler Schlafapnoe?

Bei der obstruktiven Schlafapnoe blockiert erschlaffte Rachenmuskulatur die Atemwege trotz fortbestehender Atemanstrengung. Bei der zentralen Schlafapnoe sendet das Gehirn keine ausreichenden Signale an die Atemmuskulatur, sodass die Atemarbeit selbst kurzzeitig ausbleibt.

Wie wird Schlafapnoe in Deutschland diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt beim Hausarzt mit einer ambulanten Polygraphie, die Atemfluss, Sauerstoffsättigung und weitere Parameter aufzeichnet. Bei unklarem Befund oder Verdacht auf eine zentrale Schlafapnoe ist eine vollständige Polysomnographie in einem akkreditierten Schlaflabor erforderlich.


Redaktionelle Hinweise

Die medizinischen Informationen auf dieser Seite beruhen auf anerkannten, evidenzbasierten Quellen und werden regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information.

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