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Was ist Orlistat? Wirkung, Dosierung, Risiken

Verfasst von
Bolt Med
Veröffentlicht
24.10.2026
Zuletzt aktualisiert
02.11.2026

Orlistat ist ein Arzneimittel zur Behandlung von Übergewicht, das im Darm die Fettaufnahme hemmt. Als Lipasehemmer blockiert es das Enzym Lipase, sodass etwa 30 Prozent der Nahrungsfette unverdaut ausgeschieden werden. In Deutschland ist Orlistat in zwei Dosierungen erhältlich: 60 mg rezeptfrei und 120 mg auf Rezept. Dieser Artikel erklärt, wie Orlistat wirkt, für wen es geeignet ist, welche Nebenwirkungen auftreten können, wie es richtig eingenommen wird und welche Wechselwirkungen zu beachten sind.

Zusammenfassung: Orlistat ist ein Lipasehemmer, der die Aufnahme von etwa 30 Prozent der Nahrungsfette im Darm blockiert und so zur Gewichtsreduktion beiträgt.

  • Orlistat gehört zur Wirkstoffklasse der Lipasehemmer und wirkt lokal im Magen-Darm-Trakt, nicht zentral.
  • In Deutschland ist Orlistat als 60-mg-Kapsel rezeptfrei und als 120-mg-Kapsel verschreibungspflichtig erhältlich.
  • Häufigste Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden wie Fettstühle und Stuhldrang, besonders bei fettreichen Mahlzeiten.
  • Orlistat kann die Resorption fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) sowie mehrerer Arzneimittel, darunter Ciclosporin und Levothyroxin, vermindern.
  • Die GKV erstattet Orlistat nicht; es gilt laut SGB V Paragraph 34 als Lifestyle-Arzneimittel.
  • Die Behandlung sollte in ein multimodales Therapiekonzept mit kalorienreduzierter Ernährung und Bewegung eingebettet sein.

Was ist Orlistat und wie wirkt es im Körper?

Orlistat ist ein Lipasehemmer, der im Darm das Enzym Lipase blockiert und so bewirkt, dass etwa 30 Prozent der Nahrungsfette unverdaut ausgeschieden werden. Es wirkt lokal im Gastrointestinaltrakt und hat keine zentralnervöse Wirkung.

Orlistat ist ein Arzneimittel zur Behandlung von Übergewicht, das die Aufnahme von Nahrungsfett im Darm hemmt. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Lipasehemmer: Er blockiert im Magen und Dünndarm das Enzym Lipase, das normalerweise Nahrungsfette (Triglyzeride) in resorbierbare Fettsäuren und Monoglyzeride aufspaltet.[1][2] Wird die Lipase gehemmt, verbleiben etwa 30 Prozent der mit der Mahlzeit aufgenommenen Fette unverdaut im Darm und werden mit dem Stuhl ausgeschieden.[2][7]

Orlistat wird nach Angaben der Fachinformation (PharmNet.Bund) nur in sehr geringem Maß systemisch resorbiert und wirkt überwiegend lokal im Gastrointestinaltrakt.[2][7] Da keine zentralnervöse Wirkung besteht, unterscheidet sich Orlistat grundlegend von zentral wirksamen Appetitzüglern. Orlistat ist kein Appetitzügler und erzeugt kein Sättigungsgefühl. Die Gewichtsabnahme entsteht ausschließlich durch die reduzierte Kalorienaufnahme aus Fett in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung.

In Deutschland ist Orlistat in zwei Dosierungen erhältlich:

  • 60 mg Kapseln (z. B. Alli): rezeptfrei in Apotheken erhältlich für Erwachsene ab 18 Jahren

  • 120 mg Kapseln (z. B. Xenical): verschreibungspflichtig, nur auf ärztliche Verordnung

Die Europäische Kommission hat Orlistat 120 mg auf Grundlage eines EMA-Gutachtens zentral zugelassen; die Fachinformation ist über PharmNet.[1][4]Bund abrufbar.

Merkmal Orlistat 60 mg (z. B. Alli) Orlistat 120 mg (z. B. Xenical)
Verschreibungsstatus Rezeptfrei in Apotheken erhältlich Verschreibungspflichtig, nur auf ärztliche Verordnung
Zugelassene Zielgruppe Erwachsene ab 18 Jahren mit BMI ab 28 kg/m² Erwachsene mit BMI ab 30 kg/m², oder ab 28 kg/m² bei Risikofaktoren
Einnahmeschema Eine Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten, max. 180 mg pro Tag Eine Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten, max. 360 mg pro Tag
Wirkmechanismus Hemmt Lipase im Magen-Darm-Trakt, ca. 30 Prozent der Nahrungsfette werden nicht resorbiert Identischer Wirkmechanismus wie 60 mg, stärkere Fetthemmung durch höhere Dosis
Stoppkriterium Kein Gewichtsverlust nach 12 Wochen; max. Anwendungsdauer ca. 6 Monate Weniger als 5 Prozent Gewichtsverlust nach 12 Wochen laut Fachinformation
Häufige Nebenwirkungen Fettstühle, öliger Stuhlabgang, Stuhldrang, Blähungen Identisch mit 60 mg, Risiko steigt bei fettreichen Mahlzeiten
Kostenübernahme GKV Nicht erstattet, Kosten trägt der Patient gemäß SGB V Paragraph 34 Nicht erstattet, Kosten trägt der Patient gemäß SGB V Paragraph 34

Für wen ist Orlistat geeignet - und für wen nicht?

Orlistat 120 mg ist für Erwachsene mit einem BMI ab 30 kg/m² oder ab 28 kg/m² bei gewichtsbedingten Risikofaktoren geeignet. Nicht geeignet ist es für Schwangere, Stillende, Kinder sowie Personen mit Malabsorptionssyndrom oder Cholestase.

Orlistat 120 mg ist laut Fachinformation (PharmNet.Bund) für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 kg/m² oder mehr geeignet, sowie für Erwachsene mit einem BMI ab 28 kg/m², wenn gleichzeitig gewichtsbedingte Risikofaktoren wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen.[2][7] Die Einnahme soll stets in Verbindung mit einer leicht kalorienreduzierten, fettarmen Ernährung und körperlicher Aktivität erfolgen.

Die rezeptfreie 60-mg-Variante ist laut Gebrauchsinformation für Erwachsene ab 18 Jahren mit einem BMI von mindestens 28 kg/m² vorgesehen.[9] Auch hier ist eine ärztliche Beratung vor der Einnahme empfehlenswert, insbesondere bei Begleiterkrankungen.

Orlistat ist nicht geeignet für:

  • Schwangere und stillende Frauen

  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (für die 60-mg-Form; die 120-mg-Form ist ebenfalls nur für Erwachsene zugelassen)

  • Personen mit chronischem Malabsorptionssyndrom (z. B. Morbus Crohn mit ausgeprägter Resorptionsstörung)

  • Personen mit Cholestase (Gallenstau)

  • Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Orlistat

Vorsicht ist geboten bei Personen mit Nierensteinen aus Oxalat in der Vorgeschichte, da Orlistat die Oxalatresorption erhöhen kann. Bei Personen mit Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Bulimie ist vor der Anwendung zwingend ärztliche Rücksprache erforderlich; die Fach- und Gebrauchsinformation stuft dies als wichtigen Warnhinweis ein, der eine individuelle ärztliche Beurteilung erfordert.

Gemäß der AWMF-S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas (Deutschland) ist Orlistat eine von mehreren Behandlungsoptionen, die stets in ein multimodales Therapiekonzept eingebettet sein sollte.[11] Die Entscheidung über die Eignung trifft der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin individuell.

Welche Nebenwirkungen können bei Orlistat auftreten?

Sehr häufige Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden wie Fettstühle, Stuhldrang und Blähungen, die bei fettarmer Ernährung deutlich abnehmen. Selten wurden schwere Leberfunktionsstörungen, Nierensteine und Pankreatitis berichtet.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Orlistat betreffen den Magen-Darm-Trakt und sind direkte Folge des Wirkmechanismus: Unverdautes Fett im Darm kann zu öliger Stuhlabsonderung, Fettstühlen (Steatorrhoe), vermehrtem Stuhldrang, Blähungen und in manchen Fällen zu unkontrolliertem Stuhlabgang führen. Laut Fachinformation gelten diese gastrointestinalen Effekte als sehr häufig bis häufig. Sie treten besonders dann auf, wenn die Mahlzeiten einen hohen Fettanteil enthalten, und können durch eine fettarme Ernährung deutlich reduziert werden.

Hinweis: Bei anhaltendem schwerem Durchfall kann die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva beeinträchtigt sein. In diesem Fall sollte zusätzlich eine Barrieremethode zur Verhütung angewendet werden. Dies ist in der Gebrauchsinformation ausdrücklich erwähnt.

Darüber hinaus kann Orlistat die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) und von Beta-Carotin vermindern.[2][7] Ärzte empfehlen daher häufig die ergänzende Einnahme eines Multivitaminpräparats, das mindestens zwei Stunden vor oder nach Orlistat eingenommen werden sollte, am besten abends.

In seltenen bis sehr seltenen Fällen wurden unter Orlistat folgende Ereignisse berichtet:[5][10]

  • Leberfunktionsstörungen (sehr selten, einschließlich schwerer Hepatitis)

  • Nierensteine aus Calciumoxalat

  • Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

  • Allergische Reaktionen wie Hautausschlag oder Juckreiz

Verdächtige Nebenwirkungen können in Deutschland dem BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) gemeldet werden. Bei starken Bauchschmerzen, Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklem Urin oder schwerem allergischem Ausschlag sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Im Notfall gilt: 112 anrufen. Bei dringendem, nicht lebensbedrohlichem Beratungsbedarf außerhalb der Praxiszeiten steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.

Wie wird Orlistat richtig eingenommen?

Orlistat wird dreimal täglich zu jeder Hauptmahlzeit eingenommen, entweder während oder bis zu einer Stunde danach. Bei fettfreien Mahlzeiten oder ausgelassenen Mahlzeiten kann die Einnahme entfallen.

Orlistat 120 mg wird dreimal täglich zu jeder Hauptmahlzeit eingenommen, entweder während der Mahlzeit oder bis zu einer Stunde danach. Wird eine Mahlzeit ausgelassen oder enthält sie kein Fett, kann die Einnahme für diese Mahlzeit entfallen. Die Kapsel wird unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt.

Die rezeptfreie 60-mg-Variante folgt demselben Einnahmeschema: eine Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten. Die maximale Tagesdosis beträgt drei Kapseln (180 mg bei der rezeptfreien Form bzw. 360 mg bei der verschreibungspflichtigen Form).

Für eine wirksame und verträgliche Anwendung gelten folgende Hinweise:

  • Fettarme Ernährung einhalten: Der Fettanteil jeder Mahlzeit sollte etwa 30 Prozent der Gesamtkalorien nicht überschreiten, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu minimieren.

  • Multivitaminpräparat ergänzen: Mindestens zwei Stunden zeitlicher Abstand zur Orlistat-Einnahme ist erforderlich; die Einnahme abends wird empfohlen.

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolle: Gewicht, Blutzucker (bei Diabetes in mg/dL) und Blutdruck sollten regelmäßig überprüft werden.

  • Stoppkriterien und Behandlungsdauer: Die Regeln unterscheiden sich je nach Darreichungsform. Für die verschreibungspflichtige 120-mg-Form sieht die Fachinformation vor, die Behandlung abzusetzen, wenn nach zwölf Wochen kein Gewichtsverlust von mindestens 5 Prozent des Ausgangsgewichts erreicht wurde.[7][8] Für die rezeptfreie 60-mg-Form ist die Behandlung abzusetzen, wenn nach zwölf Wochen kein Gewichtsverlust eingetreten ist; die maximale Anwendungsdauer beträgt in der Regel bis zu sechs Monate. In beiden Fällen sollte die weitere Vorgehensweise mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden.

In Deutschland ist Orlistat 120 mg verschreibungspflichtig und wird auf Privatrezept verordnet, da die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Arzneimittel zur Gewichtsreduktion gemäß SGB V Paragraph 34 als Lifestyle-Arzneimittel von der Erstattung ausschließt.[12] Die Kosten trägt der Patient selbst.

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Die klinisch bedeutsamste Wechselwirkung besteht mit Ciclosporin, dessen Blutspiegel durch Orlistat erheblich gesenkt werden kann. Auch Antikoagulanzien, Levothyroxin und Antiepileptika erfordern engmaschige Kontrollen bei gleichzeitiger Einnahme.

Orlistat kann die Resorption mehrerer Arzneimittel vermindern und dadurch deren Wirksamkeit beeinflussen. Patienten sollten ihren Arzt oder Apotheker in Deutschland stets über alle eingenommenen Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlichen Präparate informieren, bevor sie mit Orlistat beginnen.

Die klinisch bedeutsamste Wechselwirkung besteht mit Ciclosporin: Die gleichzeitige Einnahme kann die Blutspiegel dieses Immunsuppressivums erheblich senken, weshalb die Kombination laut Fachinformation vermieden werden sollte. Ist eine gleichzeitige Anwendung unvermeidbar, sind engmaschige Ciclosporin-Spiegelkontrollen erforderlich.

Weitere relevante Wechselwirkungen betreffen:

  • Antikoagulanzien (z. B. Warfarin, Phenprocoumon): Orlistat kann die Vitamin-K-Resorption vermindern und dadurch die gerinnungshemmende Wirkung verstärken. Regelmäßige INR-Kontrollen sind notwendig.

  • Schilddrüsenhormone (z. B. Levothyroxin): Die gleichzeitige Einnahme kann die Resorption von Levothyroxin verringern. Ein zeitlicher Abstand von mindestens vier Stunden wird empfohlen; zusätzlich sind regelmäßige TSH-Kontrollen ratsam.

  • Antiepileptika (z. B. Valproinsäure, Lamotrigin): Einzelfallberichte deuten auf eine mögliche Verminderung der Resorption hin; eine engmaschige klinische Überwachung ist ratsam.

  • Orale Kontrazeptiva: Bei schwerem Durchfall unter Orlistat kann die Wirksamkeit oraler Verhütungsmittel beeinträchtigt sein. In diesem Fall sollte zusätzlich eine Barrieremethode angewendet werden.

  • Acarbose: Die gleichzeitige Anwendung von Orlistat und Acarbose wird mangels ausreichender Daten laut Fachinformation nicht empfohlen.

  • Antiretrovirale Arzneimittel: Es liegen Berichte über eine mögliche Verminderung der Wirksamkeit antiretroviraler Therapien vor; die Kombination sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

  • Amiodaron: Eine verminderte Exposition gegenüber Amiodaron ist möglich; ärztliche Überwachung ist erforderlich.

  • Fettlösliche Vitamine und Betacarotin: Deren Aufnahme wird durch Orlistat generell reduziert.

  • Antidiabetika: Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes kann eine Gewichtsabnahme unter Orlistat eine Anpassung der Blutzuckertherapie erforderlich machen.

Bei Fragen zur Medikation außerhalb der Praxiszeiten steht in Deutschland der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 zur Verfügung.

Wissenschaftliche Quellen

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Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet sich Orlistat 60 mg von Orlistat 120 mg?

Orlistat 60 mg ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich und für Erwachsene ab einem BMI von 28 kg/m² vorgesehen, während Orlistat 120 mg verschreibungspflichtig ist und ab einem BMI von 30 kg/m² eingesetzt wird. Beide Formen werden dreimal täglich zu den Hauptmahlzeiten eingenommen.

Kann ich Orlistat zusammen mit meinen anderen Medikamenten einnehmen?

Orlistat kann die Wirksamkeit mehrerer Arzneimittel beeinflussen, darunter Ciclosporin, Antikoagulanzien wie Phenprocoumon und Schilddrüsenhormone wie Levothyroxin. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker stets über alle eingenommenen Medikamente, bevor Sie mit Orlistat beginnen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Orlistat?

Nein, die gesetzliche Krankenversicherung erstattet Orlistat nicht, da es gemäß SGB V Paragraph 34 als Lifestyle-Arzneimittel eingestuft ist. Die Kosten müssen Patienten selbst tragen.


Redaktionelle Hinweise

Die medizinischen Informationen auf dieser Seite beruhen auf anerkannten, evidenzbasierten Quellen und werden regelmäßig auf Richtigkeit und Aktualität geprüft. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information.

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